Immer mehr Männer entscheiden sich für den Friseurberuf. © Susann Prautsch/​dpa

Bei der Berufswahl junger Menschen scheinen langsam die Klischees aufzuweichen. Dies geht aus der vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) veröffentlichten Auswertung der abgeschlossenen Ausbildungsverträge für die Jahre 2016 bis 2018 hervor. Die Zeitungen der Funke Mediengruppe hatten zuerst darüber berichtet.

Die Statistik der DIHK deutet darauf hin, dass sich die klassische Rollenverteilung bei der Wahl des Ausbildungsberufs langsam zu ändern beginnt. So wollen immer mehr junge Frauen Fachinformatikerin werden. Zwischen 2016 und 2018 ist der Beruf in der Beliebtheitsliste bei den Mädchen von Platz 41 auf Platz 33 geklettert. Auch der weiterhin unangefochtene Lieblingsjob bei jungen Männern, Kraftfahrzeugmechatroniker (früher Kfz-Mechaniker), ist bei den jungen Frauen in der Beliebtheit gestiegen und hat sich in der Rangliste von Platz 43 auf Platz 36 vorgeschoben.

Umgekehrt entscheiden sich immer mehr junge Männer, zahnmedizinische Fachangestellte zu werden. Der Beruf kletterte in der Beliebtheitsskala der Männer von Rang 131 auf Rang 113. Auch männliche Friseure wird es zukünftig mehr geben – der Beruf liegt statt auf Platz 41 nun auf Platz 35 bei den Männern.

"Die Berufsvorstellungen von Jugendlichen ändern sich zwar langsam, aber sie ändern sich", sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks zu den Zahlen. Die Unternehmen könnten bei der Fachkräftesicherung "auf sich wandelnde Rollenbilder hoffen". Aus Sicht des DIHK ist diese Entwicklung auch wegen des Fachkräftemangels wichtig. Die Unternehmen könnten bei der Fachkräftesicherung auf sich wandelnde Rollenbilder hoffen, sagte Dercks.

Viele orientieren sich noch an Top Ten der Ausbildungsberufe

Trotz dieser Veränderungen in den Berufswünschen hängen viele junge Männer und Frauen an klassischen Rollenbildern und Klischees. Junge Frauen haben 2018 am häufigsten eine Ausbildung zur Bürokauffrau, zur medizinischen oder zahnmedizinischen Fachangestellten, zur Einzelhandelskauffrau oder Verkäuferin begonnen. Männliche Azubis strebten in die Autowerkstätten, wollten Elektroniker oder Informatiker werden oder Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs-, und Klimatechnik.

Zudem würden viele nur die Top Ten der Ausbildungsberufe kennen und so ihre Berufswahl einschränken. "Dabei können die jungen Leute zwischen Hunderten von Ausbildungen wählen", sagte DIHK-Geschäftsführer Dercks. In der Auswertung des Verbands sind mehr als 300 Berufe aufgelistet. Darunter auch unbekannte wie Schifffahrtskaufmann, Geomatiker oder Süßwarentechnologe.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht die Wirtschaft in der Pflicht, mehr zu tun, damit Rollenklischees bei der Berufswahl unwichtiger werden. "Damit junge Menschen ihre individuellen Kompetenzen ohne einengende Geschlechterstereotype entfalten können, sind schulische und betriebliche Angebote zur gendersensiblen Berufsorientierung gefragt, zum Beispiel in Form von Schulpraktika und Zukunftstagen wie dem Girls' Day und dem Boys' Day", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack.