"Ich habe mich immer gefragt, was es mit dieser Wochenendfixierung auf sich hat. Manchmal freue ich mich auch auf die Arbeitswoche", sagt Carolin Silbernagl von Betterplace im Podcast.

"Mein Beruf ist es, anderen Menschen zu helfen, die Welt besser zu machen", sagt Carolin Silbernagl, Vorstand der Spendenplattform Betterplace und dort unter anderem zuständig für den Ex-Google-Campus in Berlin-Kreuzberg. Im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit erzählt sie, wie sie zum Berliner Sozialunternehmen kam – und was bei der Planung eines gemeinnützigen Hauses für die Zivilgesellschaft alles bedacht werden muss.

"Wenn einem finanzieller Status ein großes Anliegen ist, dann landet man nicht im Sozialen."
Carolin Silbernagl, Vorstand der Spendenplattform Betterplace

Denn als Google im Herbst 2018 verkündete, doch keinen Campus in Berlin-Kreuzberg zu eröffnen, war die Aufregung groß: In Kreuzberg selbst hofften viele Mieter und Mieterinnen von Büro- und Wohnflächen, die Preise würden etwas weniger stark steigen als befürchtet. In der Berliner Politik aber brach Streit aus, ob man den IT-Konzern aus dem kalifornischen Mountain View stärker hätte unterstützen sollen. Nur dass Google auch so weiter Hauptmieter des Gebäudes bleiben und die Räume erst einmal für fünf Jahre sozialen Unternehmen zur Verfügung stellen würde, das ging etwas unter.

Dass das Projekt klappt, ist die Aufgabe von Carolin Silbernagl. Silbernagl, Jahrgang 1981, begann ihre Karriere bei Stiftungen, sie hat also Erfahrung mit solchen Aufgaben: Mit einem eigenen Sozial-Start-up hat sie vor wenigen Jahren bereits die Top-Level-Domain .hiv gelauncht. Zwei Dinge, erzählt Silbernagl im Podcast, hätten ihre beruflichen Stationen gemeinsam. Zum einen: "Wenn einem finanzieller Status ein großes Anliegen ist, dann landet man nicht im Sozialen." Und zum anderen, dass sie dazu tendiere, sich zu überfordern.

"Natürlich muss man ersetzbar sein – so muss ich meine Arbeit auch gestalten."

Da sei es hilfreich, dass Betterplace sich nach New-Work-Überlegungen organisiert habe und ohne klassische Hierarchien auskomme. "Wir haben die Führungspyramide infrage gestellt", sagt Silbernagl. Für manche Themen sei sie daher eine Führungsperson, etwa was die Repräsentation des Unternehmens nach außen, aber auch die Buchführung betreffe. Andere Bereiche aber liefen bei Kollegen zusammen. "Natürlich muss man ersetzbar sein – so muss ich meine Arbeit auch gestalten", sagt Silbernagl.

In diesem Sinne organisiert sie auch das Konzept des neuen Campus in Kreuzberg: Zweimal in der Woche sitze sie mit einem Vertreter einer zweiten, artverwandten NGO in einem Container vor der Baustelle des künftigen Coworking- und Veranstaltungsgebäudes – um Fragen von künftigen Kooperationspartnern zu sammeln und nach Möglichkeit auch zu beantworten. "Wir wissen ja nicht, was die von uns wollen, also haben wir gesagt: Kommt doch vorbei und sagt uns, was ihr braucht!" Jede Woche kämen fünf, sechs NGOs und gemeinnützige Vereine in die Sprechstunde. Ob es ihr bei all dem leichtfalle, auch einmal Feierabend zu machen? Silbernagl lacht. "Ich musste lernen, meine Begeisterung in Bahnen zu lenken", sagt sie. "Berufung kann zur Falle werden – und bedarf Reflexion."