In der Serie "Kontoauszug" stellen wir regelmäßig Menschen vor, die erzählen, wie viel sie verdienen, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wie viel sie monatlich auf die Seite legen. Hier berichtet der 41-jährige Sascha*.

Mein Job

Beruf: Ich bin selbstständiger Friseurmeister. In meinem Salon im Ruhrgebiet biete ich die klassischen Leistungen an: Haare schneiden, färben und stylen. Zur täglichen Arbeit mit den Kunden kommen für mich noch die Buchhaltung und Mitarbeiterführung dazu. Ich beschäftige drei Friseurinnen und einen Friseur und bin aktuell auf der Suche nach einer fünften Kraft. Auch rund um den Salon gibt es viel zu organisieren: Gerade habe ich ein neues Logo in Auftrag gegeben und bald muss eine neue Einrichtung her. Bei diesen Dingen ist  mir eine persönliche Note wichtig: In meinem Schaufenster stehen drei große, silberne Pferdeköpfe, die Wartesessel sind knallig-violett und die Spiegel haben weiße Zierrahmen. Zusätzlich zu den Aufgaben im Salon gehe ich regelmäßig als Trainer in andere Salons und bringe Kollegen bei, wie man Auszubildende anleitet. Ein paar Mal im Jahr arbeite ich außerdem ehrenamtlich für die Initiative Barber Angels – dabei schneiden Friseure Obdachlosen kostenlos die Haare.

"Auf einen Bürojob hatte ich keine Lust"
Sascha*, selbständiger Friseurmeister

Ausbildung: Nach dem Hauptschulabschluss habe ich zuerst eine Lehre als Orthopädieschuhmacher begonnen, doch es war nicht das Richtige für mich, immer nur in der Werkstatt zu stehen. Ich habe die Lehre abgebrochen und ein Praktikum in einem Friseursalon in meiner Heimatstadt Lünen gemacht. Ich wusste schnell: Das ist es. Haare schneiden ist ja auch ein Handwerk, aber du hast viel mehr mit Menschen zu tun. Meinen Meister habe ich dann in einem Salon in Bochum gemacht. Nach vielen Weiterbildungen stand mir dort irgendwann der Posten als Vertriebsmanager offen. Doch auf einen Bürojob hatte ich keine Lust. Stattdessen habe ich mich für die Selbstständigkeit entschieden.

Wöchentliche Arbeitszeit: 45 bis 50 Stunden. Das ist viel, aber ich bin glücklich dabei.

Meine Einnahmen

Brutto: Ich zahle mir selbst rund 2.700 Euro monatlich aus.

Netto: Nach Abzügen für Steuer, Kranken- und Pflegeversicherung bleiben 1.900 Euro netto pro Monat.

Weitere Einnahmen: Für unsere beiden Töchter im Alter von elf und 13 Jahren bekommen meine Frau und ich 384 Euro Kindergeld pro Monat. Wir führen ein gemeinsames Konto, meine Frau verdient als Erzieherin rund 1.100 Euro netto. Unser monatliches Budget liegt also bei rund 3.380 Euro.

Meine Ausgaben

Miete: Für unsere 4,5-Zimmer-Wohnung in einer Stadt im Ruhrgebiet bezahlen wir inklusive aller Nebenkosten 850 Euro monatlich.

Lebensmittel und Haushalt: Etwa 460 Euro im Monat. Einmal in der Woche ist direkt vor unserer Haustür Markt, dort kaufen wir gerne frisches Obst und Gemüse in Bioqualität – und zum Glück ohne viel Verpackung. Für alles andere gehen wir zu Rewe oder Edeka um die Ecke.

Körperpflege: Alles rund um die Haarpflege bekomme ich über meinen Laden zum Einkaufspreis – Shampoo und Stylingprodukte gibt's in großen Flaschen, die reichen jedes Mal für zwei bis drei Monate. Ich schätze, auf den Monat gerechnet sind das etwa 25 Euro für die ganze Familie.

"Alles rund um die Haarpflege bekomme ich über meinen Laden zum Einkaufspreis"
Sascha

Schule der Kinder: 510 Euro insgesamt. Die Waldorfschule für unsere Töchter kostet 400 Euro im Monat für beide zusammen. Dazu kommen noch Bustickets von je 35 Euro und je 20 Euro monatlich fürs Mittagessen. Schulbücher, Hefte und sonstige Materialien werden dafür von der Schule gestellt.

Kleidung der Kinder: Grob geschätzt etwa 50 Euro pro Kind und Monat. Das ist schon etwas weniger als noch vor ein paar Jahren – inzwischen wachsen die beiden nicht mehr ganz so schnell aus ihren Sachen heraus.

Taschengeld: Die 13-Jährige bekommt 25 Euro im Monat, die Elfjährige 15 Euro. Wir orientieren uns an den Taschengeldtabellen der Jugendämter. Wenn die beiden mal mit Freunden Eis essen oder ins Kino möchten, gibt es etwas Geld extra.

Freizeit der Kinder: Für das Zirkustraining unserer jüngeren Tochter bezahlen wir 30 Euro. Unsere Ältere liest viel, einmal im Monat gibt's ein neues Buch für 15 Euro. Die Stadtbibliothek ist für sie noch kostenlos.

"Ab und zu leiste ich mir einen schönen Gürtel"

Verkehrsmittel: Meine Frau fährt im Alltag mit unserem Pkw, für die Kfz-Versicherung, Steuer und einen Servicevertrag für die Inspektion bezahlen wir insgesamt etwa 100 Euro monatlich. Ich fahre im Sommer mit meinem Motorroller zur Arbeit und zahle mit allem Drum und Dran nur 27 Euro im Monat. Wenn es im Winter richtig kalt wird, nehme ich die U-Bahn, das Monatsticket kostet dann 75 Euro.

Handykosten: Insgesamt 60 Euro. Die Verträge der Kinder kosten jeweils 15 Euro im Monat, der Vertrag meiner Frau 30 Euro. Ich selbst habe ein Diensthandy, das über den Laden läuft.

Fernsehen/Internet/Telefon: Für das ganze Paket, inklusive Leihgebühr für den Receiver, bezahlen wir 49 Euro im Monat.

Mitgliedschaften: Das Fitnessstudio kostet für mich 20 Euro monatlich.

Versicherungen: Für die Kranken- und Pflegeversicherung bezahle ich monatlich insgesamt 420 Euro, für die Rentenversicherung 250 Euro. Für die private Haftpflicht- und Hausratversicherung bezahlen wir für die ganze Familie 300 Euro im Jahr, für eine Rechtsschutzversicherung noch einmal 300 im Jahr.

"Wir fahren mit dem Wohnwagen an die Nordsee und campen direkt am Meer"
Sascha


Altersvorsorge: Ich habe eine Lebensversicherung, in die ich 80 Euro monatlich einzahle. Außerdem zahle ich 30 Euro jährlich für die Riesterrente, das hat den Vorteil, dass ich als Selbstständiger einen kleinen Prozentsatz an Steuern spare.

Kleidung: Für mich rund 50 Euro monatlich. Für neue Hosen und T-Shirts gehe ich am liebsten in den Skaterladen. Ab und zu leiste ich mir außerdem einen schönen Gürtel.

Freizeit: Habe ich nicht viel! Und wenn doch, verbringe ich einfach Zeit mit meiner Familie oder gehe mit unserem Hund spazieren.

Urlaub: Mehrmals im Jahr verreisen wir mit der ganzen Familie an die deutsche oder holländische Küste. Wir fahren mit dem Wohnwagen an die Nordsee und campen direkt am Meer. Ich liebe das – es ist einfach wunderschön stressfrei. Pfingsten fahren wir traditionell mit Freunden in die Eifel. Wenn das Wetter im Herbst schlecht ist, entscheiden wir uns auch mal für eine günstige Ferienwohnung. Auf das ganze Jahr gerechnet kommen für diese Trips nicht mehr als 1.500 Euro zusammen.

So viel bleibt am Ende übrig

Zwischen 100 und 200 Euro im Monat. Die packen wir aufs Sparkonto – falls mal eine größere Anschaffung ansteht oder wir etwas zusätzliches Geld für den Urlaub brauchen.

* Wir haben den Namen auf Wunsch des Protagonisten nachträglich geändert.