In der Serie "Kontoauszug" stellen wir regelmäßig Menschen vor, die erzählen, wie viel sie verdienen, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wie viel sie monatlich auf die Seite legen. Hier berichtet der 40-jährige Ties aus Berlin.

Mein Job

Beruf: Ich arbeite als bildender Künstler in meinem Atelier in Berlin-Adlershof. Hauptsächlich erstelle ich Skulpturen: Miniaturplastiken bis hin zu raumfüllenden plastischen Werken. Aber auch Installationen, Gemälde und Fotografien. Viele meiner Werke werden nicht auf den ersten Blick verstanden, aber das ist auch gar nicht mein Ziel. Ich möchte, dass der Betrachter sich anstrengen muss. Zuletzt habe ich in den Ausstellungsräumen von Lage-egal in Berlin drei bis zu 1,60 Meter hohe Säulen aus meinem eigenen Hausmüll gebaut, die jeweils mit einem weißen Würfel gekrönt wurden. Ich arbeite nicht immer alleine, sondern gerne mit anderen zusammen. Im Sommer steht wieder "If Paradise is half as nice" an. Seit 2013 treffe ich mich jeden Sommer mit neun anderen Künstlern in einem verlassenen Gebäude in Ostdeutschland und erstelle gemeinsam mit den anderen neue Kunst.

"Ich habe ein Jahr lang als Barkeeper gejobbt."
Ties, 40, Künstler

Ausbildung: Ich komme aus den Niederlanden und habe zunächst auf der Technischen Universität in Delft Industrial Design studiert. Aber das war nicht mein Ding, und ich habe das Studium abgebrochen. Ein Jahr lang habe ich als Barkeeper in Kneipen gejobbt, bis ich mich entschied, mich an der Willem de Kooning Academie in Rotterdam für den Studiengang Fine Arts zu bewerben. Meine Eltern fanden die Idee nicht besonders schlau, auch mein enger Freundeskreis warnte mich vor dem brotlosen Künstlerleben. Aber ich wollte Künstler werden und wurde direkt genommen. Nach dem Studium habe ich sofort angefangen zu arbeiten. Mein erstes Kunstwerk, das ich verkaufen konnte, war eine Neonröhre mit dem Schriftzug dit is het für 1.000 Euro.

Wöchentliche Arbeitszeit: Mein Arbeitstag beginnt morgens um acht Uhr unter der Dusche, wenn mir die ersten Ideen kommen. Heute Morgen zum Beispiel fiel mir ein, welche Kunstwerke ich für die anstehende Ausstellung in Rotterdam produzieren will: eine Miniaturausgabe meiner Müllsäulen. Gegen neun Uhr bin ich meist in meinem Studio, manchmal bleibe ich dort bis nachts. Steht eine Ausstellung an, arbeite ich sieben Tage am Stück. Im Schnitt komme ich aber auf 60 Stunden pro Woche – zumindest wenn ich ausschließlich künstlerisch tätig bin. Meist bin ich allein im meinem Studio und höre Musik, momentan läuft bei mir oft das aktuelle Album von Nick Cave. Wenn mir die Decke auf den Kopf fällt, schaue ich bei dem ein oder anderen Künstler im Atelierhaus Adlershof vorbei. Um über die Runden zu kommen, arbeite ich manchmal nebenher als Messebauer, in Galerien und Museen und erledige viele handwerkliche Jobs. In solchen Wochen komme ich auf gut 90 Stunden.

Meine Einnahmen

"50 Prozent meiner Einnahmen gehen an meine Galerie in Rotterdam."
Ties

Bruttoeinkommen: Wenn meine Galeristen von der Frank-Taal-Galerie in Rotterdam ein Kunstwerk verkaufen, verdiene ich auf einen Schlag zwischen 500 bis 8.000 Euro. Wobei 50 Prozent meiner Einnahmen als Provision an meine Galerie geht. Es gibt aber auch Zeiten, in denen ich gar nichts verkaufe und Nebenjobs machen muss. Dann komme ich auf 1.000 Euro die Woche. Damit finanziere ich die Wochen, in denen ich nur künstlerisch tätig bin. Im Schnitt erwirtschafte ich ungefähr 15.000 Euro im Jahr.

Nettoeinkommen: Ungefähr 900 bis 1.000 Euro im Monat. Das ist nicht viel, aber wenn man muss, kann man davon gut leben.

Meine Ausgaben

Miete: Ich wohne in einer Einzimmerwohnung in Neukölln, die 410 Euro kostet. Es ist ein kleine Wohnung, 32 Quadratmeter. Mein Schlafzimmer ist zugleich mein Wohnraum, dazu kommt eine winzige Küche, die ich aber selten nutze. Ich bin viel unterwegs, daher würde eine größere Wohnung keinen Sinn machen. Mein Atelier ist dafür etwas größer – 52 Quadratmeter, die ich auch voll nutze, weil ich viel Raum für meine Arbeit brauche. Zur Hälfte wird mein Atelier vom Berliner Senat gefördert, 150 Euro muss ich selbst zahlen.

Versicherungen: 110 Euro für die Krankenversicherung. Hinzu kommen die Kfz-Versicherung und meine Haftpflicht. Zusammen sind das ungefähr 180 Euro im Monat.

Private Altersvorsorge: Keine. Das kann ich mir wirklich nicht leisten.

Materialkosten: Um meine Werke zu erstellen, brauche ich jede Menge Material aus dem Baumarkt oder aus speziellen Läden für Künstlerbedarf. Angefangen beim Werkzeug, bis hin zu Ton oder Keramik, Farben, Holz – je nachdem, an welchem Projekt ich arbeite. 3.000 Euro im Jahr muss ich dafür mindestens einplanen, heruntergerechnet sind das also 250 Euro im Monat.

Handy und Internet: 25 Euro im Monat zahle ich für mein Handy, inklusive Internet. Das WLAN in meiner Wohnung kostet mich zusätzlich 30 Euro monatlich.

Kleidung: 50 Euro etwa. Ich mag es überhaupt nicht, einkaufen zu gehen.

"Beim Einkaufen achte ich darauf, günstige Lebensmittel zu besorgen und gehe zum Discounter."

Lebensmittel: Etwa 240 Euro im Monat. Meistens esse ich draußen, in meinem Kiez habe ich eine große Auswahl an günstigen Imbissläden, ich gehe zum Beispiel gern zu Illegal Burger in der Weserstraße, die haben sehr gutes Essen und okaye Preise. Manchmal finde ich es auch ganz nett, richtig schön essen zu gehen. Aber lieber investiere ich das Geld in mein Arbeitsmaterial. Beim Einkaufen achte ich darauf, günstige Lebensmittel zu besorgen, und gehe zum Discounter. Gemüse schmeckt mir aber aus dem Bioladen am besten.

Körperpflege: Vier Euro. Ich brauche alle zwei Monate ein neues Shampoo und ein Duschgel. Dabei bin ich auch nicht wählerisch, welches ist mir völlig egal.

Transportmittel: Ich habe ein kleines Auto, einen alten Peugeot 206. Das brauche ich vor allem, um meine Kunst und das Material zu transportieren. Die Kfz-Steuer kostet mich 75 Euro im Quartal. Ich fahre ungefähr 20.000 km im Jahr, das verbraucht natürlich jede Menge Sprit. Grob überschlagen gebe ich dafür 2.000 Euro im Jahr aus.

"Wenn ich klettere, ist das jedes Mal wie Urlaub."
Ties

Reisen: Ich reise hauptsächlich aus beruflichen Gründen und meist mit meinem Auto, wobei ich versuche, die Übernachtungskosten so gering wie möglich zu halten. Manchmal werden die Kosten auch übernommen. Alles in allem komme ich auf ungefähr 1.000 Euro im Jahr. Die private Erholung hat dabei den deutlich geringeren Anteil. Meine letzte große Reise war vor zwei Jahren, da war ich zehn Tage in New York. Um abzuschalten, gehe ich oft klettern. Wenn ich klettere, ist das jedes Mal wie Urlaub.

Ausgehen: In Clubs gehe ich nicht mehr so oft. Ich treffe mich mit Freunden lieber zu Hause, oder wir gehen in die Hasenheide oder in den Gleisdreieckpark. Oft treffen wir uns auch auf dem Tempelhofer Feld und trinken ein paar Bierchen. So kommen 15 Euro die Woche zusammen.

So viel bleibt am Ende übrig

Nichts. Alles, was ich verdiene, investiere ich wieder in meinen Beruf. Akquise betreiben, neue Materialien besorgen, Galerien besuchen oder eine Publikation meiner Arbeit erstellen.