Um 9 Uhr im Büro, um 17 Uhr wieder den Arbeitsrechner ausschalten und die Bürotür hinter sich schließen: Für immer mehr Menschen in Deutschland sieht der Arbeitsalltag ganz anders aus. Sie können zeitlich flexibel und unabhängig von einem festen Arbeitsplatz arbeiten: im Zug, auf der heimischen Couch, im Hotelzimmer. 45 Prozent aller Angestellten mit Bürojob in Deutschland bekommen einen Laptop von ihrem Arbeitgeber, 21 Prozent ein Smartphone – mit denen bürounabhängiges Arbeiten zumindest in der Theorie möglich wäre. Das steht im "D21-Digital-Index 2017/2018", der seit Jahren misst, wie Bürgerinnen und Bürger mit dem digitalen Wandel Schritt halten. Ein Sechstel der Beschäftigten in Deutschland arbeitet demnach regelmäßig mobil. Außerdem sind sie immer häufiger für ihren Job unterwegs: 2013 gab es in Deutschland 171,1 Millionen Geschäftsreisen, schätzt der Verband Deutsches Reisemanagement. 2017 waren es schon 187,5 Millionen. Aber welche Rechte haben die Beschäftigten, wenn sie mobil arbeiten? Und wie bleiben sie gesund? Wir haben Arbeitsexperten gefragt. 

1. Muss ich permanent erreichbar sein?

Niemand muss rund um die Uhr für den Arbeitgeber erreichbar sein. Arbeitszeiten stehen grundsätzlich im Arbeitsvertrag. Zum Beispiel, dass der Arbeitstag um 9 Uhr beginnt oder die Mittagspause zwischen 12 Uhr und 13.30 Uhr genommen werden muss. In diesem Fall gilt das auch, wenn man mobil arbeitet, zum Beispiel in einem Café oder zu Hause. "Wenn es im Büro fixe Arbeits- und Pausenzeiten gibt, müssen sie auch im Homeoffice eingehalten werden", sagt die Arbeitsrechtlerin und Justiziarin Sabrina Fasholz. Um 14 Uhr das Kind von der Kita holen und dafür abends länger arbeiten geht dann also nicht.

Ist im Arbeitsvertrag allerdings eine freie Arbeitszeiteinteilung geregelt, darf man selbst entscheiden, wann man Pause macht und wann man erreichbar ist. Hierbei gilt jedoch: "Regeln zwischen Arbeitgeber und -nehmer sollten kommuniziert werden. Fehlt ein Gespräch darüber, wie und wann die Mitarbeiterinnen erreichbar sein sollen, kommen häufig – auch falsche – Erwartungen ins Spiel", sagt Gerlinde Vogl, Arbeitssoziologin an der Uni Oldenburg. "Für Beschäftigte, die sich selbst einteilen können, wann und wo sie arbeiten, und dadurch ja eigentlich Freiheiten genießen könnten, entsteht dann häufig ungesunder Stress", sagt Vogl, die seit Jahren im Bereich der mobilen Arbeit forscht.

Auch wer krank oder im Urlaub ist, muss nicht für den Arbeitgeber erreichbar sein, sagt Arbeitsrechtlerin Fasholz. Zudem darf der Arbeitstag maximal acht Stunden dauern, das steht im Arbeitszeitgesetz. Ausnahmsweise dürfen es auch mal zehn Stunden sein. "Darüber hinaus darf die Chefin oder der Chef nicht verlangen, dass noch schnell auf eine Mail geantwortet oder zurückgerufen wird", so Fasholz. Das gilt auch, wenn von unterwegs oder zu Hause gearbeitet wird.

2. Kann ich selbst entscheiden, ob ich mobil arbeiten will, oder entscheidet das meine Chefin?

Das kommt darauf an, was im Arbeitsvertrag steht. "Ist dort nichts geregelt, entscheidet der Chef beziehungsweise die Chefin", sagt Sabrina Fasholz. Grundsätzlich könnten sich Kolleginnen und Kollegen jedoch immer auf das Gleichbehandlungsgebot berufen. Sprich: Was mein Kollege darf, darf ich auch.

3. Kann ich es beim zehnten Einsatz im Monat verweigern, für die Firma zu reisen?

Ist im Arbeitsvertrag nichts geregelt, hat der Chef oder die Chefin Weisungsrecht. Der Umfang und die Anzahl der angeordneten Reisen müssen allerdings "zumutbar" sein. "Wie viele das sind, variiert abhängig von Gesundheitszustand, Kinderbetreuungspflichten oder der Stellung des Angestellten im Unternehmen", sagt Fasholz. Wird man sich nicht einig und zieht der Arbeitgeber daraus Konsequenzen, kann man vor dem Arbeitsgericht klagen.

4. Ist die Dienstreise ins Ausland zu 100 Prozent Arbeitszeit?

Ja. Die Reisezeit zu einem Termin im Ausland erfolgt zu 100 Prozent im Interesse des Arbeitgebers und muss in der Regel vergütet werden. Das hat jüngst das Bundesarbeitsgericht entschieden. "Auch wenn die Reise länger als die vereinbarten acht Stunden dauert, ist zukünftig die gesamte Reisezeit in der Regel wie Arbeitszeit zu vergüten", sagt Arbeitsrechtlerin Sabrina Fasholz. "Was das für Dienstreisen im Inland bedeutet, muss abgewartet werden", gibt sie allerdings zu bedenken, "denn die Urteilsbegründung hat das Bundesarbeitsgericht noch nicht veröffentlicht." Es ist daher noch nicht ganz klar, ob der Grundsatz für alle Auslandsreisen gilt – und was das Urteil für Inlandreisen bedeutet. Aber es sehe danach aus, dass die Reisezeit künftig vergütet wird, auch wenn der Arbeitnehmer dann ein Buch liest oder schläft.