5. Wird eher mehr oder weniger gearbeitet, wenn die Arbeitszeit flexibel eingeteilt werden kann?

Flexibilität hat ihren Preis: Häufig wird unterm Strich mehr gearbeitet. Das ergäben zahlreiche Studien, sagt Kerstin Rieder, Professorin für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Aalen. Zwar hätten Beschäftigte, die sich ihre Arbeit selbst einteilen können, häufig auch mehr Freiheiten, sagt Rieder – aber oft auch mehr Verantwortung, die Arbeitszeit sinnvoll einsetzen und gute Ergebnisse liefern zu müssen. Der Leistungsdruck steigt. Dann wird auch mal länger gearbeitet. Rieder befragte hierzu gemeinsam mit Arbeitssoziologin Vogl und einem Team aus dem Forschungsprojekt "Präventionsorientierte Gestaltung mobiler Arbeit – Prentimo" mehr als 3.500 Beschäftigte. Das Ergebnis der bislang unveröffentlichten Studie: Menschen, die mobil und flexibel arbeiten, sind häufig zehn Stunden und mehr pro Tag beschäftigt. Damit arbeiten sie mehr als Menschen, die feste Arbeitszeiten und -orte haben.

6. Wie hält man den Stress gering?

Grenzen ziehen. "Häufig entsteht Stress, wenn Job und Freizeit durchmischt werden. Wenn die Arbeit mit in den Feierabend oder das Wochenende wandert", sagt Arbeitssoziologin Gerlinde Vogl. Für mobil Arbeitende sei diese Gefahr besonders groß, denn sie ordnen ihre Zeiteinteilung einem Ziel oder einer Deadline unter. Dadurch zählen einzig der Erfolg und die Leistung. Fragen wie "Habe ich genug Zeit und Ressourcen, meine Arbeit zu schaffen?" rücken in den Hintergrund. "Wenn man das Gefühl hat, seine Arbeit nicht zu schaffen, sollte die Schuld nicht immer bei einem selbst gesucht werden", so Vogl. Stattdessen sollten Angestellte sich fragen, ob es realistisch sei, die Arbeit in der vorgegebenen Zeit zu erledigen – und mit dem Arbeitgeber reden.

Darüber hinaus rät die Arbeitssoziologin: Pausen machen. Denn mobil Beschäftigte, das ergebe ihre Forschung, würden sich zu selten zwischendurch ausruhen. Zudem sollten sie Belastungen schnell und nicht erst mit dem Jahresurlaub ausgleichen: "Wenn an einem Tag sehr lange gearbeitet wird, hilft es, am nächsten Tag – wenn möglich – später ins Büro zu gehen." Allerdings sind die Handlungsmöglichkeiten des Einzelnen oft begrenzt. Hier seien vor allem Unternehmen gefragt, zu kommunizieren, was erwartet werde. Zudem sei "gerade bei mobiler Arbeit wichtig, dass die gesetzlichen Arbeitszeitregelungen auch unterwegs eingehalten werden", sagt Wirtschaftspsychologin Kerstin Rieder. Verstößt der Arbeitgeber dagegen, sei das Gespräch mit dem Betriebs- oder dem Personalrat ein guter Weg.

7. Ist die Grenze zwischen Job und Privatleben auch für Menschen wichtig, die ihren Job richtig gern machen?

Ja, besonders dann. Wenn der Zyklus zwischen Belastung und Erholung dauerhaft gestört wird, kann es zu Schlafstörungen, Kopfweh, Rückenschmerzen oder Magenproblemen kommen, sagt Wirtschaftspsychologin Riedel. "Wer dann nicht die Notbremse zieht, dem drohen ernsthafte Krankheiten", so Riedel. Eine begrenzte Zeit intensiver Arbeit ist kein Problem, denn der menschliche Organismus ist gewissermaßen dafür gemacht, auch mal an Grenzen zu gehen. Aber wenn Menschen dauerhaft auf Hochtouren arbeiten, werde es gefährlich, sagt Riedel.