Lebensmittel, Verpackungen, Elektroschrott, Plastik: Die Menschheit müllt sich zu. Mit dem Schwerpunkt "Leben im Wegwerfmodus" folgen wir den Routen des Abfalls, zeigen, was er mit Mensch und Tier macht und wie er sich besser vermeiden ließe.

Jens Müller, 51, arbeitet seit acht Jahren als Müllmann beim Abfallwirtschaftsbetrieb München, einem kommunalen Entsorgungsbetrieb. Ein Gespräch über Abfall – und darüber, was er über Menschen in unserem Land verrät.

ZEIT ONLINE: Herr Müller, darf man Sie als Müllmann bezeichnen oder klingt das abwertend?

Jens Müller: Ich habe damit kein Problem. Jedes kleine Kind sagt: Schau mal, der Müllmann kommt. Ich lasse das gern so stehen. Mit Berufsbezeichnungen wie Müllwerker, die vielleicht politisch korrekter sind, kann ich nicht so viel anfangen.

ZEIT ONLINE: In Ihrem Beruf muss man sich die Hände schmutzig machen und auch bei 36 Grad stinkende Mülltonnen leeren. Wie geht es Ihnen damit?

Müller: Die Arbeit ist zwar körperlich anstrengend, aber die wenigsten von uns klagen. Viele wechseln aus anderen Branchen zu uns, Lkw-Fahrer zum Beispiel. Wir sind hier ja ein kommunales Unternehmen und im Gegensatz zum Fernverkehr sind unsere Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst paradiesisch. Bei uns ist jeden Tag um 15.15 Uhr Feierabend.

"Man will ja auch noch ein Leben neben der Arbeit haben."
Jens Müller, Müllmann

ZEIT ONLINE: Wie sind Sie zur Müllabfuhr gekommen?

Müller: Ich komme ursprünglich aus Leipzig und habe dort zu DDR-Zeiten Metzger gelernt und meinen Meister gemacht. Mit der Wende bin ich mit meiner Frau und meinen Schwiegereltern nach München gekommen. Wir haben hier noch bis 2006 eine Metzgerei geführt, aber irgendwann hat es uns gereicht mit der Sechs-Tage-Woche. Man will ja auch noch ein Leben neben der Arbeit haben. Dann war ich noch ein paar Jahre im Lebensmittelgroßhandel, aber der Schichtdienst dort war auch wahnsinnig anstrengend. Über einen Bekannten kam ich zur Müllabfuhr. Und hier bin ich jetzt seit acht Jahren.

ZEIT ONLINE: Wann beginnt Ihr Arbeitstag?

Müller: Ich bin um sechs Uhr am Betriebshof und ziehe mich um. Dann besprechen wir kurz, ob es etwas Besonderes auf der Route zu beachten gilt, zum Beispiel eine Baustelle. Anschließend trinke ich noch kurz einen Kaffee und kurz nach halb sieben geht es mit unserem Müllauto los. Unser Fahrer steuert den Wagen, zwei weitere Kollegen und ich laden den Müll ein.

ZEIT ONLINE: Wie oft kommen Sie bei den Menschen vorbei?

Müller: Den Papiermüll und den Biomüll leeren wir in der Regel alle 14 Tage. Aber in der Innenstadt, wo die ganzen Geschäfte sind, kommen wir einmal wöchentlich oder sogar zweimal in der Woche vorbei. Den Restmüll leeren wir noch häufiger, teilweise täglich. In den Stadtvierteln, in denen wir unterwegs sind, gibt es viele Altbauhäuser, da sind die Hinterhöfe nicht darauf ausgelegt, dass da noch mehr Tonnen hineinpassen. Deshalb können die Hausverwaltungen oder wir beantragen, dort öfter den Müll zu leeren.

Nicht im falschen Moment über die Politiker lästern

ZEIT ONLINE: Zu Ihrer Route gehören die Fußgängerzone, alles rund um den Odeonsplatz und der Stadtteil Lehel. Das gehört zu den nobleren Ecken der Stadt.

Müller: Und natürlich die ganzen Staatsministerien und die Staatskanzlei! Wenn hinter unserem Wagen eine schwarze Limousine parkt, dann kann es auch mal der Innenminister sein. Da dürfen wir nicht im falschen Moment über die Politiker lästern. Anders als in anderen Stadtvierteln gehören zu unserer Route viele Geschäfte dazu. Wohnhäuser machen nur ungefähr die Hälfte aus.

ZEIT ONLINE: Was könnten die Menschen tun, um Ihnen Ihren Job zu erleichtern?

Müller: Uns wäre zum Beispiel geholfen, wenn sie das Altglas zur Wertstoffinsel bringen würden, statt es in den Restmüll zu werfen. Genauso wenig gehören Bioabfälle dort hinein. Umgekehrt sehen wir leider auch sehr oft Plastiktüten im Biomüll. Es ist aufwendig, die hinauszusieben. Das verursacht alles Kosten, die am Ende über die Müllgebühren wieder als Nebenkosten bei den Bürgern landen. Was viele nicht wissen: Verpackungen aus Kunststoff und Dosen gehören streng genommen auch nicht in den Restmüll.