In der Öffentlichkeit ist der von den Medien getaufte Schraubenkönig eine streitbare Person. Als die Bundesregierung beispielsweise einen Exportstopp für Rüstungsgüter nach Saudi-Arabien verhängte, legte er Beschwerde ein, weil sein Unternehmen Schalter für gepanzerte Fahrzeuge herstellt. Von 1999 bis 2001 soll er Steuern hinterzogen haben, er zahlte ein Bußgeld von 3,5 Millionen Euro, galt jahrelang als vorbestraft. Mittlerweile ist er das nicht mehr, die Vorstrafe wurde fristgemäß aus dem Strafregister gelöscht.

Dass es nun einen Betriebsrat geben soll, liegt aber möglicherweise weniger an dem alten Patriarchen aus Künzelsau und mehr an einem ehemaligen Mitarbeiter: Daniel Hurlebaus. Er fordert seit Kurzem, dass die Firma ein solches Gremium braucht. Dabei nutze er unlautere Mitteln, wirft ihm die Geschäftsleitung vor. Hurlebaus soll in E-Mails an die Würth-Mitarbeiter versteckte Links eingebaut und damit Daten abgegriffen haben. Diese habe er an die rechtsorientierte Gewerkschaft "Zentrum Automobil" weitergeleitet. Die Gruppierung verfolgt das Ziel, in Unternehmen rechte Betriebsräte zu etablieren, beim Daimler-Konzern ist ihnen das bereits gelungen. Hurlebaus ist AfD-Mitglied, Schatzmeister im Wahlkreis von Parteichef Jörg Meuthen. Würth kündigte Hurlebaus nicht wegen der Betriebsratsinitiative, sondern wegen Datenmissbrauch, aktuell läuft der Prozess vor dem Arbeitsgericht. 

Nach der Entlassung ging Hurlebaus mit seiner Forderung nach einem Betriebsrat mit einem Video an die Öffentlichkeit. Medien berichteten, dass danach die Unruhe im Betrieb gestiegen sei. Schnell fand der Vorschlag Unterstützung – vor allem bei den Angestellten im Außendienst.

"Dadurch hat das Ganze an Fahrt aufgenommen"

"Mitarbeiter, die weit weg vom Firmensitz wohnen, haben die Idee des Betriebsrats aufgebracht", schreibt Würth auf Nachfrage von ZEIT ONLINE. Uwe Bauer von der IG-Metall hat dafür eine Erklärung. Schon seit Jahren stünden die Mitarbeiter im Außendienst unter enormem Druck. Sie arbeiteten auf Provision, hätten weniger Urlaubstage als die Kollegen im Lager, seien verunsichert. Nun solle auch noch ein neues Entgeltsystem eingeführt werden – die Mitarbeiter befürchteten Lohneinbußen. Liegt es also an den Arbeitsbedingungen? Würth hält dagegen: Die Frage sei absurd "bei der niedrigen Fluktuation, die wir im Außendienst haben, zumal die toll ausgebildeten Verkäufer ein bevorzugtes Target für Headhunter sind." Was er meint: Wenn es Außendienstlern nicht gutginge, wären sie längst weg.

Hat der AfD-Lokalpolitiker Hurlebaus das neue Gremium nun ermöglicht? Uwe Bauer von der IG Metall widerspricht: Hurlebaus habe nie einen Wahlvorstand gegründet, nie eine Wahlversammlung einberufen – also formell nicht die Grundlage für einen Betriebsrat geschaffen. Außerdem habe die IG Metall schon länger bei Würth einen Betriebsrat gefordert. Dennoch: "Dadurch, dass Hurlebaus an die Öffentlichkeit gegangen ist, hat das Ganze an Fahrt aufgenommen."

Wie auch immer das von Bauer beschriebene "kleine Wunder bei Würth" zustande kam: An diesem Mittwoch wird gewählt. Hurlebaus kandidiert trotz Kündigung. Auch die Arbeiter Grund, Osiander und Fischer hoffen auf eine hohe Beteiligung und ein gutes Ergebnis. Denn sie wollen ein Wort bei der Zukunft von Würth mitreden. Sie wollen vorsorgen für eine Zeit nach Papa Würth.