Rückkehrrecht, Brückenteilzeitrecht oder Recht auf befristete Teilzeit. Was denn nun?

Alles ist richtig. Das Rückkehrrecht von Teilzeit- auf Vollzeit stand schon im alten Koalitionsvertrag von Union und SPD, als Andrea Nahles (SPD) noch Arbeitsministerin war. Der Gesetzesentwurf, den der jetzige Arbeitsminister Hubertus Heil heute dem Bundeskabinett vorgelegt hat, trägt nun den Namen "Entwurf zur Weiterentwicklung des Teilzeitrechts und zur Einführung einer Brückenteilzeit". Gemeint ist das Gleiche: Künftig sollen Beschäftigte ein Recht darauf haben, für eine bestimmte Zeit in Teilzeit zu arbeiten – also weniger Stunden im Büro zu sein als bislang. Diese Phase darf zwischen einem und fünf Jahren dauern. Danach dürfen die Beschäftigten wieder in ihre alte Vollzeitstelle zurückkehren. Die Bundesregierung hat diesen Entwurf beschlossen, wenn der Bundestag ihm zustimmt, tritt er ab dem 1. Januar 2019 in Kraft.

Für wen gilt das Rückkehrrecht?

Theoretisch für viele Beschäftigte, denn es gibt mehrere Einschränkungen. Das Rückkehrrecht soll für alle Teilzeitvereinbarungen gelten, die ab dem 1. Januar 2019 in Betrieben ab 45 Arbeitnehmern abgeschlossen werden. Damit würde es für etwa 22 Millionen Beschäftigte gelten. Ursprünglich hatte die ehemalige Arbeitsministerin Andrea Nahles das Rückkehrrecht für Unternehmen ab 15 Beschäftigten angestrebt, Union und Arbeitgeber hatten die Schwelle bei 200 Beschäftigten festlegen wollen. Bei dem nun vorgelegten Gesetzentwurf handelt es sich um einen Kompromiss: Bei Betrieben zwischen 45 und 200 Mitarbeiterinnen soll dieser Anspruch nur einem von 15 Mitarbeitern gewährt werden.

Konnte man nicht bisher auch schon von einem Teilzeit- in einen Vollzeitjob wechseln?

Ja, das geht auch jetzt schon. Bislang mussten Beschäftigte, die nach einer Teilzeitphase wieder in ihren ursprünglichen Vollzeitjob zurückkehren wollten, auf den guten Willen des Vorgesetzten hoffen. Die größte Änderung: Wer jetzt in eine von vornherein befristete Teilzeit wechselt, hat automatisch ein Recht auf Rückkehr in den Vollzeitjob. Es spielt keine Rolle, warum ein Installateur oder eine Managerin in Teilzeit geht: Ob jemand die Eltern pflegen, einen Bauernhof bewirtschaften oder ein Buch schreiben will, ist egal.   

Kann jetzt jeder arbeiten, wann und wie viel er will?

Nicht ganz, aber das neue Gesetz soll Arbeitnehmern die Angst nehmen, eine sicher geglaubte Vollzeitstelle für immer aufzugeben, wenn sie für eine gewisse Zeit in Teilzeit gehen. Beschäftigte erhalten die Freiheit, in bestimmten Phasen die Arbeit dem Leben anzupassen. Dafür soll keine langfristige Planung notwendig sein: Innerhalb von drei Monaten muss die Arbeitnehmerin ihre Vorgesetzten darüber informieren, dass sie in Teilzeit wechseln will. Will ein Ingenieur in einem mittelständischen Unternehmen beispielsweise ab September für zwei Jahre ein paar Stunden weniger arbeiten, um sich um seine Nichte zu kümmern, müsste er den Antrag also spätestens im Juni einreichen. Nach der Rückkehr zur ursprünglichen Arbeitszeit verpflichtet er sich aber dazu, mindestens ein Jahr lang keine neuen Ansprüche auf Teilzeitarbeit zu stellen. 

Wird es mit dem neuen Gesetz mehr Gleichberechtigung geben?

Das ist zu erwarten. Im Jahr 2016 arbeiteten 10,2 Millionen Menschen in Teilzeit. Davon waren 83,3 Prozent Frauen. Im Jahr davor lag der Anteil noch bei 80,8 Prozent. Viele, die nach einer Auszeit ihre Arbeitsstunden reduzieren, um mehr für die Familie da zu sein, beklagen, für Jahre auf einer Halbtagsstelle hängenzubleiben – ohne Aussicht, jemals wieder voll zu arbeiten. Dieses Phänomen bezeichnet man als Teilzeitfalle. Und wer dauerhaft in Teilzeit arbeitet, bekommt später nur wenig Rente. Gerade Alleinerziehenden droht dann die Altersarmut. Helfen könnte das neue Gesetz daher vor allem Frauen. Bedarf für flexiblere Arbeitsmodelle gibt es jedoch bei beiden Geschlechtern: Viele Paare wollen sich Beruf und Familie gleichberechtigt teilen und gut ausgebildete Frauen nicht mehr selbstverständlich im Job zurückstecken. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin arbeiten Vollzeitbeschäftigte in Deutschland durchschnittlich knapp fünf Stunden mehr pro Woche als vertraglich vereinbart, im Mittel 43,5 Stunden. Mehr als die Hälfte von ihnen möchte die Arbeitszeit reduzieren – unabhängig davon, ob sie Kinder haben oder nicht. Auf der anderen Seite wünscht sich ein Drittel der Teilzeitbeschäftigten, sie könnten länger arbeiten.

Kann man trotz Teilzeit Karriere machen?

Der Wunsch nach Teilzeit ist immer noch ein Synonym dafür, keine Karriere machen zu wollen. Theoretisch ist es zwar möglich, Führungspositionen mit Teilzeitkräften zu besetzen – und sich beispielsweise zwei Frauen einen Job teilen. Praktisch passiert das aber nur selten. Laut einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung lag der Anteil der Teilzeitbeschäftigten mit Führungsaufgaben im Jahr 2015 bei 11 Prozent. Bei herausgehobenen Führungsposten waren es 6,5 Prozent. Kritiker sagen, dass eine Führungsposition noch nicht mal an einem regulären 8-Stunden-Tag zu bewältigen sei. Entsprechend skeptisch sind viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, wenn es darum geht, wichtige Aufgaben zu teilen. Auch beim Thema Weiterbildung werden Beschäftigte mit einer halben Stelle benachteiligt. Grundsätzlich sollen sie zwar an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen können. Dieser Anspruch ist allerdings eingeschränkt, wenn "dringende betriebliche Gründe oder Aus- und Weiterbildungswünsche anderer teilzeit- oder vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer" dem entgegenstehen. So zeigen Studien, dass Beschäftigte in Teilzeit seltener an Weiterbildungen teilnehmen und auch seltener befördert werden.

Und was ist mit der Elternzeit?

Da bleibt alles wie gehabt. Die Elternzeit erlaubt es Eltern, drei Jahre lang aus ihrem Beruf auszusteigen und danach wieder zu den gleichen Bedingungen wie vorher einzusteigen. Das ist gesetzlich so vorgesehen, hängt also nicht vom Wohlwollen des Arbeitgebers ab. Meist wird die Elternzeit nach der Geburt genommen, bis zu 24 Monate davon kann man aber auch zwischen dem dritten und achten Lebensjahr des Kindes nehmen. Finanziell werden Eltern mit dem Elterngeld unterstützt.