Schon gesehen? Das Zugpersonal der Bahn trägt momentan weinrote Kleider, dunkelblaue Sakkos und erstmals auch Jeans. Rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter testen vier Monate lang die neue Uniform, die der Modedesigner Guido Maria Kretschmer entworfen hat. Ist eine einheitliche Arbeitskleidung noch zeitgemäß? Die Modeprofessorin Audrey Mehn von der International School of Management in Dortmund sagt: "Wer sich in der Dienstkleidung wohlfühlt, strahlt mehr Zufriedenheit aus."

ZEIT ONLINE: Die Deutsche Bahn testet eine neue Dienstkleidung für ihre Mitarbeiter, unter anderem Kleider und Jeans. Was halten Sie davon?

Audrey Mehn: Was mir gut gefällt, ist die Vielfalt der Outfits. Manche Frauen tragen lieber Kleider, andere lieber Hosen. Die neue Dienstkleidung gibt ihnen die Möglichkeit, das zu tragen, worin sie sich am wohlsten fühlen. Und die Jeans – warum nicht, wenn das für manche Mitarbeiter bequemer ist?

ZEIT ONLINE: Der Personalchef der Bahn, Martin Seiler, verspricht sich von den neuen Outfits, dass sie die Mitarbeiter selbstbewusster und das Unternehmen sympathischer machen.

Mehn: Ich glaube schon, dass Mitarbeiter mehr Zufriedenheit und Selbstbewusstsein ausstrahlen, wenn sie sich in ihrer Dienstkleidung wohlfühlen. Darüber hinaus schafft eine einheitliche Uniform eine starke Verbindung zwischen den Beschäftigten und stärkt im besten Fall den Teamgeist. Klar ist aber auch: Damit ein Unternehmen von den Kunden als modern und sympathisch wahrgenommen wird, braucht es noch mehr als ansprechende Dienstkleidung.

"Das Outfit muss zum Rest des Unternehmens passen."
Audrey Mehn, Modeprofessorin

ZEIT ONLINE: Nämlich?

Mehn: Das Outfit muss zum Rest des Unternehmens passen. Das modernste Outfit bringt nicht viel, wenn das Produkt verstaubt ist und die Züge oder die Flüge immer verspätet sind.

ZEIT ONLINE: Was ist der Unterschied zwischen Berufsbekleidung und einer Uniform?

Mehn: Der Begriff der Berufsbekleidung bezeichnet funktionelle Kleidung, die Schutz und Sicherheit bietet. Darunter fällt zum Beispiel eine Warnweste für Mitarbeiter in einer Fabrik oder auch der Mundschutz für eine Krankenschwester. Eine Uniform hat historisch betrachtet hingegen einen politischen und teils auch militärischen Hintergrund mit dem Ziel, Menschen miteinander zu verbinden. Bis heute tragen Polizisten und Soldaten eine Uniform und strahlen damit auch Autorität aus.

ZEIT ONLINE: Wozu braucht es denn in Unternehmen heute noch eine einheitliche Dienstkleidung?

Mehn: Sie ist vor allem ein Kommunikationsinstrument und ist wichtig für den ersten visuellen Kontakt mit dem Kunden. Dadurch erkennt der Kunde einerseits sofort, mit wem er es zu tun hat, und bekommt andererseits einen ersten Eindruck davon, wie sich dieses Unternehmen gibt. Eine Uniform macht die Mitarbeiter zu Markenbotschaftern. Im Fall einer Fluggesellschaft, aber auch bei der Deutschen Bahn repräsentiert die Crew sogar ein Land.

ZEIT ONLINE: Haben Sie dafür noch ein Beispiel?

Mehn: Nehmen Sie Air France aus meinem Heimatland Frankreich. Dort haben immer wieder bekannte französische Designer die Dienstuniform entworfen. Seit 2005 bekleidet Christian Lacroix die Crew – und verleiht dem Unternehmen den Chic und die Eleganz, die man mit Frankreich verbindet.