Pia Frey und ihr Bruder fragten sich anfangs: "Kriegen wir das in dieser Geschwisterkonstellation überhaupt hin?" © Privat

"Ich hatte mir nicht vorgenommen, zu gründen", sagt Pia Frey, Gründerin und Geschäftsführerin des Start-ups Opinary über die Anfänge ihrer eigenen Meinungsumfragefirma im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit: "Wir hatten noch nicht einmal einen Businessplan, als wir gegründet haben."

Pia Frey, 3o Jahre alt, machte ihr Abitur in einem Internat im Schwarzwald. Seit ihrer Kindheit habe sie Journalistin werden und damit den Beruf ihrer Mutter ergreifen wollen: "Ich war oft bei meiner Mutter in der Redaktion, Journalismus war eine vertraute Welt." Sie studierte Philosophie und habe ihre Karriere in einer Redaktion begonnen, dort aber bald zwei Punkte entdeckt, mit denen sie unzufrieden war: Zum einen das, was Frey im Podcast "das Legebatterie-Ding" nennt, also den Druck, "immer ein neues Stück Content produzieren". Zum anderen aber auch die oft mäßigen Kommunikationskanäle zu den Leserinnen und Lesern.

"Will ich mein eigenes Ding machen?"
Pia Frey, Gründerin von Opinary

Als Frey mit ihrem Bruder, der in den USA studiert hatte und in einer Unternehmungsberatung arbeitete, darüber sprach, entstand schnell die Idee, ein Umfrageinstrument zu entwickeln, mit dem schnell, einfach und vor allem niedrigschwellig Feedback zu Artikeln und Kommentaren eingeholt werden kann. "Wir wollten Usern eine Möglichkeit geben, sich einfach zu positionieren", sagt Frey. Als der Verlag, bei dem sie angestellt war, ihr dann ermöglichte, mehrere Monate ins Silicon Valley zu gehen und Erfahrungen im Digitalgeschäft zu sammeln, hätte das Projekt Fahrt aufgenommen. Die Frage sei lauter geworden: "Will ich mein eigenes Ding machen?"

Den Abstimmungszeiger von Opinary, den Frey selbst "Tacho" nennt, findet man heute in redaktionellen und werblichen Angeboten vieler deutscher, zunehmend aber auch britischer und US-amerikanischer Medienangebote, eingebettet in Artikel. Gemeinsam mit ihrem älteren Bruder eine Firma zu gründen, sei dabei schon eine Herausforderung gewesen, sagt Frey: "Als wir gesagt haben, dass wir das mit Haut und Haaren probieren wollen, war die Frage schon: Kriegen wir das in dieser Geschwisterkonstellation überhaupt hin?" Das habe sich aber schnell gewandelt. Heute erlebe sie es als "krassen Luxus" mit ihrem Bruder zusammenzuarbeiten. Zusammen haben sie heute 60 Beschäftigte in ihren Büros in Berlin, London und New York.

"Ich habe gelernt, die Zeit im Flugzeug zu mögen."
Pia Frey, Gründerin von Opinary

Dass die Arbeit deutlich mehr Zeit einnehme als bei den allermeisten Menschen, nimmt Frey dabei  gerne in Kauf. "Ein Start-up ist wie ein Baby", sagt sie. Sie arbeite lange, auch am Wochenende und denke sogar bei Gesprächen mit Freunden darüber nach, was deren Geschichten und Ideen für ihre Firma bedeuten könnten. Trotzdem könne sie gut abschalten: "Ich habe gelernt, die Zeit im Flugzeug zu mögen", sagt Pia Frey. Dort habe sie Zeit für sich selbst.

Die Befürchtung, dass die Start-up-Welt noch immer sehr von einer mindestens latenten Frauenfeindlichkeit durchdrungen sei, bestätigt Frey im Podcast. "Als Frau hat man es in Start-ups nachweislich schwerer", sagt sie. "In dieser Tech-Medien-Marketing-Szene sind 98 Prozent Männer und da fallen manchmal schon Sprüche, da denke ich: absurd!" Das bringe sie oft in eine unangenehme Lose-Lose-Situation: Lache sie über die frauenfeindlichen Witz, verrate sie ihre eigene Haltung. Schreite sie im Gespräch ein, werde das aber für sie anstrengend. "Wenn ich kann, korrigiere ich sowas", sagt Frey. Immerhin sei sie als Chefin und Gründerin gut akzeptiert, auch ohne Alphatiergehabe. "Ich vermittle ganz gut meine eigene Autorität."