In der Serie "Kontoauszug" stellen wir regelmäßig Menschen vor, die erzählen, wie viel sie verdienen, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wie viel sie monatlich auf die Seite legen. Hier berichtet die 25-jährige Chiara aus Hamburg.

Mein Job

Beruf: Ich bin Hebamme. Im Kreissaal des Universitätsklinikums in Hamburg kümmere ich mich um Frauen, die ein Baby bekommen. So lange eine Geburt normal verläuft, bin ich die Ansprechpartnerin der werdenden Eltern. Die Ärzte sind zu Beginn dabei und kommen kurz vor der Geburt wieder dazu. Dabei halten sie sich im Hintergrund; treten Probleme auf, arbeiten wir im Team. Ich betreue meistens zwei Frauen gleichzeitig. Je nach Uhrzeit habe ich unterschiedliche Aufgaben: Tagsüber kommen viele Frauen, die von ihren Ärzten geschickt wurden, da mache ich Voruntersuchungen und führe Gespräche. In der Nacht kommen Frauen, bei denen die Wehen eingesetzt haben. Ist die Frau "unter der Geburt" begleite ich sie: Ich gebe Hilfestellungen und Positionen vor, ermuntere sie und prüfe immer wieder ihren und den Zustand ihres Kindes. Auch die Nachversorgung übernehme ich.

"Ich kann nicht auf die Bedürfnisse der Patientinnen eingehen, wenn ich gestresst durch 40-Stunden-Wochen hetze."
Chiara, 25, Hebamme

Ausbildung: Nach dem Abitur habe ich erst eine kaufmännische Ausbildung begonnen – und schnell wieder abgebrochen. Ich habe mich schon immer für Medizin interessiert, wollte aber weder Ärztin noch Pflegerin werden. Ich wollte mich nicht nur mit Krankheit beschäftigen. Meine Mutter brachte mich schließlich auf die Idee: Wir sind fünf Geschwister, sie kennt die Arbeit von Hebammen also gut. Ich habe dann ein einjähriges Praktikum bei meinem heutigen Arbeitgeber absolviert. Schon nach drei Tagen wusste ich: Das ist es. Danach begann ich die dreijährige Ausbildung und studierte außerdem Hebammenwissenschaft. Die Ausbildung habe ich im letzten Jahr abgeschlossen, gerade schreibe ich noch meine Bachelor-Arbeit. Man muss nicht studieren, um Hebamme zu werden. Aber mit dem Abschluss kann ich auch in anderen Ländern arbeiten.

Wöchentliche Arbeitszeit: Ich studiere noch und arbeite in Teilzeit – durchschnittlich 25 Stunden in der Woche. Da ich im Schichtdienst arbeite, sind das mal drei, mal vier Dienste. Auch wenn ich mein Studium abgeschlossen habe, will ich nicht Vollzeit arbeiten. Jede Frau, jede Geburt ist anders. Ich habe nach meiner Ausbildung drei Monate Vollzeit gearbeitet und gemerkt: Ich kann nicht auf die Bedürfnisse der Patientinnen eingehen, wenn ich gestresst durch 40-Stunden-Wochen hetze. Ich werde zwar mehr Stunden arbeiten, aber eben nicht 100 Prozent.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: Ich werde nach dem Tarifvertrag bezahlt. In meiner Stufe als Berufsanfängerin sind das 2.796,54 Euro. Dazu kommen Zuschläge für Nachtschichten und Wechselschichten. Maximal sind es dann 3.000 Euro.

Nettoeinkommen: Zwischen 1.400 und 1.500 Euro.

Studienkredit: 245 Euro im Monat – deckt allerdings ausschließlich meine Studiengebühren.

Meine Ausgaben

"Ich esse gerne und viel."
Chiara

Miete: Ich wohne in einer Zweier-WG. Für mein Zimmer bezahle ich 460 Euro monatlich. Da ist dann alles mit drin.

Handy: 40 Euro im Monat für mein Handy und den Mobilfunkvertrag.

Sport: Für mein Fitnessstudio zahle ich monatlich 50 Euro. Dafür kann ich aber auch die Sauna und das Schwimmbad benutzen.

Lebensmittel/Haushalt: Ich esse gerne und viel. Mit meinem Mitbewohner koche ich oft gemeinsam, da gehen für Lebensmittel bestimmt 80 Euro die Woche drauf. Einmal die Woche esse ich im Restaurant und zahle etwa 15 Euro. Für Haushaltswaren wie Spülmittel oder Küchenrolle vielleicht nochmal 20 Euro im Monat.

"Sollte ich freiberuflich arbeiten wollen, müsste ich die Berufshaftpflicht für Hebammen selbst zahlen – über 7.000 Euro im Jahr."
Chiara, Hebamme

Versicherungen: Ich habe eine private Haftpflicht für 30 Euro im Monat. Die Berufshaftpflicht für Hebammen, die immer wieder öffentlich diskutiert wird, bezahlt derzeit die Klinik. Sollte ich als freiberufliche Hebamme arbeiten wollen, müsste ich dafür selbst zahlen – über 7.000 Euro im Jahr, wenn ich Geburten anbiete. Zur Zeit hält mich das noch von der Freiberuflichkeit ab. Für die Zukunft könnte ich es mir aber trotzdem vorstellen.

Studium: 245 Euro im Monat. Die werden aber komplett durch meinen Studienkredit gedeckt.

Verkehrsmittel: Ich erreiche alles mit dem Fahrrad. Alle zwei Monate besuche ich meine Eltern in Bielefeld. Buche ich den Zug früh genug, sind das etwa 25 Euro pro Fahrt.

Fernsehen/Streaming: Mein Netflix-Account läuft über meinen Exfreund – ich zahle also nichts. Er akzeptiert das seit zwei Jahren.

Körperpflege: 15 Euro im Monat für Hygieneartikel. Einmal im Monat lasse ich mir die Augenbrauen zupfen und färben für 15 Euro. Alle zwei Monate gehe ich zum Frisör, dafür bezahle ich 30 Euro.

"Manchmal bin ich auch im Minus."

Freizeit: Eigentlich mache ich in meiner Freizeit gar nicht so viel, was Geld kostet. Richtige Hobbies habe ich keine. Am Wochenende gehe ich gerne tanzen. Neben dem Eintritt ist da natürlich noch das ein oder andere Getränk dabei. Das sind dann 20 bis 30 Euro am Abend.

Reisen: Ich würde gerne weitere Reisen machen, aber bisher hat es nur für Europatrips gereicht. Immer nur für ein paar Tage und Low Budget: Günstige Flüge und ein günstiges Airbnb, das ich mit Freunden teile. Das letzte Mal waren wir für fünf Tage in der portugiesischen Stadt Lagos. Dafür habe ich 200 Euro bezahlt. Meine beste Freundin wohnt in Berlin, dort besuche ich sie häufig. Die Fahrt mit dem Fernbus kostet insgesamt 20 Euro.

Kleidung: 50 Euro im Monat im Schnitt. Manchmal kaufe ich mir Schuhe für 100 Euro, dann im nächsten Monat nichts.

Hebammenverband: Vor kurzem bin ich in den Berufsverband eingetreten. Der kostet mich295 Euro im Jahr.

So viel bleibt am Ende übrig

Nichts. Manchmal bin ich auch im Minus. Es kommen immer so viele Sachen dazu oder Rechnungen bleiben liegen. Ich will mir manche Dinge nicht nehmen lassen, so wie meine beste Freundin in Berlin zu besuchen. Das mache ich auch, wenn ich nicht mehr so viel Geld in der Tasche hab. Seit ich für mein Praktikum zu Hause ausgezogen bin, finanziere ich mein Leben selbst. Ich habe vier Geschwister und wollte nicht, dass meine Eltern auch noch für mich aufkommen müssen. Sie überweisen mir nur das Kindergeld. Stieg mein Ausbildungsgehalt, glichen sich meine Lebenshaltungskosten schnell an das zusätzliche Geld an. Ich lebe sehr angenehm, aber sparen kann ich nicht.