Prügelnde Schüler, Überstunden und marode Schuldgebäude. Es gibt allerhand zu beklagen am Lehrerberuf. Keine Frage. Dafür, dass sich Lehrer mit lernunwilligen Schülern, selbstgerechten Eltern und überfüllten Klassen herumschlagen, sollten sie ordentlich bezahlt werden. Dass dafür dieses Jahr Zehntausende Lehrerinnen und Lehrer auf die Straße gegangen sind, ist richtig. Dass verbeamtete Lehrer von diesem Streikrecht ausgenommen werden, allerdings auch.

Beamten ist es grundsätzlich verboten, ihre Arbeit niederzulegen. So sieht es das Beamtenrecht vor. Und so hat es das Bundesverfassungsgericht an diesem Dienstag in seinem Urteil bestätigt. Die Begründung dafür steht in Artikel 33 Grundgesetz. Beamte gehen einen Deal mit dem Staat ein: Loyalität gegen Absicherung. Verbeamtete Lehrer sind quasi unkündbar, erhalten im Alter eine großzügige Pension und im Krankheitsfall Beihilfe zur Arztbehandlung. Im Gegenzug gilt für sie das Streikverbot. Das bedeutet: Rund drei Viertel aller Lehrer in Deutschland dürfen nicht streiken.

Das ist ein Problem. Problematisch ist aber nicht das Streikverbot. Sondern die Verbeamtung der Lehrer.

Streiken sei ein Menschenrecht, argumentieren die Befürworter des Streikrechts. Wieso sollten verbeamtete Lehrer nicht von diesem Recht Gebrauch machen dürfen und sich für die Besserstellung ihrer Kollegen einsetzen?, fragen sie. Die Frage muss aber lauten: Warum müssen Lehrer überhaupt verbeamtet sein? Was bringt es, wenn Lehrer dem Staat dienen, aber nicht den Schülern? Wem nützt ein Zweiklassensystem im Lehrerkollegium?

Es ist nicht unfair, dass die einen Lehrer streiken dürfen und die anderen nicht. Unsinnig ist, dass Lehrer etwa in Bayern, Hamburg und Hessen unkündbar sind und monatlich zwischen 300 bis 600 Euro mehr verdienen als Lehrer in Berlin oder Thüringen. Leisten müssen die angestellten Kollegen schließlich genauso viel wie die verbeamteten.

Lehrer aus den falschen Gründen

Politikern gilt die Verbeamtung als Heilmittel gegen Lehrermangel. Über den Klebe-Effekt der Verbeamtung freute sich der sächsische CDU-Politiker Lothar Bienst neulich. Mit den Vorzügen des Beamtentums lassen sich Lehrer in weniger attraktive Bundesländer, die besonders unter dem Lehrermangel leiden, wie etwa Sachsen locken, so die Hoffnung. Und ganz unberechtigt ist die nicht. Unter Schulabgängern ist die Verbeamtung noch immer ein gern genannter Grund für die Wahl fürs Lehramtsstudium.

Doch Studienabgänger mit der Verbeamtung in den Lehrerberuf zu locken, ist der falsche Ansatz. Am wenigsten nützt das den Schülern, die dann zwar keinen Unterrichtsausfall durch Streik fürchten müssen, es aber mit Lehrern zu tun haben, die aus den falschen Gründen im Klassenzimmer stehen.

Viele gute Gründe, Lehrer ordentlich zu bezahlen

Die Anforderungen an Lehrerinnen sind gewaltig. Sie sollen Erziehungsaufgaben vernachlässigender Eltern übernehmen, begabte Professorenkinder und neu zugezogene Flüchtlingskinder auf ein Niveau schaukeln, sollen von Programmieren am besten genauso viel verstehen wie von Pädagogik. Sie sollen die Digitalisierung vorantreiben und die Integration fördern und dabei stets pädagogisch korrekt zwischen Schülern, Eltern und Kollegen vermitteln. All das sind gute Gründe, Lehrer ordentlich zu bezahlen. Aber kein Grund, sie zu verbeamten.

Statt das Streikverbot für verbeamtete Lehrer zu kippen, sollte das Beamtenrecht überdacht werden: Ist es wirklich sinnvoll, dass Lehrer, wie Polizisten und Zollbeamte, loyale Staatsdiener sind? Oder sollten sie nicht viel eher, unter vernünftigen Bedingungen angestellt, im Dienste ihrer Schule und Schüler stehen? Erst wenn alle Lehrer gleichgestellt werden, können sie wirklich gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen und gerechte Bezahlung kämpfen.