Mund abputzen, weitermachen. ©Hannes Magerstaedt/Getty Images

"Nichts ist frustrierender, als für jemanden zu arbeiten, der deine Vorschläge nicht hören will", sagt Joko Winterscheidt im ZEIT-ONLINE-Podcast "Frisch an die Arbeit". Rund 60 Menschen arbeiten für den 39-jährigen Moderator, der unter anderem auch an einer Produktionsfirma und einer Werbeagentur beteiligt ist. Doch als Chef möchte er sich nicht bezeichnen. "In meiner Welt sind die Zeiten von starren Hierarchien vorbei", sagt Winterscheidt. Ob eine Idee von der Praktikantin oder von ihm stamme, sei egal. Hauptsache, die Idee sei gut. Über seinen Führungsstil sagt er, er sei sehr gut darin, andere zu motivieren, zu arbeiten. Denn: "Ich selbst bin faul."

Eigentlich wollte Joko Winterscheidt nach dem Abitur in Schwalmtal am Niederrhein Pilot werden und bewarb sich bei der Lufthansa. Doch er bestand die dreitägige Grunduntersuchung in Hamburg nicht. Bis heute bereue er es, seinen Traumberuf nicht ergriffen zu haben. Am Tag nachdem er den Deutschen Fernsehpreis als "bester Show-Moderator" gewonnen hatte und auf dem Rückweg nach Hause war, durfte er durch Zufall im Cockpit mitfliegen. "Ich hatte den Kater meines Lebens, aber ich war glücklich." Das möchte er wieder erleben und ruft im Podcast dazu auf: "Bitte laden Sie mich ins Cockpit ein!"

"Bitte laden Sie mich ins Cockpit ein!"
Joko Winterscheidt, Moderator

Zum Fernsehen kam Winterscheidt durch ein Praktikum. Bei MTV lernte er Klaas Heufer-Umlauf kennen, mit dem er später unter anderem die Unterhaltungssendungen neo paradise und Circus Halli Galli moderierte. Dafür wurden sie mit dem Echo und dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Doch bis heute fragt er sich: "Kann ich das wirklich, was ich da mache?" 180 Sekunden vor einer Aufzeichnung bekomme er ein Blackout, spüre seine Arme nicht mehr und sei sehr nervös. Das gehe nicht weg, sagt er.

Winterscheidt arbeitet nicht nur als Moderator, sondern investiert auch in Start-ups. Mit GoButler etwa, einem digitalen Concierge-Service, scheiterte er. Dabei habe er eine Menge Geld verloren. Er sagt: "Ich ärgere mich, dass das Geld weg ist, weil ich nichts zu verschenken habe." Aber: "Da muss man sagen: Mund abputzen, weitermachen." Sein Antrieb sei sein großes Sicherheitsbedürfnis. "Ich habe immer das Gefühl, es könnte bald vorbei sein", sagt er. Für den Fall sorge er vor.

"Es ist nur Fernsehen, was ich mache."
Joko Winterscheidt

Im Podcast erzählt Winterscheidt, dass er glücklich mit seinem Beruf sei. Dennoch sei er noch auf der Suche nach "einer Sache, von der ich zu 100.000 Prozent überzeugt bin und die ich bis ans Ende aller Tage machen will." Manchmal wünsche er sich mehr Sinn bei der Arbeit. "Es ist nur Fernsehen, was ich mache", sagt er.

Das Konzept unseres Podcasts "Frisch an die Arbeit" fußt auf dem berühmten Fragebogen von Max Frisch – wir haben ihn umgeschrieben und an die Arbeitswelt angepasst. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können den Fragebogen zum Podcast hier auch selbst ausfüllen