"Alle beschweren sich, dass Arztpraxen nicht länger auf haben – aber man kann das nicht länger machen", sagt die Frauenärztin Sheila de Liz. © Privat

"Mein Fach ist mit schönen Momenten gesegnet, gerade Schwangerschaften sind immer wieder etwas ganz Besonderes", sagt die Frauenärztin und Autorin Sheila de Liz über ihren Beruf im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit. "Aber wenn man gerade einen Brustkrebs-Fall hatte und die nächste Patientin reinkommt rein und wegen der Wartezeit meckert – das ist besonders anstrengend." Eigentlich, sagte die 50-Jährige, müsste man "vor jeder Patientin eine Kurzmeditation machen, das Fenster aufreißen und die Energien loswerden".

"Es gibt Frauen, die gehen nicht zur Mammografie, weil sie sich für ihre Brüste schämen."
Sheila de Liz

Sheila de Liz wurde in New Jersey, USA, geboren und kam als Teenager mit ihrer deutschstämmigen Mutter nach Deutschland. In Mainz studierte sie Medizin. Seit über zwölf Jahren arbeitet sie in ihrer eigenen Praxis in Wiesbaden. In dieser Zeit, erzählt sie, habe sie gemerkt, wie wichtig es für sie und ihre Arbeit sei, das richtige Maß an Anteilnahme zu finden. "Früher habe ich mich sehr verausgabt und sogar vielen Patientinnen meine Handynummer gegeben und gesagt: Ruf an, wenn irgendwas ist!" Mittlerweile habe sie aber – "auf die harte Tour", wie de Liz sagt – gelernt, Nein zu sagen und sich abzugrenzen. 

Im Podcast berichtet de Liz auch davon, wie viel Scham viele ihrer Patientinnen haben. "Bei vielen junge Mädchen habe ich den Eindruck: Wir müssen, was die Scham angeht, wieder von vorne anfangen", sagt sie. Denn der verkrampfte und von unsinnigen Schönheitsvorstellungen geprägte Blick auf den Körper der Frau bringe Frauen in Gefahr: "Es gibt Frauen, die gehen nicht zur Mammografie, weil sie sich für ihre Brüste schämen."

Außerdem erzählt sie von Überlastung. "Alle beschweren sich, dass Arztpraxen nicht länger geöffnet haben – aber man kann das nicht länger machen", sagt sie. Es nutze niemandem, wenn sie einfach umfalle. Sie mache ihren Job gerne, aber nicht wegen des Geldes. "Man gewöhnt sich letztlich an jedes Gehalt – und dann ist das, was man verdient, irgendwann immer nur Schmerzensgeld."

Über Scham hat Sheila de Liz auch ein Buch geschrieben, es heißt: "Unverschämt – Alles über den fabelhaften weiblichen Körper". Ihr Buch stellt Sheila de Liz am 31. Oktober in der Urania Berlin vor.