ZEIT ONLINE: Wie spezifisch wollen Sie als Unternehmen politisch Stellung beziehen? Ziehen Sie da eine Grenze?

Kühne: Unser Anliegen ist es, in eine Diskussion zu gehen. Es geht nicht darum, zu Radikalität oder Extremismus aufzurufen. Auf gar keinen Fall.

"Wir können nicht darauf warten, dass die Politik alles alleine macht. Jeder Einzelne ist gefragt – also auch die Unternehmen."
Fränzi Kühne

ZEIT ONLINE: Und wie politisch sollten sich Ihrer Meinung nach Unternehmen positionieren?

Kühne: Das ist eine schwierige Frage. Es wäre ein Anfang, sich überhaupt mal zu positionieren. Das hängt natürlich auch vom Unternehmen ab. Sich für die Demokratie auszusprechen, halte ich aber für wesentlich. Wir können nicht darauf warten, dass die Politik alles alleine macht. Jeder Einzelne ist gefragt – also auch die Unternehmen.

ZEIT ONLINE: Sie sagten, Chemnitz sei ein Anfang. Wie will sich TLGG in Zukunft konkret gesellschaftlich und politisch engagieren?

Kühne: Wir entwickeln das gerade mit den Mitarbeitern zusammen. Es gibt jetzt verschiedenste Initiativen, die die Mitarbeiter vorschlagen. Es geht uns nicht darum, dass wir nur irgendwo hin spenden. Es geht darum, dass die Mitarbeiter eine Haltung haben und dass TLGG diese Haltung nach außen vertritt.

ZEIT ONLINE: Was für Initiativen sind das?

Kühne: Die sind gerade noch im Entstehen.

ZEIT ONLINE: Was für ein Fazit ziehen Sie jetzt nach dem Konzert?

Kühne: Uns hat das zusammengebracht. Das sehe ich auch daran, wie sehr sich die Mitarbeiter in den vergangenen Tagen eingebracht haben. Sie haben am Wochenende gearbeitet, damit die Plakate rechtzeitig fertig werden, haben private Spenden gesammelt. Der Fokus hat sich verschoben, weil es um eine große Sache ging. Diese Energie wollen wir jetzt nutzen. Wir wollen andere Unternehmen überzeugen, dass sie auch Haltung zeigen.


Transparenzhinweis: Fränzi Kühne war als jüngste Aufsichtsrätin Deutschlands zu Gast bei Z2X18, dem Festival für junge Visionäre, das am 1. und 2. September in Berlin stattfand und von ZEIT ONLINE veranstaltet wurde.