In der Serie "Kontoauszug" stellen wir regelmäßig Menschen vor, die erzählen, wie viel sie verdienen, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wie viel sie monatlich auf die Seite legen. Hier berichtet die 42-jährige Veronica aus Berlin.

Mein Job

Beruf: Momentan bin ich offiziell arbeitslos gemeldet, bekomme aber Arbeitslosengeld I. Davor habe ich 15 Jahre in der Lebensmittelbranche gearbeitet, zuletzt bei einem Start-up. Dort war ich zwei Jahre angestellt, bevor sie mich nach meiner Elternzeit entließen. Die Kündigung kam für mich überraschend, ich hatte kaum Zeit, mir etwas anderes zu suchen. Als alleinerziehende Mutter ist die Arbeitssuche besonders anstrengend. Jetzt bewerbe ich mich gerade bei Umweltorganisationen und Kulturinstitutionen, die im weitesten Sinne mit Essen zu tun haben. Außerdem arbeite ich an dem Fischstand "Küstlichkeiten" in der Markthalle Neun in Berlin-Kreuzberg – weniger wegen des Geldes, sondern weil es mich auf andere Gedanken bringt und mir Spaß macht. Dort verkaufe ich nachhaltig gefangenen Fisch, Makrelen oder Knurrhahn. Es ist schwere körperliche Arbeit, ich schleppe Kisten, putze und knacke Austern. Aber das ist genau das, was ich brauche. Ab und zu schreibe ich auch Artikel in Ernährungsfachzeitschriften oder trete bei Podiumsdiskussionen zu kulinarischen Themen wie Regionalvermarktung oder Einkaufsmodellen auf.

"Die Kündigung kam für mich überraschend. Ich hatte kaum Zeit, mir etwas anderes zu suchen."
Veronica, 42, Arbeitssuchende

Ausbildung: Ich komme ursprünglich aus Turin in Italien und ging nach dem Abitur als Au-pair nach Florida. Dort entdeckte ich, in welch privilegierter Esskultur ich aufgewachsen bin – jeden Tag haben meine Eltern Gerichte mit frischem Obst und Gemüse zubereitet. Als ich wieder nach Turin zurückkehrte, musste ich möglichst schnell studieren und entschied mich für Anglistik und Germanistik. Parallel fing ich an, mich bei Slow Food zu engagieren. Das ist eine Organisation, die sich für regionale Esskultur und bewussten, genussvollen Konsum einsetzt. So bin ich in der Lebensmittelbranche gelandet.

Wöchentliche Arbeitszeit: Ich arbeite circa vier bis acht Stunden die Woche am Fischstand. Wenn ich Artikel schreibe, rechne ich circa drei Tage dafür ein, bei Podiumsdiskussionen einen Abend. Insgesamt komme ich so auf etwa 20 Stunden Arbeit die Woche – wenn man nur die Erwerbsarbeit einbezieht. Frieda, meine Tochter, beschäftigt mich natürlich rund um die Uhr.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: Von der Arbeitsagentur bekomme ich etwa 1.500 Euro im Monat. Mehr als 168 Euro zusätzlich darf ich wegen des Arbeitslosengelds I nicht einnehmen. Für den Job in der Markthalle bekomme ich also circa 144 Euro im Monat. Was ich mit Artikeln oder Auftritten bei Podiumsdiskussionen verdiene, wird mir vom Arbeitslosengeld abgezogen. Für einen Artikel bekomme ich in der Regel 500 Euro, für einen Auftritt circa 600 Euro. Das Kindergeld für meine Tochter beträgt 190 Euro, ihr Vater zahlt uns 250 Euro für den Unterhalt. Vor einigen Jahren habe ich mir außerdem eine Wohnung gekauft, die ich zurzeit für 400 Euro im Monat vermiete. Außerdem besitze ich eine Wohnung in Italien, die mir monatlich 500 Euro einbringt. Brutto stehen mir also 2.984 Euro zur Verfügung.

"Mehr als 168 Euro zusätzlich darf ich wegen des Arbeitslosengelds I nicht einnehmen."

Nettoeinkommen: Wenn ich Steuern und Sozialabgaben abziehe, komme ich auf ein Nettoeinkommen von circa 1.500 Euro im Monat. Das reicht für etwas mehr als das Nötigste.

Meine Ausgaben

Miete und Wohnung: Meine Genossenschaftswohnung in Berlin-Neukölln kostet mich 660 Euro warm. Hier wohne ich seit vergangenem Jahr zusammen mit meiner Tochter Frieda. Die Wohnung besteht aus Küche, meinem Schlafzimmer, Friedas halbem Zimmer, Bad, Wohnzimmer und Balkon. Eine großzügige Küche war mir besonders wichtig, damit Frieda Platz zum Spielen hat, wenn ich uns etwas Leckeres koche. Ich habe mir die Küche bei Ikea zusammengestellt. Das hat insgesamt – mit elektronischen Geräten und hochwertiger Arbeitsplatte – 4.200 Euro gekostet. Und ein neues Bett für 250 Euro musste ich mir anschaffen.