ZEIT ONLINE: Reagieren Besucher auf die Outfits der Hostessen?

Kubes: Ja, das tun sie. Auf der Internationalen Automobilausstellung habe ich eine Gruppe Hostessen gesehen, von denen alle einen transparenten Minirock und eine hautenge Bluse getragen haben – da war von Beinen und mittig an der Brust viel Haut zu sehen. Darunter konnte man weder BH noch eine vernünftige Unterhose anziehen. Das muss man sich mal vorstellen. Ich habe sie gefragt, ob sie dieses Outfit freiwillig tragen würden. Die Antwort war: Ja, für Fotos kurz, 20 Minuten. Sie mussten es aber zwei Wochen lang den ganzen Tag auf der Messe anhaben. Diese Outfits strahlen etwas komplett anderes aus als die Businesslooks der Verkäufer. Das bildet sich auch auf sprachlicher Ebene ab: Die Männer werden gesiezt und die Frauen "unsere Mädels" genannt. Oder die Besucher fragen: "Kriegt man dich dazu, wenn man das Auto kauft?" Das liegt sicher auch daran, dass das Bild der sexy Hostess medial noch so präsent ist.

ZEIT ONLINE: Haben Sie selbst Übergriffe erlebt?

Kubes: Klar, wie fast jede Hostess. Vor allem blöde Sprüche. Manche wollten auch unter meinen Rock fotografieren. Hostessen wollen ja auch nicht ins Hotel oder zum Essen eingeladen werden, sondern haben einen Job zu erledigen. Agenturen und Automobilhersteller raten den Frauen, sich bei Übergriffen an männliche Kollegen zu wenden, anstatt selbst zu sagen: "Hey, Finger weg, was soll der blöde Spruch?" Sich zu wehren, widerspricht dem Bild der stets netten, lächelnden Hostess.

ZEIT ONLINE: Wissen die Frauen nicht, worauf sie sich einlassen, wenn sie bei einer Hostessenagentur anheuern?

Kubes: Auf sexuelle Belästigung sind die wenigsten gefasst. Viele mögen ihren Körper und stehen gern vor der Kamera. Permanent fotografiert und angestarrt zu werden, ohne dass man Nein sagen kann, setzt vielen aber doch zu. Und das Dauerlächeln trotz Schmerzen in Rücken und Beinen muss man erst mal durchhalten können. Manche Hostessen, die ich begleitet habe, haben den Job abgebrochen oder in der Pause heimlich geheult, weil sie die Übergriffe und sexuelle Anmachen nicht verkraftet haben.

ZEIT ONLINE: Verdient man als Hostess so gut, dass viele bereit sind, die Schikanen auszuhalten?

Kubes: Nein. Auf den Messen, auf denen ich war, lag der Stundenlohn zwischen 10 und 13 Euro. Die Jobs machen meistens Studentinnen, Freiberuflerinnen oder Stewardessen. Hunderte Frauen bewerben sich auf einen Auftrag. Wenn man dann "ausgewählt" wird, betonen die Agenturen, was für eine Ehre das sei, von großen Herstellern gebucht zu werden. Nach dem Prinzip: Je hochwertiger die Marke, desto mehr wert ist die Frau.

ZEIT ONLINE: Was müsste sich ändern?

Kubes: Man kann sich fragen, was die ganze Förderung von Frauen in technischen Berufen bringen soll, wenn sie auf Messen nur wieder als Objekte dargestellt werden. Wie wäre es damit, technisch kompetente Frauen einzusetzen, die die Innovationen auch erklären dürfen? Eigentlich bedeutet Hostess ja einfach: Gastgeberin. Das sollte jede Person machen dürfen: männlich, weiblich, alt, jung, attraktiv, nicht attraktiv. Messen sind als gesellschaftliche Großereignisse sehr publikumswirksam. Ein paar Mechatronikerinnen, die ich interviewt habe, sagten: Man kann sich viel besser auf das Auto konzentrieren, wenn keine sexy Frau im Weg steht. Dann wäre die Bezeichnung der Messe auch endlich zutreffend.