13. Stärken: Bei mir weiß jeder, woran er ist. Ich sage direkt und ehrlich genau das, was ich meine.

Zehn Minuten Pause, Wanninger-Bachem macht das Fenster in der Küche auf und schaut nach draußen. Sie beißt in ihre Brezel, atmet durch. Dann setzt sie sich an den Schreibtisch in ihrem Büro, Fensterplatz. Vor ihr stehen ein Laptop und zwei Bildschirme. Ab und an fährt ein Zug vorbei, die Gleise verlaufen nicht weit entfernt von ihrem Fenster. Bei den ersten Malen hält sie sich die Ohren zu, irgendwann ist sie so konzentriert, dass sie die Züge nicht mehr beachtet.

Sie hat eine Aufgabe bekommen: Internetrecherche, sich einen Überblick verschaffen über die Dokumentenformate. Regungslos starrt sie auf die Bildschirme. "Was ist XML?", steht da. Und auf einer anderen Seite: "XML in 5 Minuten." Ihre Rechercheergebnisse will sie in einer Excel-Liste sortieren, doch sie kann Microsoft Office nicht aktivieren. In gebückter Haltung sitzt sie da, tippt in die Tastatur, sucht nach einer Lösung. Manchmal schließt sie ihre Augen, hält sich die Hände vors Gesicht, schüttelt den Kopf. Sie steht auf, schaut sich die Poster an der Wand an, setzt sich wieder, reibt an ihrer Hose, starrt wieder in den Bildschirm. Es vergehen mehr als zwei Stunden. Das Problem löst sie nicht.

14. Teamarbeit: Am liebsten arbeite ich allein als mein eigenes Team.

Öller und Bender kommen in den Raum, es ist 13.30 Uhr, der erste Praktikumstag geht zu Ende. Erst jetzt traut sich Silke Wanninger-Bachem, zu fragen:

"Wie lange muss ich bei einem Problem warten, bis ich fragen darf?"

"Du kannst uns immer fragen", sagt Öller. "Frag uns lieber einmal mehr", sagt Bender.

"Ich bräuchte eine genaue Angabe, sonst suche ich den ganzen Tag selbst nach einer Lösung", sagt Wanninger-Bachem.

"Dann nach einer halben Stunde", sagen Bender und Öller.

"Okay, eine halbe Stunde", sagt Wanninger-Bachem.

15. Zeitmanagement: Rechtzeitig um Hilfe zu bitten fällt mir meistens einfach nicht ein.

Nach vier Stunden und 47 Minuten ist ihr erster Praktikumstag vorbei. 13 Minuten früher als geplant. "Soll ich wirklich schon gehen?", fragt sie. "Du darfst gehen", sagen Öller und Bender höflich. Einige Monate später wird sie erfahren, dass sie nicht wiederkommen soll, dass es keine Projekte mehr gibt, bei denen sie eingesetzt werden kann. Doch Wanninger-Bachem will nicht aufgeben, sich vielleicht selbstständig machen und in Vorträgen über Autismus aufklären. Ihre Bedienungsanleitung könnte dann noch einen Zweck erfüllen.

Korrekturhinweis: In einer ersten Version stand, dass Silke Wanninger-Bachem die Programmiersprachen XML und DITA lernen soll. Das ist falsch. XML und DITA sind Dokumentenformate. Wir haben das angepasst. Die Redaktion.