In der Serie "Kontoauszug" stellen wir regelmäßig Menschen vor, die erzählen, wie viel sie verdienen, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wie viel sie monatlich auf die Seite legen. Hier berichtet der 23-jährige Dia aus Berlin.

Mein Job

Beruf: Ich arbeite als Servicekraft im Restaurant Kreuzberger Himmel in Berlin. Das Restaurant betreiben junge Leute, die als Geflüchtete nach Deutschland kamen. Syrer, Pakistanis, Iraker und Afghanen. Insgesamt besteht unser Team aus elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ich serviere hier gehobene syrische Küche, die beliebtesten Spezialitäten aus der Heimat. Zum Beispiel das Lammgericht Maqlooba oder Dorade mit Tahini, Petersilie, Koriandersamen und Olivenöl. Kann ich sehr empfehlen, richtig lecker. Neben dem Servieren räume ich die Tische ab, halte alles sauber, gehe einkaufen, fülle die Kühlschränke auf, helfe an der Bar aus. Die Menschen, die zu uns finden, sind sehr freundlich. Deswegen macht die Arbeit Spaß.

"Ich konnte gerade noch die Abiturprüfung ablegen, bevor wir 2012 wegen des Krieges von heute auf morgen alles hinter uns lassen mussten und geflüchtet sind."
Dia, 23

Ausbildung: Meine Eltern kommen aus Palästina, ich wurde in Syrien geboren und bin dort aufgewachsen. Ich konnte gerade noch die Abiturprüfung ablegen, bevor wir 2012 wegen des Krieges von heute auf morgen alles hinter uns lassen mussten und geflüchtet sind. Ich habe deshalb noch keine Ausbildung. Momentan überlege ich, ob ich ein Studium beginnen oder eine Ausbildung zum Automechaniker machen soll. Einen Beruf, der mit Musik zu tun hat, fände ich auch toll.

Wöchentliche Arbeitszeit: Meistens beginnt mein Arbeitstag um halb drei am Nachmittag und endet spätestens um ein Uhr nachts. Vertraglich sind 39 Stunden die Woche vereinbart, manchmal kommen ein paar Überstunden dazu, aber das hält sich in Grenzen.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: Ich verdiene 1.396 Euro im Monat. 

Nettoeinkommen: Nach allen Abzügen bleiben mir ungefähr 1.050 Euro zum Leben. Dazu kommt das Trinkgeld, das ich über den Abend einnehme: Das sind 80 bis 100 Euro. Ich teile es allerdings mit den Kollegen aus der Küche und von der Bar. Pro Schicht bleiben mir also etwa 20 Euro.

"Keine Ahnung, auf wie viele Wohnungsinserate ich mich beworben habe. Auf sehr, sehr viele."

Meine Ausgaben

Miete: 400 Euro. Ich wohne in einer Wohngemeinschaft mit einem älteren Mann in Berlin-Steglitz. Wir leben gemeinsam in einer Dreizimmerwohnung auf ungefähr 70 Quadratmetern. Dort habe ich mein eigenes Zimmer, Küche und Bad teilen wir uns. Davor habe ich im Flüchtlingsheim gewohnt. In einem Container. Hauptsächlich war ich wegen dieser schrecklichen Wohnverhältnisse schon sehr früh auf der Suche nach einem Vollzeitjob. Ich wollte mir unbedingt ein eigenes Zuhause leisten können und nicht mehr in dem Container wohnen. Keine Ahnung, auf wie viele Wohnungsinserate ich mich beworben habe. Auf sehr, sehr viele. Trotzdem hat es nicht geklappt. Erst, als ich im Kreuzberger Himmel anfing, ergab sich eine Gelegenheit. Die Organisation Be an Angel, die Flüchtlinge unterstützt, hat mir die Wohnung vermittelt. Ich war heilfroh. Mein Mitbewohner ist sehr freundlich, wir kommen gut aus. Es gibt zwar nicht viel in der Gegend, dafür kann ich mir das Zimmer leisten. Die meiste Zeit bin ich ja ohnehin in Kreuzberg.

Versicherungen: Ich habe nur eine Krankenversicherung. Das Geld dafür wird mir direkt vom Gehalt abgezogen, wie viel es genau ist, kann ich deswegen gar nicht exakt sagen. Vielleicht 300 Euro.

Private Altersvorsorge: Die Frage verstehe ich nicht. Was ist denn eine private Altersvorsorge? Nein, so was habe ich nicht.

Familienunterstützung: Einmal im Monat schicke ich meiner Mutter und meiner Schwester ungefähr 300 Euro. Sie leben in der Türkei, wir wurden durch die Flucht getrennt und haben uns seit vier Jahren nicht mehr gesehen. Die beiden haben noch weniger als ich. Deswegen versuche ich, so gut es eben geht, meine Familie in Istanbul zu unterstützen. Die Organisation Be an Angel wird mir aber auch dabei künftig helfen und 200 Euro übernehmen.