In ihrem Buch "Verschieben wir es auf morgen" (Ullstein Verlag) beschreibt Miriam Maertens ihren jahrzehntelangen Kampf gegen die Erbkrankheit Mukoviszidose. © Mirjam Knickriem

"Im Grunde arbeite ich erst seit sieben Jahren ohne Schummelei", sagt die Schauspielerin Miriam Maertens im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit. Die heute 49-Jährige hat seit ihrer Geburt Mukoviszidose, eine nicht heilbare Stoffwechselerkrankung. Bei dieser Krankheit produzieren die Lungen zu viel Schleim. Das Atmen fällt den Betroffenen schwer. Bis zu ihrer Lungentransplantation vor sieben Jahren erzählte Maertens nur wenigen Kollegen und Regisseuren von ihrer Krankheit. In den Pausen ging sie nach Hause, um Übungen zu machen, und als die Krankheit schlimmer wurde, um an der Sauerstoffmaschine zu atmen.

Im Podcast erzählt Maertens, wie sie trotz der Krankheit auf der Bühne stehen konnte – und auch, wie sich die Arbeit für sie verändert hat, seitdem sie eine neue Lunge hat. So arbeitete sie in den ersten Jahren nach der Operation zunächst sehr viel: Sie wollte alles nachholen, was sie zuvor nicht konnte. Inzwischen sei Arbeit aber nicht mehr alles: "Ich mache manche Sachen nicht mehr, wenn ich sie nicht wirklich machen will", sagt sie. Stattdessen wolle sie lieber auch mal reisen – was sie früher auch nicht immer konnte.

"Wir haben alle gespielt: Die kriegt das schon hin."
Miriam Maertens, Schauspielerin

Miriam Maertens kommt aus einer Hamburger Theaterfamilie. Schon als Kind wusste sie, dass sie Schauspielerin werden wollte. Dass die Ärzte bei ihr eigentlich nur eine Lebenserwartung von fünf Jahren prognostiziert hatten, verdrängte sie. Sie sagt im Podcast: "Das Verdrängen war in der Familie hoch angesagt, um auch Spaß am Leben zu haben." Mit 17 Jahren brach sie die Schule ab und bewarb sich auf Schauspielschulen. Alle in der Familie hätten zwar gedacht, dass sie das Studium niemals mit der Krankheit schaffen würde, erzählt Maertens. Aber die Eltern hätten sie machen lassen. Sie sagt: "Wir haben alle gespielt: Die kriegt das schon hin."

Keine der Schauspielschulen hat Maertens genommen. Aber sie schaffte es auch so. Mit 20 Jahren spielte sie ihre ersten Rollen, unter anderem an der Schaubühne in Berlin. Später arbeitete sie als festes Ensemblemitglied am Schauspielhaus Zürich. Sie sagt: "Die Seele hat immer so viel Futter bekommen, dass sich die Missstände von dem Körper in der Waage gehalten haben." Doch mit den Jahren wurde es für Maertens immer anstrengender. Über die Zeit kurz vor der Lungentransplantation sagt sie: "Es war nur noch mein Kopf, der weitergemacht hat. Aber tief im Inneren wusste ich, das wird nicht mehr lange gehen." 

Zur neuen Spielzeit wechselt sie ins Ensemble des Schauspiels Hannover. Im vergangenen Jahr ist ihr Buch "Verschieben wir es auf morgen" über ihren Kampf gegen Mukoviszidose erschienen.