Zeitdruck und überbordende Arbeitsanforderungen: So sieht aus der Sicht der Beschäftigten der Arbeitsalltag in Alten- und Krankenpflege in Deutschland aus. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) und der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hervor.

Danach liegt der Anteil der Krankenpflegerinnen und -pfleger, die sich bei der Arbeit oft gehetzt fühlen, bei 80 Prozent. Bei Mitarbeiterinnen in der Altenpflege gaben 69 Prozent an, ihre Arbeit sehr häufig oder oft in Hetze erledigen zu müssen. Diese Werte lägen "deutlich über dem Bundesdurchschnitt für die Beschäftigten aller Branchen, der mit 55 Prozent auch schon beträchtlich ist", heißt es bei der Auswertung der Umfrage.

Die Ergebnisse zeigen weiter, dass 49 Prozent der Beschäftigten in der Krankenpflege außerdem angeben, "häufig Abstriche bei der Qualität ihrer Arbeit" zu machen, "um die Arbeitsmenge bewältigen zu können". Bei den Mitarbeitern der Altenpflege bejahten dies 42 Prozent. Auch diese beiden Werte seien deutlich schlechter als der bundesweite Durchschnitt der Beschäftigten aller Branchen, der mit 22 Prozent nur halb so groß sei wie in der Pflege.

Laut der Umfrage kann sich nur rund ein Fünftel der Beschäftigten vorstellen, bis zur Rente so weiter zu arbeiten. Auch sei für einen Großteil der Beschäftigten in Pflegeberufen die "erzwungene Nachlässigkeit bei der Arbeitsausführung" sehr belastend. 91 Prozent der Beschäftigten in der Kranken- und 88 Prozent  in der Altenpflege hätten dies in der Umfrage bejaht. Ein Grund dafür sei auch, dass sich Beschäftigte in der Pflege in sehr hohem oder hohem Maße mit ihrer Arbeit identifizieren und der Ansicht sind, dass sie mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten (94 Prozent).

Angesichts ihrer Arbeitsleistung vermissen 73 Prozent der Pflegekräfte außerdem ein angemessenes Einkommen.

Arbeitgeber gefährden Gesundheit ihrer Mitarbeiter

Das Mitglied im ver.di-Bundesvorstand, Sylvia Bühler, sagte, die Arbeitgeber verschlissen die Gesundheit der Pflegekräfte. "Der Gesetzgeber muss Vorgaben für die Personalausstattung machen, die eine gute und sichere Versorgung gewährleisten." Die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgelegten Personaluntergrenzen im Krankenhaus legitimierten den Pflegenotstand, statt ihn zu beheben.

Das DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte, Deutschland brauche in Zukunft noch viel mehr Fachkräfte in der Pflege. "Deshalb müssen die Bedingungen schnell und umfassend verbessert werden. Professionelle und hoch motivierte Beschäftigte dürfen nicht länger unter solchen Arbeitsdruck gesetzt werden. Das treibt sie in die Selbstausbeutung und schreckt Berufseinsteiger ab."