Wer in Teilzeit geht, muss ersetzt werden. Die fehlenden Stunden dürfte eine neue Kollegin übernehmen, deren Vertrag ausläuft, sobald der Brückenteilzeitler nach ein, zwei, drei, vier oder fünf Jahren in seine Vollzeitposition zurückkehrt. Hinter den Glücklichen mit selbst gewählter reduzierter Arbeitszeit stehen die Lückenfüller, die bald wieder weg sind. Sie sind die personalpolitische Manövriermasse, um anderen Arbeitszeiten zu ermöglichen, die zum Leben passen, und so dürfen sie sich auch fühlen. Es entstehen Vertretungsjobs von vorübergehender Dauer, oft sogar mit geringem Stundenumfang.

Solche Jobs werden nicht irrtümlich als prekär bezeichnet, wie Gesamtmetall so beschwichtigend wie belehrend zu behaupten versucht. Diese Jobs sind ohne jeden Zweifel prekär. Sie dürften, als Teilzeitbeschäftigung, in vielen Fällen zu wenig Lohn einbringen, um damit wirklich über die Runden zu kommen. Sie bieten als Arbeit mit Ablaufdatum keine Perspektive, um das eigene Leben sinnvoll planen zu können. Die Flexibilität der einen Beschäftigten müssen die anderen mit Unsicherheit bezahlen. Der Luxus der Brückenteilzeit dürfte zu einer Explosion befristeter Stellen führen.

Befristete Jobs gehören an den Pranger

In der Bundestagsdebatte zum neuen Gesetz sagte der Unionsvertreter, man dürfte "Befristung nicht an den Pranger stellen". Aber genau da gehört sie hin. Und da sollte man sie nicht wegräumen, nur weil man sie jetzt zum Nebeneffekt eines als fortschrittlich empfundenen Gesetzes veredeln kann. Befristete Jobs sind eine Schande für jedes Unternehmen, das sie anbietet. Sie sind eine Belastung für jeden, der sich mit ihnen begnügen muss. Es gibt für sie keinen höheren Zweck, der sie heiligt.

Die SPD war einmal mit dem Versprechen angetreten, die in diesem Land ausgeuferten Zeitverträge zurückzudrängen. Spätestens in den Koalitionsverhandlungen hat sie diesen Anspruch weitgehend aufgegeben. Die Änderungen, die sich die Regierungsparteien für diese Legislaturperiode vorgenommen haben, dürften jedenfalls kaum verhindern, dass die neuen hübschen Teilzeitbrücken in den Unternehmen mit lauter hässlichen Zeitverträgen gestützt werden.

Es ist schon ein wenig schizophren: Die große Koalition verwehrt einerseits Millionen Beschäftigen das Recht auf befristete Teilzeit und beschränkt die Regelung auf große Unternehmen – weil sie nur die in der Lage sieht, das Personal so weitsichtig zu organisieren, dass ein Antrag auf vorübergehende Arbeitszeitreduzierung nicht gleich den ganzen Betrieb ins Stocken bringt. Dass die gleichen Unternehmen ihren Ersatz andererseits aber auch planen könnten, ohne auf die billige, bequeme und erstbeste Lösung eines prekären Vertretungsjobs zurückzugreifen, das will man ihnen dann lieber doch nicht zutrauen.