Sexismus - Google-Beschäftigte protestieren gegen Missstände im eigenen Konzern Tausende Angestellte von Google haben vorübergehend ihre Arbeit niedergelegt. Sie kritisieren den Umgang des Internetkonzerns mit Sexismus, Rassismus und Machtmissbrauch durch Führungskräfte. © Foto: Bryan R. Smith/AFP/Getty Images

Tausende Google-Mitarbeiter haben am Donnerstag weltweit die Arbeit niedergelegt: aus Protest gegen Sexismus, Rassismus und Machtmissbrauch durch Führungskräfte. "Für einen echten Wandel" wolle man protestieren, verkündeten die Organisatoren der Aktion. Unter dem Hashtag #GoogleWalkout verabredeten sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, jeweils um 11.10 Uhr Ortszeit ihre Büros zu verlassen.

Bei der Kundgebung vor der New Yorker Google-Zentrale hielten sie Schilder hoch mit Slogans wie "Arbeiterrechte sind auch Frauenrechte", immer wieder taucht das alte Firmenmotto auf: "Don't be evil" – tue nichts Böses. Die Teilnehmer fordern mehr Gleichberechtigung

48 Mitarbeiter wurden entlassen

Die Proteste schwappten von Nordamerika über Europa bis nach Asien. In Dublin, dem europäischen Hauptsitz von Google, gingen rund 500 Mitarbeiter auf die Straße, in London beteiligten sich mehrere Hundert Angestellte, auch in Jerusalem und in Singapur gab es Kundgebungen. Google teilte diese Woche mit, dass in den vergangenen zwei Jahren 48 Mitarbeiter wegen sexueller Übergriffe entlassen wurden.

Bei vielen Angestellten hat sich nach den jüngsten Vorwürfen Frust aufgestaut. "Es gibt Tausende von uns, auf jeder Ebene der Firma – und wir haben genug", heißt es in einem offenen Brief der Initiative. Auf Transparenten machten die Protestierenden ihrem Ärger Luft: "Ich arbeite jeden Tag hart, damit sich mein Unternehmen leisten kann, einem Manager 90 Millionen Dollar zu zahlen, der meine Kolleginnen sexuell belästigt".

Abfindung für ausgeschiedene Mitarbeiter?

Erst am Mittwoch hatte der Google-Mutterkonzern Alphabet mitgeteilt, dass der ranghohe Mitarbeiter Rich DeVaul die Firma ohne Abfindung verlassen habe. Laut New York Times war DeVaul vor einigen Jahren gegenüber einer jungen Jobbewerberin zudringlich geworden. Die Zeitung hatte eine ganze Reihe von Fällen mutmaßlicher sexueller Drangsalierung durch Google-Angestellte enthüllt und dem Konzern vorgeworfen, solche Vorfälle zu vertuschen.

Unternehmenschef Sundar Pichai reagierte darauf mit der Erklärung, dass Google eine "immer härtere Linie" gegen derartiges Fehlverhalten verfolge. Pichai sagte, dass keinem der wegen solcher Anschuldigungen ausgeschiedenen Mitarbeiter eine Abfindung gezahlt worden sei. Für besonderes Aufsehen sorgte der Fall von Andy Rubin, dem Schöpfer des Smartphone-Betriebssystems Android. Er hatte Google 2014 verlassen, laut New York Times wegen sexuellen Fehlverhaltens. Das Blatt berichtete, dennoch habe das Unternehmen für Rubin ein Abfindungspaket im Wert von 90 Millionen Dollar geschnürt. Rubins Sprecher wies die Vorwürfe zurück.