Als sie zum ersten Mal einen Meditationskurs besuchte, dachte Laura Malina Seiler: "Was soll ich da?" ©Hannes Thun

Früher konnte Laura Malina Seiler mit Meditation nichts anfangen. Heute gehört die 31-Jährige zu den angesagtesten Life Coaches in Deutschland. Sie bietet im Internet Selbsthilfekurse an und hat einen Bestseller geschrieben. Ihr Entspannungspodcast Happy, holy & confident gehört zu den erfolgreichsten in Deutschland. Einzelcoaching bietet sie nicht mehr an – denn sie habe die Vision, möglichst vielen Menschen zu helfen. Im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit sagt sie: "Ich kann in einer Stunde eine Person erreichen oder 20.000." Sie habe sich für Letzteres entschieden.

"Ich dachte, wenn ich woanders hingehe, ist es da bestimmt voll schön mit mir, was natürlich totaler Quatsch ist, weil man sich selbst mitnimmt."
Laura Malina Seiler, Lifecoach

Als Kind hatte Laura Malina Seiler ein Pony. Daraus entstand der Berufswunsch, zur berittenen Polizei zu gehen: "Weil ich die Idee so cool fand, den ganzen Tag auf dem Pferd zu sitzen." Doch sie flog durch die Aufnahmeprüfung bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen: "Ich habe eine leichte Rechtschreibschwäche und habe im Diktat drei Fehler zu viel gemacht."

Stattdessen studierte sie Politikwissenschaften, Spanisch und Italienisch in Düsseldorf und Istanbul. Was sie damit später einmal anfangen würde, wusste sie nicht. Es folgten Praktika bei Volkswagen, Axel Springer und in einer Werbeagentur. Für einen ihrer Studentenjobs war sie zuständig für die PR des Rappers Bushido. Parallel bewarb sich Seiler für ein Masterstudium in den USA. Im Podcast sagt sie: "Ich habe bei Bushido gekündigt, um nach Berkeley zu gehen."

Über die vielen Stationen in ihrem Lebenslauf sagt Seiler heute: "Ich dachte, wenn ich woanders hingehe, ist es da bestimmt voll schön mit mir, was natürlich totaler Quatsch ist, weil man sich selbst mitnimmt." Und mit sich selbst war sie früher ständig unzufrieden: "Ich fand mich ziemlich doof", sagt Seiler. Schon als Mädchen habe sie das Gefühl gehabt, nichts wert zu sein. "Das ist der größte Schmerz, den es gibt."

"Ich will, dass kein Mädchen mehr denkt, dass es auf der Welt keinen Platz für sie gibt."

Ihre Tante schickte sie schließlich zu einem Meditationsseminar. "Ich hatte Vorurteile und dachte, was soll ich da?" Doch dann habe sie gemerkt, dass es ihr besser gegangen sei. Sie fragte sich: "Wie kann es sein, dass nicht jeder einen Coach hat?" Deshalb entschied sie sich, eine vierjährige Ausbildung zum Coach zu machen. "Ich will, dass kein Mädchen mehr denkt, dass es auf der Welt keinen Platz für sie gibt", sagt Seiler. Nach eigenen Angaben werden ihre Podcasts pro Monat 420.000-mal heruntergeladen. An ihren Onlinekursen, die zwischen 179 und 329 Euro kosten, hätten in den vergangenen zwei Jahren 6.000 Menschen teilgenommen. 

Damit verdienen Seiler und ihre sieben Mitarbeiter ihr Geld. Während sie in ihren Podcasts den Zuhörerinnen dabei hilft, runterzukommen, könnte sie selbst nicht gut abschalten. "Ich habe seit drei Jahren keinen Urlaub mehr gemacht", sagt sie.

Wir haben im Text nachträglich die Kosten der Onlinekurse korrigiert. Richtig ist außerdem, dass nicht in diesem Jahr bereits 6.000 Menschen daran teilgenommen haben (wie es in einer früheren Version des Textes hieß), sondern in den vergangenen zwei Jahren.

Das Konzept unseres Podcasts "Frisch an die Arbeit" fußt auf dem berühmten Fragebogen von Max Frisch – wir haben ihn umgeschrieben und an die Arbeitswelt angepasst. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können den Fragebogen zum Podcast hier auch selbst ausfüllen