Ein Ehevertrag? Gar nicht so unromantisch, wie Sie denken

Wenn man den Klatschspalten im Internet glaubt, dann ist ein Ehevertrag ein sicherer Indikator für Misstrauen und mangelnde Romantik unter Paaren. Die Schauspieler Kristen Bell und Dax Shepard haben angeblich ohne Ehevertrag geheiratet? Wow, echte Liebe! Katy Perry könnte Orlando Bloom einen Ehevertrag aufdrücken? Wie unromantisch!

Mehr zum Thema? Hier können Sie die gesamte Ausgabe von ZEIT GELD aus der ZEIT Nr. 49/2018 lesen.

Was passiert, wenn wir uns scheiden lassen?

Das ist ein ziemlich großes Missverständnis. Man könnte sogar sagen: Gerade wenn sich zwei Partner auf faire Regeln für den Fall einer Scheidung einigen, muss die Chemie doch stimmen. Denn genau das ermöglicht ein Ehevertrag: Er erfordert, dass Partner gedanklich durchspielen, was passieren soll, wenn es zur Scheidung kommt. Und das ist statistisch gesehen nicht so unwahrscheinlich: Eine von drei Ehen zerbricht. 2017 wurden laut Statistischem Bundesamt rund 407.000 Ehen geschlossen, aber auch rund 153.500 Ehen geschieden.

Man muss den Promis fast ein bisschen dankbar sein, dass zumindest sie ihre Eheverträge manchmal öffentlich zum Thema machen. Denn nur wenige Menschen wissen, was Eheverträge sind und wann man sie abschließen kann – nämlich nicht nur vor, sondern auch noch nach der Hochzeit. Überhaupt schließt nur ein kleiner Teil der Paare ein solches Abkommen ab.

Streit um die gemeinsame Immobilie

Das berichten Anwälte, die Scheidungen ausfechten müssen; das weiß man, wenn man sich in seinem Freundeskreis umhört. Und das zeigen auch die wenigen Umfragen, die es zu dem Thema gibt: Eine Untersuchung des Portals ImmobilienScout24 unter mehr als 1.000 Geschiedenen hat ergeben, dass nur sieben Prozent in einem Ehevertrag festgelegt hatten, was im Falle einer Scheidung mit der gemeinsamen Wohnung passiert; bei den 35- bis 45-Jährigen lag die Quote mit 13 Prozent etwas höher als bei den Älteren. Insgesamt drei Viertel hatten die Konsequenzen der Scheidung laut der Umfrage hingegen gar nicht bedacht; in fast jedem zweiten Fall kam es später zu Streit um die Immobilie. 

Per Vertrag lässt sich nicht nur die Zukunft der gemeinsamen Wohnung regeln. "Im Ehevertrag kann man Vereinbarungen über Vermögen, Unterhalt und Rentenausgleich festschreiben", sagt die Berliner Scheidungsanwältin Ingeborg Rakete-Dombek. "Einseitig unfaire Vereinbarungen sind ausgeschlossen, man kann nicht festlegen, dass ein Partner die Kinder betreut, bis sie 18 sind – und dann komplett auf den Unterhalt oder Rentenausgleich verzichten." Wann ein Ehevertrag besonders sinnvoll ist, wann man ihn abschließen kann und welche gesetzlichen Regelungen ohne ihn gelten, das zeigt der Entscheidungsbaum.

Grafik: Paul Blickle