Macht muss man behaupten – gegen Vermieter, Chefinnen oder ein Publikum. Angela Merkel hat es vorgemacht, jetzt zieht sich die mächtigste Frau der Welt zurück. Haben Frauen es schwerer mit der Macht? Wo zeigt sie sich und wie sieht sie aus? Wir haben Leserinnen von ZEIT ONLINE und Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kunst und Kultur gefragt: Wann haben Sie sich zuletzt mächtig gefühlt? Die Antworten zeigen: Macht spielt sich auch in der Partnerschaft, der Kindererziehung und im Fitnessstudio ab.

"Ich war 25, seit drei Monaten alleinerziehend mit zwei kleinen Kindern, und mein Lebenstraum war gerade zerplatzt wie eine Seifenblase. Eigentlich eine Situation, die nach Ohnmacht klingt. Und trotzdem habe ich damals meine größte Stärke entdeckt: die Macht, mein Leben zu verändern. Ich wollte nicht mehr abhängig sein, ich wollte kein Mitleid mehr haben. Deshalb habe ich einen Quereinstieg gewagt und mich nicht nur beruflich, sondern auch persönlich weiterentwickelt. Zu spüren, dass ich diese Macht habe, hat mir mein Selbstvertrauen zurückgegeben. Aber mit der Macht kommt für mich auch immer die Angst, etwas falsch zu machen. Deshalb war und ist es für mich wahnsinnig wichtig, mich selbst zu reflektieren, nach Hilfe zu fragen und Rat zu suchen. Das habe ich damals mit Therapeuten, Coaches und Freunden getan und dabei gemerkt, dass Angst nicht das Gegenteil von Macht ist, sondern dass Angst wichtig ist, um verantwortungsvoll mit Macht umzugehen."
(Magdalena Rogl, Leiterin der digitalen Kommunikationsabteilung beim Softwarehersteller Microsoft)

"Als mein Mann meinen Familiennamen angenommen hat."
(Anonyme Leserin)

"Macht kommt ja von machen, und weil ich so viel machen kann, bin ich mächtig stolz auf mich. Ich habe meine Kinder erzogen, ihnen Mut, Ehrlichkeit, Verbindlichkeit und Tatkraft vermittelt. Ich habe meine eigene Firma mit denselben Werten aufgebaut und darf in der Welt herumreisen und Vorträge über Kreativität halten. Und genau jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, fühle ich mich auch mächtig, weil ich mich traue, meine Freude über mein eigenes Gelingen so klar auszudrücken."
(Julia Scarlett Lindig, 64, Leserin)

"Manchmal fühle ich Macht, wenn ich meinem Partner den Sex oder andere Dinge verweigere."(Anonyme Leserin)

99 Prozent Männeranteil – und ich


"Zum ersten Mal fühlte ich mich mächtig, als ich in einer Besprechung saß mit 99 Prozent Männeranteil und ich wegen meiner Ideen da war und nicht zum Konferenzkekse-Hereinbringen oder Mitschreiben. Ich war von einem bekannten Produzenten eingeladen worden, um darüber zu sprechen, welche Art von Film ich gerne als Nächstes schreiben würde. Jedes von mir frei gewählte Thema wäre ihm recht gewesen. Diese Art von Angebot bekam ich, nachdem ich meinen dritten Kinohit Rubbeldiekatz geschrieben hatte. Meine männlichen Kollegen bekamen solche Angebote sofort nach ihrem ersten Hit. Das ist für mich der Unterschied mit der Macht." (Anika Decker, Drehbuchautorin von unter anderem "Keinohrhasen")


"Als Sängerin und Poetry-Slammerin stehe ich oft allein auf Bühnen. In dem Moment, bevor ich anfange zu singen oder zu reden – wenn alle Augen im Raum auf mich gerichtet sind, wenn keiner redet –, fühle ich mich mächtig. Ich habe für die nächsten Minuten so vieles in der Hand: Ich kann Erwartungen übertreffen oder enttäuschen, kann die Stimmung der Menschen beeinflussen, kann entscheiden, was als Nächstes passiert. Das ist ein schönes Gefühl."(Maike, 20, Leserin)