Jeden Morgen spielen sich an deutschen Flughäfen die gleichen Szenen ab: Müde Geschäftsleute schleppen sich aus Taxis, verfrachten Laptop und Aktentasche in eine Plastikbox an der Sicherheitskontrolle und checken dann noch schnell die E-Mails, bevor das Flugzeug abhebt. Beraterbomber werden die frühen Maschinen, mit denen man pünktlich um acht Uhr am Zielort ankommt, liebevoll genannt. Rund 190 Millionen Dienstreisen machten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutscher Unternehmen laut dem Portal Statista im letzten Jahr, mehr als die Hälfte dauerte nicht länger als einen Tag. Morgens zum Kunden, abends zurück, meist mit dem Flugzeug.

Wenn über Klimaschutz gesprochen wird, teilt sich die Verantwortung in drei Bereiche: Politik, Wirtschaft und Privatpersonen. Die Politik soll endlich Gesetze erlassen, die Wirtschaft ihre Produktionen nachhaltig gestalten und Privatpersonen nicht mehr so viel Auto fahren und auf Plastiktüten im Supermarkt verzichten. Ein Aspekt, der oft übersehen wird: Auch unsere Arbeit ließe sich optimieren.

Würden alle Unternehmen in Deutschland so arbeiten wie die DAX 30, würde sich die Erde bis 2050 um 4,94 Grad Celsius erwärmen und Deutschland das Zweigradziel, auf das sich die internationale Politik geeinigt hat, weit verfehlen. Auch deswegen haben viele Unternehmen in den letzten Jahren Abteilungen für Corporate Social Responsibility, kurz: CSR, geschaffen. Dort setzen sie sich mit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung auseinander. Nachhaltigkeitsmanager überlegen, wie nicht nur das Produkt, sondern auch die Arbeit innerhalb der Fima umwelt- und gesellschaftsfreundlicher zu gestaltet werden kann. Als Resultat besuchen die einen ihre Produktionsstätten auf anderen Kontinenten, die anderen reduzieren den Papierverbrauch ihrer Firma.

Videokonferenzen statt mit dem Flugzeug zum Kunden

Die Berliner Agentur Richel Stauss versucht, komplett auf Inlandsflüge zu verzichten. "Wir hatten einfach keine Lust mehr, um 6.30 Uhr im Flieger nach München zu sitzen", sagt Mathias Richel, einer der Gründer. Falls es möglich sei, würden persönliche Meetings deshalb durch Videokonferenzen ersetzt. Wenn man doch reisen müsse und der Termin am Morgen sei, reise man eben einen Tag früher mit dem Zug an und komme ausgeschlafen zum Kunden. "Ein gutes Gefühl hat man noch dazu", sagt Richel.

Tatsächlich lässt sich mit einer Zugfahrt viel CO2 sparen: Gut 150 Kilogramm werden pro Person bei einem Flug von Berlin nach München ausgestoßen, weniger als ein Achtel davon ist es mit der Bahn. Zwar beträgt der Anteil des weltweiten Flugverkehrs inklusive Urlaubsflüge an den klimaschädlichen Emissionen nur 2,7 Prozent, doch auch kleine Veränderungen helfen, die gesamte CO2-Belastung zu verbessern.

Die wohl schnellste Variante, etwas vermeintlich Gutes für die Umwelt zu tun, ist, in seine E-Mail-Signatur "Think before you print" zu schreiben. Doch auch, wenn das nahezu alle tun, sinkt der Papierverbrauch in Deutschland nicht, er stagniert lediglich. Etwa 243 Kilogramm verbraucht jeder Deutsche durchschnittlich pro Jahr. Fünf Mitarbeiter verbrauchen also mehr als eine Tonne Papier im Jahr – die in der Produktion genau so viel Energie benötigt wie eine Tonne Stahl. Dabei wäre der Wandel zum papierlosen Büro so einfach, selbst Verträge können heute rechtssicher digital unterschrieben werden.

Schonen E-Mails die Umwelt?

Der Verzicht auf Papier spart nicht nur den Rohstoff selbst ein, sondern auch die Emissionen, die durch den Transport von Briefen anfallen. Ein innerdeutsch verschickter Brief verbraucht 20 Gramm CO2, im Jahr befördert die Post 17,9 Milliarden Briefe. Doch auch E-Mails sind nicht so klimafreundlich, wie sie scheinen: Zwar fallen nur zehn Gramm CO2 pro Mail an, doch weil der Versand nicht so aufwendig ist wie der von Briefen, neigen Mitarbeiter dazu, für jeden neuen Gedanken eine E-Mail zu verfassen: 2018 wurden in Deutschland 848 Milliarden E-Mails verschickt, 2008 waren es noch 217 Milliarden E-Mails – und das ohne Spam. Wer dem Klima und den Mailpostfächern der Kollegen und Kunden etwas Gutes tun möchte, kann also so viele Informationen wie möglich in eine Mail packen – oder einfach mal ins Büro nebenan gehen und die Dinge persönlich besprechen.