Möchten Sie sieben zusätzliche Urlaubstage im Jahr haben? Was für eine doofe Frage! Natürlich möchten Sie. Nur wenige würde ein solches Angebot der Chefin ablehnen und so verwundert es auch nicht, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der niederländischen Firma HousingAnywhere begeistert gewesen sein sollen, als ihr Chef Djordy Seelmann vor Kurzem eine Neuerung festlegte. Seelmann schaffte die Feiertage im Unternehmen ab. Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommen stattdessen sieben Tage mehr Urlaub und können in Zukunft selbst entscheiden, ob sie diese an den sieben niederländischen Feiertagen nehmen oder eben an sieben anderen Tagen, die ihnen besser passen.

Im ersten Moment mag Seelmanns Vorschlag nach einer modernen Arbeitskultur klingen, nach einem Gewinn an Flexibilität und Freiheit. Doch würden alle Arbeitgeberinnen Feiertage abschaffen und sie in Urlaubstage umwandeln, wäre das alles andere als ein Gewinn. Es wäre der Verlust eines festen Termins, der wichtig für unsere Erholung, aber vor allem für den Zusammenhalt unserer Gemeinschaft ist.

Kein anderer Tag ist so ideal wie der Feiertag, um Freunde und Verwandte zu sehen, die andere Arbeitszeiten haben oder weiter weg wohnen: Das Datum ist seit Jahren gesetzt und bis auf Ausnahmen haben alle an diesem Tag frei (auch Menschen in Pflegeberufen und aus Berlin haben an dem ein oder anderen Feiertag frei). Jeder der schon mal versucht hat die Urlaubsplanung mit mehreren Freunden abzustimmen, weiß, was das für ein Gewinn ist. So wird Pfingsten zu dem Wochenende, an dem sich der alte Freundeskreis aus Unizeiten trifft, und Himmelfahrt ist für das jährliche Treffen mit den Cousinen und Cousins reserviert. An Feiertagen gibt es kaum Ausreden, nicht zu kommen. Alle Geschäfte sind geschlossen und niemand kann den Tag nutzen, den längst überfälligen Zahnarztbesuch zu erledigen. Feiertage sind Momente der Entschleunigung, sie zwingen uns, sich mit den wirklich wichtigen Dingen zu beschäftigen: Feiertage sind Freundschaftstage.

Auch auf politischer Ebene helfen Feiertage, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Politikwissenschaftliche Studien zeigen, dass Feiertage einen identitätsstiftenden Einfluss haben und eine gemeinsame Identität wichtig für die Akzeptanz des politischen Systems ist. Mit anderen Worten: Um uns als politische Gemeinschaft zu verstehen, brauchen wir Tage, an denen wir uns gemeinsam an prägende Ereignisse wie die deutsche Wiedervereinigung erinnern, statt allein in der Uckermark zu wandern.

Natürlich ist die Aussage des niederländischen Unternehmers Seelmann, viele Mitarbeiter könnten mit dem Anlass der meisten Feiertage heute nichts mehr anfangen, richtig. Zu behaupten, dass in einer modernen multikulturellen Gesellschaft an Pfingsten alle den Jüngern Jesus gedenken, die an diesem Tag den Auftrag bekommen haben sollen, das Evangelium zu verbreiten, ist Quatsch. Auch die Frage, wie identitätsstiftend so ein Tag sein kann, der von der Mehrheit der Bevölkerung nicht als Feier empfunden wird, ist berechtigt.

Beides sind allerdings Argumente gegen altertümliche Anlässe von Feiertagen, nicht gegen den Feiertag als arbeitsfreien Tag an sich. Dass Feiertage auch modern sein können, zeigt zum Beispiel der Internationale Frauentag am 8. März, an dem Berliner seit einem Jahr frei haben. Er bietet einen wunderbaren Anlass, um sich gemeinsam mit Fremden auf einer Demo oder zu Hause mit Freunden damit auseinanderzusetzen, wofür unsere Gesellschaft steht und wie sie besser werden kann. Wie schön wäre es, wenn es davon mehr gäbe!