So wie Gemüse aus biologischem Anbau unterscheidbar ist von einer konventionellen Produktion, sollen auch Textilien aus fairer Fertigung bald durch ein einheitliches Signet gekennzeichnet sein. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) stellte dazu den Grünen Knopf vor ein staatliches Siegel, das Kunden anzeigen soll, dass die Textilien nach hohen sozialen und ökologischen Standards hergestellt wurden. Es gehe um "mehr Menschlichkeit" und um "Gerechtigkeit" in den Lieferketten, sagte Müller.

Unternehmen, die den Grünen Knopf für ein Textilprodukt erhalten wollen, müssen 26 soziale und ökologische Mindeststandards einhalten. Die ökologischen Standards umfassen etwa das Verbot von Weichmachern und anderen Chemikalien sowie Grenzwerte für Abwässer, die bei der Produktion entstehen. Auch müssen die Produzenten nachweisen, dass sie menschenrechtliche, soziale und ökologische Verantwortung übernehmen. Die Unternehmen verpflichten sich etwa, Mindestlöhne zu zahlen, bestimmte Gesundheits- und Sicherheitsstandards einzuhalten und Kinderarbeit auszuschließen.

Hintergrund von Müllers Initiative ist der Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch, bei dem vor sechs Jahren mehr als 1.100 Menschen getötet wurden. Müller hatte das Unglück als Weckruf für Wirtschaft und Politik gewertet, sich stärker für sichere und faire Arbeitsbedingungen in der Textilwirtschaft einzusetzen. Deutschland könne es sich nicht leisten, die Bedingungen in Billiglohnländern auszublenden, sagte Müller. Er versicherte zugleich, dass die Produkte für Kundinnen und Kunden nicht teurer würden. 

Sein Projekt ist allerdings umstritten. Die deutsche Textilbranche hält den Grünen Knopf für überflüssig und die Kriterien für kaum kontrollierbar. Die Präsidentin des Gesamtverbandes textil+mode, Ingeborg Neumann, sagte den Zeitungen des RedaktionsNetzwerkes Deutschland, es gebe bereits "zahlreiche Qualitätssiegel, die auch international anerkannt sind". Ein zusätzliches nationales Siegel mache keinen Sinn. Es schaffe nicht mehr Klarheit. Ziel der Maßnahme ist auch, das Bewusstsein der Kunden zu vergrößern. Einige Handelsketten und Discounter bieten in Deutschland Kleidungsstücke wie T-Shirts, aber auch Jacken oder Sweatshirts teils für wenige Euro an, deren Nutzungszeit von kurzer Dauer ist.

Anderen geht Müllers Vorhaben nicht weit genug. Uwe Wötzel vom internationalen Netzwerk Kampagne für Saubere Kleidung bemängelte, die Kriterien seien "deutlich zu schwach, die Überwachung unzureichend und die Ausnahmen zu umfangreich". In den Kriterien sei nur die Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns verankert, der aber in der Regel so niedrig sei, dass niemand davon leben könne. Zudem schließt Müllers Siegel vorerst Teile der Produktionskette aus: Nur die Arbeitsbedingungen beim Nähen, Färben und Bleichen würden einbezogen. Nicht aber beim Weben, Spinnen und der Rohstoffproduktion.