8. Konzentrationsfähigkeit: Wenn ich mich stärker konzentriere, wirke ich manchmal geistig abwesend oder desinteressiert. Ich schließe beispielsweise die Augen, damit mich visuelle Reize nicht vom Gesprächsinhalt ablenken, nicht, weil das Gespräch mich langweilt.

Neben dem Ruheraum ist die Küche, geschmückt mit Fotos von Paris, Edinburgh, London, Berlin. Auticon hat in diesen Städten weitere Büros, 14 sind es in Europa und Nordamerika. In der Mitte des Raums steht ein Esstisch.

Öller fragt: "Dürfen wir dich fragen, gemeinsam mit uns zu essen, oder brauchst du Ruhe?"

Wanninger-Bachem sagt: "Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Wird sich zeigen."

9. Kritikfähigkeit: Meistens kritisiere ich andere direkt und ohne soziale Abmilderungsformulierungen. Ich tue das nicht, weil ich bewusst andere verletzen will, sondern weil ich nicht die Fähigkeit habe, Fehler und Probleme euphemistisch zu beschönigen. 

In einem Raum in der Mitte des langen Gangs, der alle Räume des Stockwerks verbindet, sitzen drei Männer. Martin, Markus und Bastian. Auch sie sind Autisten und arbeiten für Auticon. "Hallo", sagen sie, als Wanninger-Bachem reinschaut. "Hallo", antwortet sie.

10. Lernfähigkeit: Manchmal fällt mir Kompliziertes leicht und ich habe unverständlicherweise Probleme mit leichten Dingen.

Einige Meter weiter liegt ihr neues Büro. Ein heller Raum mit hohen Decken. Vor dem Fenster blüht rosa eine Zierkirsche. Zwei Schreibtische stehen drin, an der Wand hängen Poster. Autistic and proud, autistisch und stolz, steht da zum Beispiel. Es gibt kein Telefon, dessen Klingeln nervös machen könnte, und keinen brummenden Server.

Silke Wanninger-Bachem: "Ich schütze mich vor Überlastung". © Verena Kathrein für ZEIT ONLINE

11. Sonstiges: Ich bin sehr gut im mir Sorgen machen.

Zurück im Konferenzraum sagt Beni: "Ich wünsche dir viel Erfolg."

Wanninger-Bachem sagt: "Ja." Pause. "Was ist eigentlich die korrekte Antwort auf viel Erfolg?"

Beni sagt: "Danke."

Wanninger-Bachem sagt: "Es ist mir noch nicht so oft untergekommen, dass Leute mir das wünschen."

12. Soziales Miteinander: Wenn ich nicht gemeinsam mit den Kollegen esse, bedeutet das nicht: "Ich habe etwas gegen euch", sondern, "Ich schütze mich vor Überlastung." Ich brauche, nachdem ich an einem gemeinsamen Mittagessen teilgenommen habe, meistens erst einmal eine Pause allein in meinem Büro, um mich zu erholen.

XML und DITA heißen die Dokumentenformate, die Silke Wanninger-Bachem lernen soll. Als studierte Erziehungswissenschaftlerin und gelernte Steuerfachangestellte kennt sie sich damit nicht aus. "Ich werde jetzt nicht gleich Höchstleistungen erbringen", sagt sie zu Bender und Öller. "Das erwartet auch keiner, es ist alles ganz entspannt", sagt Öller.