In der Serie "Kontoauszug" stellen wir regelmäßig Menschen vor, die erzählen, wie viel sie verdienen, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wie viel sie monatlich auf die Seite legen. Hier berichtet der 45-jährige David.

Mein Job

Beruf: Unter der Woche arbeite ich als Umzugshelfer, an den Wochenenden bin ich Markthändler und reise mit meinem Stand quer durch Deutschland – von Festival zu Festival, auf Floh- oder Weihnachtsmärkte. Ich verkaufe Textilware, die ich in Thailand anfertigen lasse, T-Shirts, Pullover, Tücher, Baumwollhosen. Ich verzichte auf Zwischenhändler, fliege einmal im Jahr nach Bangkok und bestelle die Waren dort vor Ort, immer bei den gleichen kleinen Betrieben. Der persönliche Kontakt zu den Produzenten ist mir sehr wichtig. Ich will wissen, wo die Baumwolle herkommt und wo die Kleidung hergestellt wird. Wir tauschen Ideen und Motive aus, designen oft auch zusammen. Die Aufdrucke der Buttons, die ich verkaufe, entwerfe ich meistens selbst.

"Ich habe das mit dem Studieren dann aus Zeit- und Geldgründen gelassen."
David, 45, aus Bamberg

Ausbildung: Ich bin in Lima groß geworden. Anfang der Neunziger waren die Zustände in Peru ähnlich schlecht wie heute in Venezuela, eine gewaltige Arbeitslosigkeit und eine Inflation, die im Jahr 1990 bei 7.000 Prozent lag. Deshalb bin ich nach meinem Abitur nach Nürnberg gezogen, dort lebte ein Onkel von mir. Eigentlich hatte ich vor, in Bamberg Archäologie zu studieren, aber dafür hätte ich erst einige Schuljahre nachholen müssen, weil das peruanische Abitur in Deutschland nicht anerkannt wird. Dazu kamen bürokratische Hürden. Ein Beispiel: Um die Schulen der Region besuchen zu dürfen, war vorher ein einjähriger Deutschkurs mit 20 Wochenstunden notwendig – an den Sprachschulen gab es zu dieser Zeit aber nur 16-stündige Deutschkurse. Die vier fehlenden Stunden mit Privatunterricht zu ergänzen, wurde mir verboten. Ich habe das mit dem Studieren dann aus Zeit- und Geldgründen gelassen. Stattdessen habe ich begonnen, selbst gemachten Haarschmuck zu verkaufen. Mir hat die Freiheit gefallen, von einem Ort zum anderen zu reisen, immer unterwegs zu sein.  Nach ein paar Jahren konnte ich mir dann einen Verkaufsstand und einen Bus kaufen. Und ich konnte mir die Reisen nach Thailand leisten. Allerdings war es schwer, davon zu leben, allein die Krankenkasse hat mich am Ende 400 Euro monatlich gekostet. Glücklicherweise habe ich eine Anstellung in einem Umzugsunternehmen gefunden. Drei Tage die Woche arbeite ich dort.

Wöchentliche Arbeitszeit: Als Markthändler: Ganz unterschiedlich und saisonabhängig. Von Frühling bis Herbst gibt es viele Festivals, da arbeite ich mehrere Tage am Stück, meist bis früh in den Morgen, da kommen leicht 70 Stunden zusammen. Im Dezember ist Weihnachtsmarktzeit, da bin ich täglich sechs bis sieben Stunden unterwegs. In den restlichen Wintermonaten ist kaum was los, da verbringe ich viel Zeit zu Hause, entwerfe Designs für Buttons oder plane die nächsten Märkte, das sind dann nur wenige Stunden Arbeitsaufwand. Im Schnitt arbeite ich 45 Stunden die Woche. Hinzu kommen zwölf Stunden als Umzugshelfer.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: Im Durchschnitt verdiene ich etwa 2.500 Euro brutto.

Nettoeinkommen: Etwa 1.500 Euro. Hier sind nicht nur die Steuern abgezogen, sondern auch verschiedene Betriebskosten wie Wareneinkauf, Standmiete, Zoll und Busreparaturen.

Sonstige Einnahmen: Mein Sohn wohnt seit acht Jahren bei mir. Er macht gerade eine Ausbildung bei der bayerischen Finanzkasse. Für ihn bekomme ich Kindergeld. Das wurde vor Kurzem um zwei Euro erhöht, macht 194 Euro im Monat. 

Meine Ausgaben

Miete: Ich wohne in einer Wohngemeinschaft und zahle für mich und meinen Sohn 650 Euro Miete warm, darin enthalten sind bereits der Rundfunkbeitrag, Strom, und 30 Euro für Telefon und Internet.

"Ich habe eine Vermögensberaterin. Das klingt spießig, ist aber hilfreich und kostet mich nichts extra."

Lebensmittel: Auf den Festivals habe ich keine Zeit zu kochen und esse viel Fast Food, umso mehr freue ich mich zu Hause auf Selbstgekochtes. Für Lebensmittel gebe ich etwa 400 Euro im Monat aus. Mein Sohn kocht genauso gerne wie ich. Es gibt deutsche und peruanische Küche. Wenn ich ganz frischen Fisch finde, mache ich uns Ceviche.

Transportmittel: Bamberg ist eine kleine Stadt, man schafft alles ganz bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Für meine Arbeit habe ich mir einen Bus geleast, dafür zahle ich 250 Euro, aber den benutze ich privat nicht.

Handy: 50 Euro im Monat. Darin enthalten ist auch die Gebühr für das neue Smartphone.