Zu der fehlenden Identifikation mit den Arbeitsinhalten und Zielen des Kunden kamen das typisch hohe Arbeitspensum einer Werbeagentur und das Gefühl, mit dem eigenen moralischen Dilemma allein dazustehen, da die Kolleginnen und Kollegen Seitz' Bedenken nicht teilten. Nach einem Jahr kündigte sie.

Wer eine Arbeit mit Sinn sucht, trifft auf ein wachsendes Angebot an Vermittlern im Netz. Portale wie GoodJobs, NachhaltigeJobs.de oder die Grüne Jobbörse haben den Bedarf an Stellen mit sozialem oder ökologischem Mehrwert erkannt. Arbeitgeber, die dort gelistet werden wollen, müssen bestimmte Anforderungen erfüllen. Bei GoodJobs etwa sollte das Kerngeschäft klar nachhaltig ausgerichtet sein – oder der Arbeitsbereich, innerhalb dessen die Stelle ausgeschrieben ist, sollte sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen: Das kann zum Beispiel eine Ausschreibung als Sustainability-Manager eines großen Unternehmens sein.

Eine halbe Million Menschen hat im letzten Jahr auf GoodJobs direkt nach Jobs gesucht, erzählt Gründer Paul Berg. Drei Jahre gibt es die Plattform, inzwischen arbeiten 20 Mitarbeiterinnen am Ausbau des Angebots. Berg erklärt, dass sie aktiv auf die Suche nach Unternehmen gehen, die die Kriterien erfüllen. Von allein meldeten sich die wenigsten. "Es gibt in Deutschland viele sustainable hidden champions, die sich bei uns präsentieren könnten, das aber gar nicht wissen." Rund 1.000 Organisationen und Unternehmen sind aktuell bei GoodJobs gelistet.

Fabian Schenk bewarb sich nach seiner Kündigung bei Adidas bei einem einjährigen Weiterbildungsprogramm namens On Purpose, das Berufstätige bei ihrem Wechsel von der freien Wirtschaft in ein Social Enterprise unterstützt – mit Coachings, verschiedenen Arbeitseinsätzen und finanzieller Grundsicherung. Genau das Richtige für ihn, der vor allem wusste, was er nicht mehr wollte, aber nicht, wie es weitergehen könnte.

Schließen sich sinnstiftende Arbeit und ein faires Gehalt aus?

Über das Programm durchlief Schenk Stationen beim fairen Kaffeehandel und der Nachbarschaftsplattform nebenan.de und lernte, worauf es ihm bei einem neuen Arbeitgeber ankommt. "Ich dachte immer, es gibt nichts zwischen Kapitalismus im Großunternehmen auf der einen Seite und großen, polarisierenden NGOs auf der anderen Seite." In Berlin habe er gemerkt, wie viele Möglichkeiten es zwischen den beiden Polen gibt. Auch die wirtschaftlichen Bedingungen, in denen Unternehmen mit sozialökologischer Ausrichtung heute operieren, haben sich gewandelt. Bei Value for Good verdient Schenk etwa so viel wie bei Adidas. Zum Teammeeting trifft man sich in schickem Ambiente auf dem Vitra-Sofa, die Büroräumlichkeiten sind in einem edlen Gründerzeitgebäude in Berlin-Mitte untergebracht.

Dass grüne Unternehmen die hohen Erwartungen nicht immer erfüllen, erlebte Steffi Seitz nach ihrer Zeit in der Werbeagentur. Sie fing bei einem Start-up an, das sich auf sogenanntes Vertical Farming spezialisiert hat. Das Unternehmen produziert Kräuter, die direkt in Kühlschränken im Supermarkt wachsen und geerntet werden. Keine großen Transportwege, keine Pestizide, niedrige CO2-Belastung, dazu ein hoch motiviertes Team, in dem alle an die Idee mit den Kräutern glaubten – so hatte sie sich die neue Arbeit vorgestellt.

Schon nach wenigen Tagen wurde Seitz klar, dass der Druck durch die finanzielle Unsicherheit des jungen Unternehmens in den Anfangsjahren extrem auf die Stimmung schlug. "Wer nicht überperformt, muss gehen", warnte sie ein ehemaliger Kollege auf dem Flur. Als sie auch an der tatsächlichen Nachhaltigkeit des Unternehmens Zweifel bekam, verließ sie das Unternehmen. Wieder ein Stück desillusionierter. "Eine Arbeit, die besonders erfüllend ist, was die Inhalte angeht, hat meist andere Nachteile, das ist wohl einfach so", sagt sie. Die Hoffnung auf eine sinnstiftende Arbeit mit fairem Gehalt und gutem Betriebsklima will Seitz dennoch nicht aufgeben und arbeitet bis auf Weiteres frei für verschiedene Auftraggeber.