Eine Ärztin ist keine weniger gute Ärztin, weil sie eine Frau ist. Ein Pfleger ist kein weniger guter Pfleger, weil er Männer liebt. Und eine Krankenschwester macht ihre Arbeit nicht schlechter, weil sie eine nicht weiße Hautfarbe hat. In Deutschland regelt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, dass Menschen nicht aus Gründen der Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung benachteiligt werden dürfen. Diskriminierung ist laut deutschem Arbeitsrecht verboten. Eigentlich.

Die katholische Kirche aber tut genau das. Sie diskriminiert. Wenn beispielsweise ein katholischer Arzt gegen katholische Moralvorstellungen verstößt, dann soll er auch nicht mehr in einem katholischen Krankenhaus arbeiten. So sieht das, vereinfacht gesagt, die katholische Kirche. Sie darf das so sehen, weil die Kirchen in Deutschland ihr eigenes Arbeitsrecht haben.

Ein Fall von Diskriminierung?

Konkret geht es um folgenden Fall: Ein katholischer Chefarzt, der die Abteilung für Innere Medizin an einem katholischen Krankenhaus in Düsseldorf leitet, lässt sich von seiner ersten Ehefrau, mit der er nach katholischem Ritus verheiratet war, scheiden und heiratet erneut standesamtlich, ohne seine erste Ehe für nichtig zu erklären. Weil das gegen die Moralvorstellungen der katholischen Kirche verstößt, kündigt ihm das katholische Krankenhaus. Der Chefarzt klagt gegen die Kündigung. Denn: Einem evangelischen oder konfessionslosen Chefarzt wäre bei Wiederheirat nicht gekündigt worden.

Seit neun Jahren streiten deutsche Gerichte nun darüber, ob die katholische Kirche ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kündigen darf oder nicht. Drei Arbeitsgerichte gaben dem Chefarzt recht. Die Kirche aber gab nicht auf und zog vor das Bundesverfassungsgericht, und das befand im Jahr 2014, die Arbeitsgerichte hätten sich zu tief in innerkirchliche Angelegenheiten eingemischt.