Es gibt da offenbar ein Wundermittel, das alle denkbaren Probleme moderner Unternehmen löst: Chefinnen! Wo sie sind, ist der Segen.

Kürzlich zum Beispiel war dazu ein interessanter Befund zu vermelden. Je weiblicher die Führungsgremien besetzt sind, desto zufriedener sei auch die Belegschaft. So soll es eine Auswertung von 176 größeren Unternehmen ergeben haben, zu denen Daten auf dem Bewertungsportal kununu.de vorliegen, teilte die Initiative für mehr Frauen in Aufsichtsräten mit.

"Frauen in den Führungsspitzen der Wirtschaft sind gut fürs Geschäft."
Franziska Giffey, Bundesfamilienministerin

Das wäre ein erstaunliches Ergebnis – und klingt in der Tat wie das Patentrezept für ein gutes Arbeitsklima. Oben mehr Frauen, unten mehr Lächeln. Bloß: Warum sollte es eigentlich so sein? Warum sollte das Geschlecht des Vorstandes oder gar eines Aufsichtsrates, mit dem die Mehrzahl der Beschäftigten in einem Großunternehmen im Alltag nie zu tun hat, einen so messbaren Einfluss auf ihre Zufriedenheit haben?

Argumente dieser Art hört man in jüngster Zeit oft: Unternehmen hätten selbst etwas davon, wenn sie Frauen in Chefposten bringen, heißt es dann. Frauen führen nicht nur zu mehr Zufriedenheit, sondern auch zu mehr Innovation, zu einem besseren Klima, zu steigenden Profiten. "Frauen in den Führungsspitzen der Wirtschaft sind gut fürs Geschäft", sagte zum Beispiel Familienministerin Franziska Giffey im vergangenen Jahr. "Gemischte Teams sind einfach erfolgreicher." Oder Ulrike Detmers, Mitglied der Geschäftsführung beim Brothersteller Mestemacher und Rolemodel für weibliche Führung: Unternehmen würden mit mehr Frauen an der Spitze wettbewerbsfähiger und profitabler, sagte sie unlängst anlässlich der Vorstellung eines Aufrufs verschiedener Fraueninitiativen für eine Ausweitung der Quote.

Um nicht missverstanden zu werden: Es gibt sehr gute Gründe für Quoten, für das Bemühen um mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Wirtschaft. Nur: Wer mit den Vorteilen argumentiert, die für Unternehmen aus einer gerechten Sache resultieren, handelt sich eine Reihe von Problemen ein – die dem Anliegen eher schaden als nutzen.

Sind es wirklich die Frauen in vorderen Positionen, die die Unternehmen erfolgreicher machen?

Auf den ersten Blick erscheint das Wohlergehen des Unternehmens zwar wie die ultimative Begründung für Frauenförderung. Wenn sie Kassen klingeln lässt, sollten Firmen schon aus purem Eigeninteresse für mehr Geschlechtergerechtigkeit eintreten. Im Kapitalismus wirkt es wie das schlagendste aller Argumente. Aber es ist tückisch, mit ökonomischer Zweckmäßigkeit für eine im Kern moralische Forderung zu streiten.

Da wäre zuerst einmal die ganz banale Frage: Stimmt denn das, was da behauptet wird, überhaupt?