Erzbischof Heiner Koch sagt im Podcast: "Mein Traum war: Ich wollte entweder Kaufmann werden – oder eine gut laufende Gaststätte betreiben."

"Das Regelmäßige an meinen Arbeitsalltag ist, dass ich morgens aufstehe und abends zu Bett gehe", sagt Heiner Koch, der Erzbischof von Berlin im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit. "Das Meiste ist aber nicht planbar."

Heiner Koch, 64, wuchs in Düsseldorf in einer katholischen Familie auf. Er selbst hatte als Kind und Jugendlicher aber ganz andere Zukunftspläne als die Eltern. "Mein Traum war: Ich wollte entweder Kaufmann werden – oder eine gut laufende Gaststätte betreiben." Als Kind, erzählt er, habe ihn der Beruf des Lokomotivführers fasziniert. Doch dann studierte er nach dem Abitur doch Theologie auf Lehramt, promovierte mit einer Arbeit zur "Befreiung zum Sein als Grundperspektive christlicher Religionspädagogik" und wurde im Jahr 1980 zum Priester geweiht.

"Ich wusste damals, dass ich beruflich etwas machen wollte, von dem ich sagen würde: Das war wertvoll. Dafür hat es sich gelohnt zu leben."
Heiner Koch, Erzbischof von Berlin

Dass er sich für die Kirche entschied, hätte aber vor allem mit einem tragischen Todesfall in der Familie zu tun gehabt, erzählt Koch bei ZEIT ONLINE: "Ich wusste damals, dass ich beruflich etwas machen wollte, von dem ich sagen würde: Das war wertvoll. Dafür hat es sich gelohnt zu leben." Entsprechend arbeitete Koch nach seiner Promotion in der kirchlichen Seelsorge, wechselte von Düsseldorf ins Erzbischöfliche Generalvikariat Köln, wo er 2006 zum Weihbischof geweiht wurde. Im Kölner Dom zu predigen, erzählt Koch, sei eine besondere Herausforderung. "Wenn man da vorne steht, kriegt man nicht mehr wirklich mit, was am anderen Ende der Kirche los ist", erzählt er im Podcast. Aber solche Situationen seien ihm nicht fremd, schließlich sei er fast 20 Jahre lang Bundespräses, also das geistige Oberhaupt der größten deutschen Schützenvereinigung gewesen. "Wenn man in einem Schützenzelt eine Predigt halten kann, dann kann man das wirklich überall", erzählt Koch.

Seit 2015 ist Heiner Koch Erzbischof von Berlin – und entgegen dem Klischee sei Berlin eine zunehmend christliche Stadt. In den letzten Jahren, erzählt Koch, sei der Anteil der Katholiken in Berlin von zwei auf neun Prozent gestiegen, darunter seien auch diverse fremdsprachige Gemeinden, aber nicht nur: "Wir haben sehr viele Erwachsenentaufen. Allein in der letzten Osternacht hatten wir 145 Taufen!"

In den Tagen und Wochen vor Weihnachten allerdings, erzählt der Erzbischof, komme er kaum zur Ruhe. "Es ist kein Gehetze", sagt Koch. Aber ein straffes Programm: Am Heiligabend besuche er zuerst das Gefängnis, leite dann den Kindergottesdienst, empfange daraufhin Obdachlose, abends sei er erst bei den Franziskanern, dann leite er spät in der Nacht die katholische Christmette in der St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin, die auch live in der ARD übertragen wird. Am nächsten Morgen gehe das Programm direkt weiter, erzählt der Erzbischof. "Am Mittag des ersten Weihnachtsfeiertags lege ich mich dann erst einmal hin und schlafe."