"Das fühlt sich an wie körperliche Arbeit, wie Kampfschwimmen", sagt Juraprofessorin Nora Markard über konzentriertes Schreiben. © Paul Wagner

"Bei einer guten Vorlesung sieht man in den Gesichtern, da passiert was im Kopf", sagt die Juristin Nora Markard im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit. Die 41-Jährige ist Juniorprofessorin für Öffentliches Recht und Völkerrecht an der Universität Hamburg. In ihren Vorlesungen sitzen bis zu 400 Studierende. "Da muss man ziemlich ackern, um die Leute zu erreichen", sagt sie.

"Es geht darum, eine nachhaltige Art der Arbeit zu finden, die man über lange Zeit durchhält, ohne unglücklich oder krank zu werden."
Nora Markard, 41, Juristin

Markard hat Jura und Internationale Beziehungen in Berlin, Paris und London studiert und in New York und Michigan geforscht. Ihre Dissertation schrieb sie bei Susanne Baer, die heute Richterin am Bundesverfassungsgericht ist. Derzeit sitzt Markard an ihrer Habilitationsschrift, hält Vorlesungen und Vorträge. Außerdem engagiert sie sich ehrenamtlich. So leitet sie unter anderem die Refugee Law Clinic an der Uni Hamburg, eine studentische Rechtsberatung für Flüchtlinge, und ist im Vorstand der Gesellschaft für Freiheitsrechte.

Im Podcast erzählt Markard von manischen und depressiven Phasen in der Arbeit von Juristen. In manischen Phasen arbeite man unglaublich viel und es laufe einfach. In depressiven Phasen unterschätze man seine Expertise und halte die eigene Arbeit für banal. Pausen zu machen habe sie erst mit der Zeit gelernt. Denn mehr als fünf Stunden pro Tag könne sie nicht schreiben. "Das fühlt sich an wie körperliche Arbeit, wie Kampfschwimmen." Markard sagt: "Es geht darum, eine nachhaltige Art der Arbeit zu finden, die man über lange Zeit durchhält, ohne unglücklich oder krank zu werden." 

Im Podcast erzählt Markard auch vom Abhängigkeitsverhältnis zwischen Doktorvätern und Doktoranden. Der Doktorvater sei nämlich nicht nur der Chef am Lehrstuhl. "Man will was von ihm, man schreibt bei ihm die Promotion und will eine wohlwollende Begutachtung dieses Projekts. Das kann sehr toxisch sein."