Die Heilpraktikerin Mirian Lamberth sagt: "Viele nehmen meine Zeit erst dann ernst, wenn der Preis höher ist."

Der bestbezahlte Beruf in einer aufregenden Stadt ist nichts wert, wenn man nicht weiß, wofür das alles gut sein soll. Das erzählt die frühere Modemanagerin Mirian Lamberth im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit. Vor acht Jahren lebte die 49-Jährige noch in New York und war Kreativdirektorin für den weltweiten Markt bei Tommy Hilfiger. Heute arbeitet sie in Berlin als Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Akupunktur, Akupressur, Körperarbeit und Gesprächstherapie.

"Wo willst du denn dann noch hin?"
Mirian Lamberth, Heilpraktikerin

So viel Erfolg sie in ihrem alten Job auch hatte, erzählt Lamberth im Podcast, so häufig habe sie sich selbst grundlegende Fragen gestellt: "Was macht mir wirklich Spaß?" Oder: "Braucht die Welt noch ein T-Shirt mehr?" Als sie schließlich für Marketing, PR und Beauty der Modemarke weltweit verantwortlich war, habe sie sich gefragt: "Wo willst du denn dann noch hin?" Außerdem habe sie die Arbeit nicht immer erfüllt. Sie sagt: "Acht Stunden über Farben und Knöpfe zu sprechen, ohne eine gute Zeit zu haben, war wirklich Folter."

Mirian Lamberth wuchs in Berlin-Kreuzberg auf. In den Achtzigern begann sie, sich selbst Kleidung zu nähen. Nach einer Schneiderlehre zog sie nach New York, um Modedesign zu studieren. Dann sei alles schnell gegangen, erzählt sie: Direkt nach dem Ende des Studiums wurde sie Designerin bei GAP, bald befördert und wechselte schließlich zu Tommy Hilfiger.

"Am Anfang habe ich ein bisschen geweint, dass ich keine Corporate Credit Card mehr hatte."

Aber nach 25 Jahren in New York und 25 Jahren in der Modebranche ließ sie dieses Leben komplett hinter sich – den SUV, das Haus auf den Hamptons, die persönliche Assistentin, aber auch die Enge des Erfolgs. "Wenn man alles haben kann, wenn man überall hinreisen und jedes Auto der Welt haben kann, dann fühlt man sich wie ein überfüttertes Baby", sagt Lamberth. "Das war eine Überdosis." Dennoch sei die Umstellung nicht leicht gewesen: "Am Anfang habe ich ein bisschen geweint, dass ich keine Corporate Credit Card mehr hatte."

Heute hat Lamberth keine Rücklagen mehr aus dem früheren Arbeitsleben und keine finanzielle Absicherung – und ist trotzdem glücklicher. "Besser als jetzt kann’s nicht werden", sagt sie. Als Heilpraktikerin hat sie zwar keine eigene Praxis, aber einen festen Kundenstamm. Sie besucht ihre Klienten zu Hause. Ihr Honorar variiert dabei stark, je nach Patient und Fall. "Früher wollte ich meine Arbeit möglichst günstig anbieten, damit sie sich jeder leisten kann," erzählt sie. "Aber ich habe gemerkt, dass viele meine Zeit erst dann ernst nehmen, wenn der Preis höher ist."