Bekannt für seine Einschlafmusik: Max Richter ©Stefan Hoederath/Redferns/Getty Images

"Es gibt Melodien, die ich aufschreiben muss, weil ich sonst verrückt werde", erzählt der Komponist Max Richter im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit. Der 52-Jährige gilt als einer der erfolgreichsten und populärsten Komponisten der Gegenwart. Bekannt wurde Richter unter anderem mit dem von ihm komponierten Soundtrack für den mit einem Golden Globe prämierten Animationsfilm Waltz with Bashir und mit seinem achtstündigen Konzeptalbum Sleep, das als Einschlafhilfe gedacht ist. Gestresste Großstädter und Workaholics schwören auf Richter, dank ihm kämen sie nachts endlich wieder zur Ruhe.

"Der Milchmann nahm mich als Projekt an und lieferte morgens mit der Milch sehr experimentelle Schallplatten."
Max Richter, Komponist

Geboren wurde Richter in Hameln im Weserbergland und wuchs dann in Bedford, nördlich von London auf. An seinem Akzent hört man das niedersächsische Elternhaus – doch Englisch ist die Sprache, in der er sich am wohlsten fühlt. Über seine Kindheit sagt Richter: "Ich wusste lange nicht, dass nicht alle Menschen ständig Musik im Kopf haben." Eine für seine Karriere entscheidende Figur, sagt Richter, war der Milchmann von Bedford, der seiner Familie die Milch lieferte. Er sei ein Kenner avantgardistischer Musik gewesen und hörte Richter eines Tages am Klavier. "Ein Glücksmoment", erinnert sich Richter im Podcast. "Der Milchmann nahm mich als Projekt an und lieferte morgens mit der Milch sehr experimentelle Schallplatten." Das änderte sein Leben. Denn: "Neue Musik war für mich bis dahin Strawinski."

Bald habe Richter verstanden, dass die Melodien in seinem Kopf auch ein Beruf sein könnten: Komponist. Eine ungewöhnliche Wahl für einen Teenager, sagt Richter. "Aber es war auch schön, von den anderen schräg angeguckt zu werden." Er studierte klassische Komposition und Klavier in Edinburgh und an der Royal Academy of Music in London.

"Komponieren ist wie Yoga."
Max Richter, 52

Über seine Arbeit sagt Richter im Podcast, dass er am liebsten mit Bleistift und Papier komponiere und erst später die Noten digitalisiere, um sie am Computer hören zu können. Komponieren sei dabei "wie Yoga", sagt Richter: "Man muss seine Energie klug einteilen." Gerade das aber fehle ihm schwer. Er arbeite oft gleichzeitig an eigenen Kompositionen und an Aufträgen für Filmmusik und übernehme sich dadurch oft. "Ich kann nicht nein sagen" sagt Richter. "Ich mache immer zu viel."

Ob bei Auftragsarbeit oder bei seinen eigenen Werken: Richter denke dabei nicht ans Publikum. "Ich habe beim Komponieren immer den Eindruck: Das wird sowieso nie jemand hören."

Das Konzept unseres Podcasts "Frisch an die Arbeit" fußt auf dem berühmten Fragebogen von Max Frisch – wir haben ihn umgeschrieben und an die Arbeitswelt angepasst. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können den Fragebogen zum Podcast hier auch selbst ausfüllen