Immer noch arbeiten in Deutschland deutlich weniger Frauen als Männer in Führungspositionen. Eine neue Studie der Boston Consulting Group bestätigt dieses Missverhältnis: 2018 lag der Anteil von Frauen in den Vorständen der 100 größten Unternehmen nach Börsenwert bei lediglich sieben Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr ist den Studienergebnissen zufolge der Frauenanteil in Vorständen um einen Prozentpunkt gestiegen. Bei dieser Geschwindigkeit werde es noch etwa 40 Jahre dauern, bis Spitzenpositionen zu gleichen Teilen mit Frauen und Männern besetzt seien, hieß es in der Analyse. Die AllBright-Stiftung hatte Ende September ähnliche Zahlen vorgelegt. Positiver habe sich die Zusammensetzung von Aufsichtsräten entwickelt: Durchschnittlich seien 31 Prozent der Posten mit Frauen besetzt. 

Für die Studie wurden die 100 größten deutschen Unternehmen nach Börsenwert sowohl auf die paritätische Besetzung von Führungspositionen als auch auf die dort bestehenden Gehaltsunterschiede hin beurteilt. Je höher der Wert, den ein Unternehmen erhält, umso geringer ist der jeweilige Unterschied zwischen den Geschlechtern. Das beste Ergebnis erzielte die Wiesbadener Aareal Bank mit 80,44 von 100 möglichen Punkten, gefolgt von Telefónica Deutschland und dem Leasing-Spezialisten Grenke. Unter den im Dax notierten Konzernen schnitt die Firma Henkel am besten ab. 

Junge Unternehmen sind nicht unbedingt fortschrittlicher

Auf dem letzten Platz landeten gleich drei Unternehmen: der Online-Essenslieferdienst Delivery Hero, der Architektur-Software-Anbieter Nemetschek und der Internetprovider United Internet. In keiner der drei Firmen war 2018 auch nur eine einzige Führungsposition mit einer Frau besetzt. "Die Behauptung, dass gerade junge Unternehmen in Sachen Diversität besonders aufgeschlossen und fortschrittlich sind, lässt sich nicht verifizieren", heißt es in der Studie.

Eine Verbesserung sehen die Autorinnen und Autoren der Studie in einer gerechten Bezahlung zwischen den Geschlechtern: In Vorständen und Aufsichtsräten sei die Vergütungslücke zwischen Männern und Frauen im vergangenen Jahr um fünf Prozentpunkte zurückgegangen. Immer noch bestehe allerdings ein Lohnunterschied von 20 Prozent, der in der Regel zum Nachteil der Frauen ausfalle.