Die Sommerferien sind für viele Lehrerinnen und Lehrer die entspannteste Zeit im Jahr. Allerdings nicht für Vertretungslehrer, die nur befristet angestellt sind. Tausende von ihnen wissen nicht, ob sie im kommenden Schuljahr noch eine Stelle haben – oder an welcher Schule sie unterrichten werden. Bei manchen endete der Vertrag sogar schon am letzten Schultag. Einige Bundesländer entlassen die Vertretungskräfte während der Sommerferien in die Arbeitslosigkeit, um Kosten zu sparen.

Zwei Lehrerinnen haben uns erzählt, wie unterschiedlich sie die schulfreie Zeit erleben: Katrin Stickel ist verbeamtet. Der Vertrag von Meike Wohl* endet dagegen in wenigen Wochen. Noch weiß sie nicht, ob sie danach in die Schule zurückkehren wird.

"Ich arbeite hart, jeden Tag, und trotzdem habe ich keine Sicherheiten"

Meike Wohl, Lehrerin aus Nürnberg, 40 Jahre:

Ich unterrichte Sport. Eigentlich bin ich Realschullehrerin für Englisch und Sport. Das letzte Schuljahr habe ich aber in Nürnberg an einer Grundschule unterrichtet, weil es für Realschullehrer immer weniger Jobs gibt. Mein Vertrag läuft nur noch bis zum 9. September, dem letzten Tag der Sommerferien in Bayern. Dann muss ich mir eine neue Schule suchen.

In meinen sechs Jahren als Lehrerin konnte ich nur zweimal mit einem sicheren Gefühl in die Sommerferien gehen. Die meisten Verträge laufen immer nur über ein Schuljahr. Ob es nach den Ferien weitergeht, erfahre ich meistens im Urlaub. Ich fliege jedes Jahr mit Freunden nach Griechenland, Beachvolleyball spielen am Strand. Meine Freunde haben sich schon daran gewöhnt, dass ich immer wieder vom Strand ins Hotel renne, um auf mein Handy zu schauen. Wenn ich einen Anruf bekommen habe, geht der Puls hoch. Denn dann weiß ich: Ich habe Glück, es klappt wieder mit einer Stelle. Zumindest für das nächste Schuljahr. Ich habe schon viele Bewerbungsgespräche am Telefon in unterkühlten Hotelzimmern geführt. Meine Bewerbungsunterlagen habe ich auf meinem Smartphone, damit ich sie jederzeit verschicken kann.

Manchmal erfahre ich aber auch erst an einem der letzten Ferientage oder sogar in der ersten Schulwoche, ob ich noch irgendwo als Vertretungslehrerin eingesetzt werde. Viele Schulen können nicht einschätzen, wie viele Schüler sich neu anmelden werden. Also wissen sie auch nicht, wie viele Lehrer sie brauchen. Das ist auch für die Schulleitungen eine schwierige Situation, das weiß ich.

"Manchmal erfahre ich aber auch erst an einem der letzten Ferientage oder sogar in der ersten Schulwoche, ob ich noch irgendwo als Vertretungslehrerin eingesetzt werde."
Meike Wohl, Realschullehrerin aus Nürnberg

Trotzdem fühle ich mich als immer wieder befristete Lehrerin oft nicht wertgeschätzt. Wenn ich überflüssig werde, kann man mich schnell wieder loswerden. Eine Kündigung erhielt ich vor lauter Schülern auf dem Flur, mal eben zwischen Tür und Angel. "Frau Wohl, wir können Sie nächstes Schuljahr nicht mehr brauchen." Das war’s. Das war furchtbar. Fünf Minuten später musste ich wieder vor einer Klasse stehen und Unterricht machen.

Ich habe auch schon einmal kurz vor den Ferien eine E-Mail bekommen, dass ich am nächsten Tag den Schlüssel abgeben solle. Das war vor zwei Jahren: An einem Donnerstag kam die überraschende Kündigung per Mail, am Samstag wollte ich eigentlich schon in den Urlaub fliegen. Das habe ich dann auch gemacht. Anfangs konnte ich das aber überhaupt nicht genießen. Ich war übellaunig, musste ständig weinen. Meine Freunde haben mich dann viel getröstet. Irgendwann merkte ich, am meisten beschäftigte mich diese Art, per E-Mail gekündigt zu werden. Geht man so wirklich mit Menschen um?

Heinz-Peter Meidinger - Wie schlimm ist der Lehrermangel wirklich? Die Zustände an deutschen Schulen seien katastrophal, warnt der Präsident des Lehrerverbandes Heinz-Peter Meidinger. Was Schüler und Eltern nach den Ferien erwartet, erzählt er im Videointerview. © Foto: Zeit Online