"Wieder als Altenpflegerin zu arbeiten, kann ich wohl vergessen"

Julia*, 42, Altenpflegerin, alleinerziehende Mutter eines zwölfjährigen Sohns und einer einjährigen Tochter

Noch bin ich in der Elternzeit und ich habe auch noch nicht angefangen, mich zu bewerben, aber eines ist klar: Wieder als Altenpflegerin zu arbeiten, kann ich wohl vergessen. Zuletzt hatte ich einen befristeten Vertrag. Während der Schwangerschaft lief er aus und wurde nicht verlängert. Jetzt steht meine Tochter auf der Warteliste einer Kita mit sehr langen Öffnungszeiten – von morgens 6:30 Uhr bis abends um 18 Uhr. Trotzdem sind die üblichen Arbeitszeiten als Altenpflegerin nicht mit den Kita-Öffnungszeiten vereinbar. Der Frühdienst geht normalerweise von 6 Uhr bis 14 Uhr, der Spätdienst von 14 Uhr bis 21 Uhr und der Nachtdienst von 21 Uhr bis 6 Uhr. Die einzige Möglichkeit für mich wäre ein Job in der Tagespflege. Aber diese Stellen sind sehr begehrt und es ist unwahrscheinlich, dass ich da etwas finde.

Meine Kinder haben verschiedene Väter. Bei meinem ersten Kind, meinem Sohn, war ich aber nicht ganz allein, sondern hatte zumindest etwas Hilfe vom Vater und schließlich einen neuen Partner, der mich während unserer siebenjährigen Beziehung sehr unterstützt hat. Inzwischen kümmert sich der Vater meines Sohns jedes zweite Wochenende um das Kind. Der Vater meiner Tochter übernimmt bisher gar keine Verantwortung. Er ist oft nicht erreichbar und möchte sie auch nicht alleine betreuen, nicht mal für ein paar Stunden. Natürlich macht mich das wütend. Ich habe wirklich gar keine Freizeit. Gleichzeitig denke ich: Es ist wohl das Los von uns Frauen. Ich war bei einem Workshop für Alleinerziehende, in dem es um Themen wie berufliche Orientierung, Sorgerecht und Unterhalt ging. Unter den zehn Teilnehmenden war ein einziger Mann.

"Mutter zu sein bedeutet für mich jetzt schon zum zweiten Mal, dass ich mich beruflich neu orientieren muss."
Julia*, 42

Mutter zu sein bedeutet für mich jetzt schon zum zweiten Mal, dass ich mich beruflich neu orientieren muss. Nach meinem Realschulabschluss habe ich ursprünglich eine Ausbildung zur Eisenbahnerin im Betriebsdienst gemacht und insgesamt zwölf Jahre bei der S-Bahn gearbeitet. Zu der Zeit, als ich mit meinem Sohn zu Hause war, wurden viele Stellen gestrichen. Der Arbeitgeber hat mich damals dazu gedrängt, einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben. Ich habe geguckt, was ich stattdessen machen kann. Schon damals wurden Pflegekräfte gesucht, also habe ich ein Praktikum in der Altenpflege gemacht. Das hat mir so gut gefallen, dass ich die Ausbildung absolviert habe. Zu der Zeit war meine Mutter noch fitter und konnte mich bei der Betreuung unterstützen. Und nach der Ausbildung hatte ich zunächst einen Job in der Tagespflege. Deshalb hat es damals auch mit einem kleinen Kind funktioniert.

In der Altenpflege ist es oft sehr stressig, trotzdem mag ich meinen Beruf sehr. Ich bin ein fürsorglicher Mensch und gerne mit alten Menschen zusammen: Manche haben eine etwas grummelige Art, aber viele sind auch sehr weise und erzählen gerne aus ihrem Leben. Ich finde es schön, Menschen auf dem letzten Stück ihres Lebensweges begleiten zu dürfen. Das aufzugeben ist schade. Andererseits ist Altenpflege eine schwere körperliche Arbeit. Daher habe ich auch nichts dagegen, im Büro zu sitzen. Deshalb schwebt mir eine Weiterbildung zur Pflegedienstleitung vor. Dann könnte ich wieder im Pflegeheim arbeiten, hätte aber einen Bürojob mit Kita-kompatiblen Arbeitszeiten und würde Dienstpläne koordinieren und Einstellungsgespräche führen. Allerdings könnte es mir auch als Pflegedienstleiterin passieren, dass ich einspringen und kurzfristig eine Kinderbetreuung organisieren muss. Notfalls arbeite ich auch im Servicebereich im Jobcenter. An erster Stelle steht für mich sowieso, dass ich einen Job finde, bei dem ich für meine Kinder da sein kann – und mit dem ich genug Geld verdiene, um uns drei zu versorgen.