Einige besonders publikumswirksame Studien wollen einen solchen Zusammenhang entdeckt haben, zum Beispiel die Unternehmensberatung McKinsey im vergangenen Jahr: Die Geschäfte laufen besser, wo viele Frauen in Führungspositionen sind. Ob sie aber wegen der Frauen an der Spitze besser laufen, kann die Untersuchung nicht klären, wie McKinsey im Methodenteil auch selbst einräumt. Dieser Haken ist allerdings gravierend; eine Korrelation ist keine Aussage über Kausalität. Sind es wirklich die Frauen in vorderen Positionen, die die Unternehmen erfolgreicher machen? Oder fällt es umgekehrt den sowieso erfolgreichen Unternehmen schlicht leichter, mehr Geld in ihre Frauenförderung zu investieren?

Ist Letzteres der Fall, läuft der Appell zu mehr Gleichberechtigung ins Leere: Die erfolgreichen Unternehmen würden so schlicht nicht mehr als Referenz dafür herhalten können, dass mehr Frauen an der Spitze zu einem Markterfolg führten. Es ihnen nachzutun, garantiert keinen Gewinnsprung. Eine Quote ließe sich nicht mit ihrer segensreichen Wirkung für die Bilanz rechtfertigen. Was Ursache und was Wirkung ist, ist somit entscheidend für die Schlussfolgerung aus solchen Studien.

Dazu kommt: McKinsey mag zwar einen Zusammenhang zwischen Profit und Weiblichkeit der Führungszirkel feststellen – scheint damit aber eher allein zu sein. Konstanzer Wissenschaftler haben 2015 in einer Überblicksarbeit 38 internationale Studien ausgewertet, insgesamt die Daten von 10.664 Führungsteams. Unterm Strich steht bei ihnen ein Nullbefund: Firmen machen nicht automatisch mehr Gewinn, wo mehr Frauen führen. Das Argument steht auf einer schwachen Basis.

Was, wenn es keine Kausalität gibt?

Und wenn man den Wunsch nach Geschlechtergerechtigkeit schon an Profitlogik knüpft, müsste man auch konsequenterweise bereit sein, ihn fallen zu lassen, sobald er sich irgendwo als unrentabel erweist. Auch dafür gibt es Studien. Eine Untersuchung mit den Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, die viele Angaben von kleinen und mittleren Unternehmen enthalten, zeigte im Jahr 2013: Wo Frauen die Geschäfte führen, sind die Gewinne mitunter sogar niedriger! Und nun? Sollte man zur Rettung des Standorts Deutschland vielleicht, zumindest in besonders betroffenen Branchen, ein Beförderungsverbot aussprechen? Eine Männerquote von 100 Prozent, damit aufsteigende Frauen die Firma nicht an den Rand des Ruins treiben? Der Hinweis auf den ökonomischen Nutzen kann sich ziemlich schnell als Bumerang erweisen.

Für ein moralisches Anliegen kann man am Ende eben nur eintreten, wenn man es auch ganz unverdruckst moralisch rechtfertigt: Wenn Männer und Frauen gleichberechtigt sind, sollten sie die gleichen Chancen im Berufsleben haben. Das ist schon ein Grund für sich, nicht der Profit. Das Wohl eines Unternehmens kann ohnehin kein Selbstzweck sein. Statt mit einer Frauenquote, deren Wirkung auf den Geschäftserfolg ja empirisch offenbar sehr unzuverlässig ist, könnte man den Profit auch mit einem sehr viel einfacheren Mittel sehr viel verlässlicher und sehr viel drastischer steigern: einfach die Löhne radikal um 80 Prozent kürzen. Es liegt auf der Hand, warum man eine solche Forderung als zynisch zurückweisen würden. In allen anderen Fällen sollte man das auch.