In der Serie "Kontoauszug" stellen wir regelmäßig Menschen vor, die erzählen, wie viel sie verdienen, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wie viel sie monatlich auf die Seite legen. Hier berichtet die 33-jährige Charlotte aus Nordrhein-Westfalen.

Mein Job

Beruf: Ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin bei einem Projektträger, also einer Einrichtung, die die Förderung von Projekten organisiert und verwaltet. Wir arbeiten zum Beispiel im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Ich begutachte Bewerbungen um Fördergelder rund um das Thema digitale Medien in der Bildung. Mein Arbeitsalltag besteht aus Verwaltung und Kommunikation: Ich lese Projektentwürfe, schreibe Gutachten und unterstütze unsere Antragsteller bei Fragen und Problemen.

"Wegen der Kinder kam eine Vollzeitstelle für mich nicht infrage."
Charlotte, 33, wissenschaftliche Mitarbeiterin

Ausbildung: Nach dem Abitur habe ich Medienwissenschaft studiert und promoviert. In meiner Dissertation habe ich untersucht, wie das öffentlich-rechtliche Fernsehen zwischen Quotendruck und Bildungsauftrag sein Programm gestaltet. Außerdem drehe ich selbst Videos und habe einen eigenen Youtube-Kanal. Meine jetzige Stelle ist die erste Festanstellung nach der Uni, der Berufseinstieg war nicht einfach. Nach etwa einem Jahr freiberuflicher Arbeit habe ich 18 Monate nach einem Job in regulärem Angestelltenverhältnis gesucht. Wegen der Kinder – unser Sohn ist jetzt sechs, unsere Tochter vier Jahre alt – kam eine Vollzeitstelle für mich nicht infrage. Auch ein Umzug wäre wegen der Kindergartenplätze kompliziert geworden. So war die Auswahl begrenzt, aber selbst wenn Ausschreibungen gut passten, wurde ich oft nicht eingeladen. Ich vermute: Es ist nicht unbedingt von Vorteil, eine hoch qualifizierte Mutter zu sein. Da kommt beim Arbeitgeber an: Diese Person ist teuer und unflexibel.

Wöchentliche Arbeitszeit: Ich habe eine 80-Prozent-Stelle im öffentlichen Dienst, das sind rund 30 Stunden. Die Stundenzahl ist erst möglich, seit wir im August 2017 für unseren Sohn einen Kindergartenplatz bis 16.30 Uhr bekamen. Vorher musste ich ihn immer um 14 Uhr abholen. Jetzt arbeite ich an fünf Tagen pro Woche mit einer Gleitzeitregelung.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: 2.926 Euro. Wenn ein Kind krank wird und ich zu Hause bleiben muss, ist es etwas weniger. Dann werden die Tage herausgerechnet, an denen ich nicht arbeiten gehen kann.

Nettoeinkommen: Nur 1.499 Euro, das liegt am Ehegattensplitting. Bei mir sind die Steuern sehr hoch, bei meinem Mann dafür niedrig. Er hat eine 80-Prozent-Stelle in der Entwicklungszusammenarbeit und verdient mehr als ich. Wir führen ein gemeinsames Konto, von dem wir alles bezahlen und rechnen in der Realität nie etwas auf – mein Anteil an unseren Ausgaben ist also eher "fiktiv" und ich rechne ihn für diesen Fragebogen zum ersten Mal so detailliert aus. Als unser erstes Kind auf dem Weg war, haben wir uns für ein gemeinsames Konto entschieden. Die Idee dahinter ist, dass wir als Familie eine Einheit bilden. Auch ging es uns um Chancengleichheit und Gerechtigkeit als Paar: Wir wollten für uns beide die gleichen finanziellen Möglichkeiten. Probleme hatten wir deshalb noch nie.

Weitere Einnahmen: Für unseren Sohn und unsere Tochter bekommen wir insgesamt 388 Euro Kindergeld pro Monat.

Meine Ausgaben

Miete: Für unsere Doppelhaushälfte in einer mittelgroßen Stadt im Rhein-Sieg-Kreis zahlen mein Mann und ich inklusive aller Nebenkosten jeweils 665 Euro.

Lebensmittel und Haushalt: Mein Anteil liegt bei gut 225 Euro im Monat. 200 Euro davon gebe ich für Lebensmittel aus. Ich kaufe sehr bewusst ein: fast immer Bioprodukte, es darf aber nicht zu teuer werden. Wenn eine Gurke zum Beispiel mehr als zwei Euro kostet, kaufe ich eben etwas anderes. Es gibt bei uns viel Rohkost, Joghurt, Butterbrote und Müsli. Wichtig ist mir guter Kaffee – ich kaufe jeden Monat für 16 Euro ein neues Kilo. Für Putzmittel und Toilettenpapier, Seife und Shampoo kommt in unserer Familie dafür nicht viel zusammen – insgesamt vielleicht 20 Euro im Monat.

"Wir gehen oft in den Secondhandladen."
Charlotte, Mutter von zwei Kindern

Reinigungskraft: Mein Anteil liegt bei 88 Euro im Monat.

Auswärts essen: Ich gebe etwa 60 Euro monatlich in unserer Kantine aus, für die Mahlzeiten im Kindergarten bezahlen wir pro Kind und Monat 62 Euro.

Kindergarten und Hort: Zuletzt mussten wir nichts für die Kindergartenplätze bezahlen. Das liegt daran, dass das Land Nordrhein-Westfalen die Kosten für das Vorschuljahr übernimmt, also auch für unseren Sohn, damit möglichst viele Kinder volle drei Jahre in den Kindergarten gehen. Gleichzeitig gibt es in unserer Stadt die Regelung, dass für jüngere Geschwisterkinder keine Beiträge gezahlt werden müssen. Mit der Einschulung unseres Sohnes wird es jetzt teurer für uns: Der Platz im offenen Ganztag unseres Sohnes wird 180 Euro, der 45-Stunden-Kindergartenplatz unserer Tochter 230 Euro monatlich kosten.

Verkehrsmittel: Für mich allein komme ich auf etwa 108 Euro im Monat. Ich habe ein Nahverkehrsticket, das 64 Euro monatlich kostet und zahle 62 Euro jährlich für meine Bahncard 25. Mein Mann und ich teilen uns ein Auto, mein Anteil am Sprit beträgt rund 30 Euro monatlich. Die Kfz-Steuer ist niedrig, sie liegt bei insgesamt 36 Euro im Jahr.

Handy: 20 Euro im Monat.

Telefon/Internet: Ich steuere 12,50 Euro zu unserem Anschluss bei.

Fernsehen/Streaming: Mein Anteil an der monatlichen Rundfunkgebühr und Amazon Prime liegt bei etwa 13 Euro.