"Wenn ich mit mir selbst zufrieden bin, ist der Applaus nicht so wichtig", sagt die Opernsängerin Annika Schlicht im Podcast. © Simon Pauly

"Wenn ich mich abschminke und die Perücke abnehme, das ist am besten", sagt die Opernsängerin Annika Schlicht. Sie möge es, in der U-Bahn auf dem Weg nach Hause neben Menschen zu sitzen, die gerade aus der Oper kämen, in der sie aufgetreten sei. Erkannt werde sie nie, dadurch bekäme sie häufig ungefiltert mit, was das Publikum über sie denke, sagt sie im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit.

Die 31-jährige Schlicht ist in Stuttgart geboren, studierte an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin Operngesang und gehört mittlerweile zum Ensemble der Deutschen Oper in Berlin. Doch ihr Weg war so nicht vorgezeichnet. "Ich erinnere mich, dass ich in der fünften Klasse zu Erheiterung meiner Mitschüler Opernsänger imitiert habe und die gesagt haben: Du musst Opernsängerin werden!", erzählt Schlicht. "Aber damals war das wirklich nur Spaß und überhaupt nicht ernsthaft."

"Ich sollte nicht im Stadion rumgrölen, wenn ich am Tag drauf eine Vorstellung habe."

Im Podcast erzählt Schlicht, wie anspruchsvoll ihre Woche ist: "Ein voller Arbeitstag heißt: Probenstart um 10 Uhr für eine dreistündige Oper, dann Einzelwiederholungen und am Abend dann eine Vorstellung mit einer anderen Oper." Zu Hause höre sie daher auch gar keine Opern mehr, auch keine Radiomusik. Stille, sagt Schlicht, sei ihr am liebsten. Außerdem denke sie viel über ihre eigenen Auftritte nach und müsse überlegen, was ihre Leistung beeinträchtigen könne: "Man muss diszipliniert sein. Ich sollte nicht im Stadion rumgrölen, wenn ich am Tag drauf eine Vorstellung habe." Es gäbe keine Arbeitstage, die sie mit halber Kraft bewältigen könne und keine einfachen Opern, die man auch mit einem Kater runterreißen könne. Krank habe sie allerdings schon gearbeitet.

Ihre Sorge, das Publikum zu enttäuschen, ist groß. "Ich will nie gegen eine Buh-Wand laufen", sagt Schlicht. "Wenn ich mit mir selbst zufrieden bin, ist der Applaus nicht so wichtig. Aber an manchen Tagen kann einen der Applaus auch wieder hochpushen."