Im Podcast sagt Sophie Hunger: "Rente wäre für mich die Hölle." © Marikel Lahana

"Auf der Bühne erreiche ich das größte Zufriedenheitsgefühl", sagt die Sängerin Sophie Hunger im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit. Schon während der Schulzeit sei sie bei Chorauftritten in anglikanischen Kirchen immer wieder aufgefallen, weil sie unbedingt ins Rampenlicht wollte. Trotzdem, sagt Hunger, verspüre sie manchmal "einen kleinen Neid auf normale Jobs". Für so einen normalen Job sei die 35-Jährige aber nicht gemacht: "Ich weiß, ich wäre eine schlechte Mitarbeiterin", sagt sie.

"Ich weiß, ich wäre eine schlechte Mitarbeiterin."
Sophie Hunger, Sängerin

Sophie Hunger wuchs in London, Bonn und in der Schweiz auf. Ihr bürgerlicher Name ist eigentlich Emilie Welti. Doch mit 23 entschied sie sich zum Erscheinen ihrer ersten Platte für einen Künstlernamen, den sie aus ihrem Zweitnamen und dem Mädchennamen ihrer Mutter zusammensetzte.

So gerne Hunger auf der Bühne steht: Am Ende ihrer Touren sehne sie sich danach, Dinge in den Kühlschrank zu legen und Gemüse zu schneiden – kurz: nach Alltag. "Ich freue mich dann, einkaufen zu gehen", sagt Hunger. Denn während der Tour seien die Tage so durchgeplant zwischen Konzerten, Interviews, Radioauftritten, dass selbst die Mahlzeiten schon lange im Voraus geplant wären und sie sich nicht selbst kümmern könnte. Sport und insbesondere das Skifahren versage sie sich in dieser Zeit selbst – das Verletzungsrisiko sei zu hoch und während einer Tour müsse sie "eben funktionieren". Gleichzeitig weiß Hunger aber auch: "Das Tourleben ist ein großes Privileg."

"Ich war immer so abhängig von den Typen im Studio. Das hat mich gestört."

Gerade die Touren seien eine besondere Herausforderung: Sie sei dort die Chefin, müsse dafür Sorge tragen, dass die richtigen Leute im Team seien und alles funktioniere, erzählt sie. Den Job gut zu machen, sei ein langer Lernprozess gewesen: "Früher war ich sehr unsicher und habe versucht, zu viel zu kontrollieren", sagt sie. Mittlerweile sei sie aber nicht nur eine bessere Bandleaderin, sondern auch eine bessere Musikerin und Produzentin. Ehe sie das neue Album Molecules, das am 31. August erscheint, geschrieben habe, sei sie für einige Wochen nach Los Angeles gezogen. Dort wollte sie in einem Studio lernen, wie man die Musik optimal aufnimmt und produziert. "Ich war immer so abhängig von den Typen im Studio", sagt Hunger. "Das hat mich gestört."

Auch wenn Hunger ihre Musik als Beruf sehr ernst nimmt, sei diese vor allem Ausdruck ihrer eigenen Rastlosigkeit. Es gehe ihr darum, mit dem Leben als Künstlerin intensiver zu leben als andere. Die Aussicht auf Ruhe wäre daher nichts für sie, erzählt Hunger: "Rente wäre für mich die Hölle."

Das Konzept unseres Podcasts "Frisch an die Arbeit" fußt auf dem berühmten Fragebogen von Max Frisch – wir haben ihn umgeschrieben und an die Arbeitswelt angepasst. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können den Fragebogen zum Podcast hier auch selbst ausfüllen.