Als ich meinen ersten Job antrat, war ich wütend: Gleich zu Beginn erklärte mir die Sekretärin, wie die Kaffeemaschine funktioniert. Das war Ende der Achzigerjahre und selbstverständlich war ich, feministisch geschult, fest entschlossen, im Büro nie und nimmer Kaffee zu kochen!

Damals begann ich als Redakteurin in einer Pressestelle. Meine männlichen Kollegen holten sich ihren Kaffee noch nicht selbst, das war die Aufgabe von Frauen. Sekretärinnen tippten für sie auch Briefe und Manuskripte ab, führten Terminkalender, machten die Abrechnungen, übernahmen Telefonrecherchen und allerlei mehr. Manchmal kauften sie sogar Blumen für die Gattin zum Geburtstag, oder erinnerten ihren Chef dran, dass morgen ihr Hochzeitstag war.

"Würde ich, weil ich eine Frau war, Kaffee kochen? Oder würde ich mir, weil ich Redakteurin war, den Kaffee kochen lassen?"
Antje Schrupp

In unserer kleinen Abteilung damals war das Verhältnis eins zu zwei, eineinhalb Sekretariatsstellen bei drei Redakteursstellen. Und bis zu meiner Ankunft hatten klare Verhältnisse geherrscht – Redakteure waren immer Männer, Sekretärinnen immer Frauen. Ich aber hatte nun eine Zwitterstellung inne, die anhand der Kaffeethematik offensichtlich wurde: Würde ich, weil ich eine Frau war, Kaffee kochen? Oder würde ich mir, weil ich Redakteurin war, den Kaffee kochen lassen?

Die einschlägigen Karriereratgeber für Frauen, die damals massenhaft verlegt wurden, rieten vehement vom Kaffeekochen ab, denn eine Frau, die das tat, müsse sich nicht wundern, wenn sie für die Sekretärin gehalten würde. Das Verbot galt auch für viele anderen Tätigkeiten: Protokoll schreiben, Geburtstagskarten besorgen, verschüttete Kaffeeflecken wegwischen, mal eben schnell was kopieren oder zur Post bringen – bloß nicht!

Und es war etwas dran, denn alle mussten ja erst einmal lernen, dass Status und Zuständigkeitsbereiche nicht mehr eindeutig mit einem Geschlecht korrelierten. Auch ich wurde anfangs oft für die Sekretärin gehalten. Aber viele, ich auch, dachten, das sei ein Übergangsphänomen: Zehn, zwanzig Jahre höchstens, und die Geschlechterkluft zwischen denen, die Kaffee kochten, und denen, denen der Kaffee gebracht wird, wäre geschlossen.

"I refuse to be the Office Mum."
Jillian Medoff, Autorin, im Newsletter von Lena Dunham

Tatsächlich sind die Sekretärinnen inzwischen flächendeckend abgeschafft worden. Abgesehen von den allerobersten Chefetagen, wo die Geschlechterverhältnisse auch generell noch auf dem Stand von 1958 sind, kochen sich heute alle ihren Kaffee selber, beziehungsweise drücken auf den entsprechenden Knopf am Automaten. Sie machen ihre Termine selber, tippen ihre Briefe selber und schicken dann auch die E-Mail selber ab.

Aber obwohl seit meinem Einstieg ins Büroleben jetzt schon 30 Jahre vergangen sind, ist das Thema offenbar noch immer nicht aus der Welt. "I refuse to be the Office Mum", schrieb etwa im Januar die Autorin Jillian Medoff im Lenny Letter, einem viel gelesenen feministischen Newsletter der Schauspielerin Lena Dunham.  "Don’t be the Office Mum", warnte kürzlich auch die Journalistin Alicia Adamczyk in dem Online-Magazin Lifehacker.com.