Dieser Juni ist ungewöhnlich heiß. Diese Woche sorgt das Hoch Ulla in vielen Städten für Temperaturen über 40 Grad. Während Schulkinder in Berlin und Brandenburg das schöne Wetter genießen können, müssen die meisten Erwachsenen trotz Hitze arbeiten. Wir haben Sie deshalb gefragt: Was möchten Sie über Hitze im Büro wissen? Hier beantworten wir die häufigsten Fragen.

Müssen Arbeitgeber Hitzefrei geben?
Ein Recht auf Hitzefrei gibt es nicht. Allerdings sind Arbeitgeber durch ihre Fürsorgepflicht und die Arbeitsstättenverordnung dazu verpflichtet, für eine "gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur" zu sorgen. Konkret bedeutet das: Im Büro sollte es nicht heißer als 26 Grad sein. Ab 30 Grad muss der Arbeitgeber gegen die Hitze vorgehen. "Das geht zum Beispiel, indem früher mit der Arbeit begonnen wird, Getränke bereitgestellt werden oder das Büro in den kühlen Morgenstunden durchgelüftet wird", erklärt Kersten Bux von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Bei der Auswahl der Maßnahmen hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht. Räume, die heißer als 35 Grad sind, eignen sich nicht mehr als Arbeitsplätze. In dem Fall müssen sich Arbeitgeber eine Alternative überlegen. "Ohne Absprache zu Hause zu bleiben, geht aber nicht", sagt Bux, "das kann arbeitsrechtliche Konsequenzen haben."

Wäre es sinnvoll, unsere Arbeitszeiten zu verändern und wie in Südeuropa früher anfangen zu arbeiten und lange Siesta zu machen?
Da sich heiße Temperaturen auf die Leistungsfähigkeit und die Produktivität auswirken können, wäre eine Siesta auch in Deutschland denkbar. Ökonominnen und Ökonomen der London School of Economics (LSE) empfehlen, die Arbeitszeit an besonders heißen Tagen anzupassen. Gearbeitet werden soll von sieben Uhr morgens bis mittags und dann noch mal von 17 bis 20 Uhr, so die Forscher (LSE: Costa et al., 2016). In Spanien, Griechenland oder auch Italien ist das bereits Alltag. Der bayerische Gewerkschaftsbund sprach sich in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk jedoch gegen eine solche Regelung aus. Die Siesta würde die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter erschweren.

Brandenburg - Neuer Temperaturrekord für Juni aufgestellt Im brandenburgischen Coschen wurden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes am Mittwoch 38,6 Grad gemessen. Damit wurde der Junirekord von 1947 erstmals überschritten. © Foto: Ina Fassbender/AFP/Getty Images

Müssen Arbeitgeber kostenfrei Wasser zur Verfügung stellen?
Nein. Der Arbeitgeber ist durch das Arbeitsschutzgesetz dazu verpflichtet, dass Angestellte gesund und sicher arbeiten können. Kostenlose Getränke gehören aber nicht dazu, zumindest gibt es keinen gesetzlichen Anspruch darauf. Natürlich spricht nichts dagegen, Getränke an heißen Tagen freiwillig zur Verfügung zu stellen (siehe Frage Nummer eins).

Warum dürfen Männer nicht in Shorts kommen, wenn für Frauen Röcke und Kleider zugelassen sind?

Tja, das klingt ungerecht. Und tatsächlich gab es bereits diverse Gerichtsverfahren zu den kurzen Hosen der Männer, nicht aber zu den kurzen Röcken der Frauen. Kleiner Trost: Man findet auch schon Fälle, bei denen Angestellte vor Gericht verloren haben, weil ihr roter oder schwarzer BH durch die Dienstbluse durchschien. Andererseits haben Männer Verhandlungen gewonnen, in denen ihnen nicht nachgewiesen werden konnte, dass Hawaiihemden und Shorts dem Ansehen des Unternehmens schaden. Grundsätzlich müsste vor einer Kündigung wegen eines Baggersee-Looks ohnehin immer eine Abmahnung erfolgen. Auch in konservativen Unternehmen haben sich die Kleidungsvorschriften in den letzten Jahren für Frauen stärker als für Männer gelockert. Früher waren Strumpfhosen und geschlossene Schuhe für viele weibliche Angestellte Pflicht, heute sind unbedeckte Beine und freie Fersen kein Problem für den Businesslook – anders als freie Achseln oder Shorts, die eben immer nach Freizeit aussehen.

Gilt der Dresscode auch bei sehr hohen Temperaturen?

Wenn Sie am Hochofen, in einer Restaurantküche oder im Krankenhaus arbeiten: ja. Wenn Sie im Büro arbeiten, jein. Alles, was der Sicherheit oder Hygiene dient oder Teil einer Uniform ist, wird im Arbeitsvertrag festgeschrieben und gilt bei jeder Temperatur. Hat der Arbeitgeber lediglich ein berechtigtes Interesse am Erscheinungsbild seiner Mitarbeiter im Vertrag formuliert (wie bei Bankmitarbeitern), kann er diese Bekleidungsvorschrift an heißen Tagen lockern. Manchmal bedeutet das allerdings nur, den obersten Hemdknopf öffnen zu dürfen. Lassen sich Vorschriften nicht betrieblich rechtfertigen – etwa dann, wenn es keinen Kundenkontakt gibt –, dürfen sich Chefinnen und Chefs nicht erheblich einmischen. Durch das Weisungsrecht können sie lediglich das verlangen, was dem Berufsbild entspricht. Da es beispielsweise in der IT-Branche, in Start-ups oder Redaktionen üblicherweise keinen Dresscode gibt, wäre hier gegen Shorts nur schwer etwas einzuwenden.