"Ich kümmere mich für meine Klienten nicht nur um die Presse, sondern um das komplette Image", sagt PR-Agent Jozo Jurič. © Yves Borgwardt

"Nach der Berlinale ist man zehn Kilo leichter", sagt Jozo Jurič im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit. Jurič ist PR-Agent für Schauspielerinnen und Schauspieler. Unter anderem betreut er Caroline Peters, die zum Ensemble des Wiener Burgtheaters gehört und auch schon in diesem Podcast zu Gast war. Die Berlinale ist für ihn die geschäftigste Zeit des Jahres. Er beschreibt seine Arbeit so: "Ich kümmere mich für meine Klienten nicht nur um die Presse, sondern um das komplette Image." Ein Kanal ist dabei für ihn Instagram.

"Das Styling der Schauspieler auf der Berlinale ist strategisch."
Jozo Jurič, PR-Agent

Jozo Jurič zog mit seinen Eltern im Alter von drei Jahren von Kroatien nach Deutschland. Er wuchs in Frankfurt am Main auf. Die Mutter, die als Gastarbeiterin die Häuser von Ärzten und Anwältinnen putzte, wollte, dass ihr Sohn Medizin studiert. Stattdessen bewarb er sich an der Universität der Künste und studierte dort Wirtschaftskommunikation. Nach dem Studium arbeitete er zunächst in der Modebranche, unter anderem für Unternehmen wie Abercrombie & Fitch und Victoria's Secret. Vor zehn Jahren machte er sich dann als PR-Agent selbstständig.

Gleich nach Weihnachten beginnen für den PR-Agenten die Vorbereitungen für die Berlinale: Er klärt, wer in der Stadt sein wird, kümmert sich darum, dass seine Klienten die Einladungen für alle wichtigen Branchentreffen und Partys bekommen und überlegt sich, was sie anziehen. "Das Styling ist strategisch", sagt er. Heißt: Wenn eine der Schauspielerinnen, die er vertritt, für eine bestimmte Rolle im Rennen ist, wählt er Kleider, die denen im Film ähneln. "Die Ausstattung verstärkt bei Castern und Regisseuren das Gefühl, dass sie zu der Rolle passen könnte", sagt Jurič. Für die Berlinale erstellt er Stundenpläne: Wann ist er mit seinen Schauspielern wo? Sein Rekord: 36 Veranstaltungen in acht Tagen.

Auf einem Event, sagt er im Podcast, stelle er seinen Klienten Menschen vor, die für sie wichtig sein könnten: Regisseure, Produzentinnen, Redakteure, Casterinnen. Während seine Klientin ein Gespräch führe, halte er schon Ausschau nach dem nächsten Gesprächspartner für sie. Zwei Stunden rechnet er pro Event, dann fahren sie mit dem Taxi zum nächsten Empfang. Am Morgen danach macht Jurič die Nachbearbeitung: Mails schreiben an alle, die seine Leute am Vorabend kennengelernt haben. "Während der Berlinale bin ich bis zu 20 Stunden am Tag im Einsatz", so Jurič. Für Kinofilme hat er da keine Zeit.

"Ich bin sehr streng, auch zu mir selbst. Faule Leute regen mich auf."

Was Jurič wirklich stresst: "Faulheit". "Ich bin sehr streng, auch zu mir selbst. Faule Leute regen mich auf." Gutes Netzwerken sei für ihn auch, "wenn man Hähne zudreht, die nicht funktionieren". Bezahlt wird er von seinen Klienten nach Arbeitsumfang. So könne man bei ihm die klassische PR-Arbeit buchen, etwa die Betreuung von Interviews, aber auch die Begleitung zu Events, das Styling und Pressemitteilungen. Je mehr Filme seine Klienten drehen, desto mehr Pressearbeit ist nötig – und davon lebt Jurič.

Jurič vertritt zwölf Klienten, Angestellte hat er nicht. Ihm sei es wichtig, selbstbestimmt zu arbeiten – und sich auch mal entziehen zu können. "Ich muss nicht nach Indien, um zu entspannen. Mir reicht ein Tag, an dem ich machen kann, was ich will", sagt er. Dann gehe er zum Beispiel ins Museum.