Mein Sohn und ich, wir haben eine große gemeinsame Leidenschaft: Wir schauen gern Baywatch. Das heißt, ich schaue es gern. Und er mag die Titelmelodie. Sobald die Trommeln erklingen, strahlt er übers ganze Gesicht, rennt zum Fernseher und ruft: "Da kommt der Hasselhoff!" In solchen Momenten geht mir das Herz auf.

Meiner Freundin eher nicht. Noch ein Hasselhoff-Fan im Haus? Es ist anstrengend für sie. Aber ich bin nun mal in Elternzeit. Ich darf meinem Sohn etwas mitgeben, finde ich.

Ich hatte mich mit Kinderkriegen, mit Elternzeit, mit Spielplätzen vor der Geburt meines Sohnes nie beschäftigt. Aber vor einer Sache hatte ich Panik: Davor, Vollzeit zu arbeiten – und ein Baby zu haben. Ich stellte mir vor, mir komplette Nächte mit Babygeschrei um die Ohren zu hauen, danach übermüdet ins Büro zu fahren, abends schnell nach Hause zu hetzen, um dort – husch, husch– den gut gelaunten Daddy zu spielen und mit Glück um 21 Uhr erschöpft auf der Couch zu landen. Nein, das kam nicht infrage. Ich wollte mehr von meinem Kind mitbekommen und es aufwachsen sehen. In halbwegs wachem Zustand.

Als das Kinderthema konkret wurde, war klar, dass meine Freundin und ich gleichermaßen Elternzeit nehmen würden. Die klassische "Mann arbeitet, Frau bleibt zu Hause beim Kind"-Aufteilung wollten wir vermeiden. Vor allem wollten wir zu Beginn gemeinsam Zeit verbringen, als Familie.

Mangelware: Väter in Elternzeit

Als Mann in Elternzeit gehöre ich einer Minderheit an. Zwar ist die Zahl der Väter, die Elternzeit nehmen, seit der Einführung des Elterngelds gestiegen: von drei Prozent im Jahr 2007 auf 37 Prozent im Jahr 2016. Umgekehrt heißt das aber auch: Nur knapp vier von zehn Vätern nehmen Elternzeit – und nur einer davon mehr als zwei Monate, wie eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft aufzeigt.

Drei Jahre Elternzeit stehen gesetzlich jedem Elternteil zu, 14 Monate lang wird Elterngeld gezahlt, 300 bis 1.800 Euro pro Monat, abhängig vom letzten Gehalt. Nimmt nur ein Elternteil die Elternzeit, verkürzt sich der Elterngeldbezug auf 12 Monate. Die Männer, die Elternzeit machen, nehmen daher oft genau diese zwei Monate.

Warum verzichten die meisten dennoch auf das Geld und die gemeinsame Zeit mit dem Kind? Weil sie mögliche Nachteile befürchten, was die Karriere angeht. Und auch finanzielle Einbußen. Die Angst ist nicht unbegründet: Wie eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, verdienen Frauen nach der Elternzeit im Schnitt deutlich schlechter als Kolleginnen ohne Kinder. Dabei kann eigentlich nur wenig passieren: Kommt man aus der Elternzeit zurück, hat man zwar keinen Anspruch auf denselben Job, aber auf einen gleichwertigen. Überrascht sind viele Arbeitgeber offenbar dennoch, wenn ein Vater für längere Zeit in Elternzeit gehen möchte.

"Voll da oder weg"

Ich selbst hatte keine Angst um meinen Job, als ich meine Elternzeit beantragte. Zuletzt arbeitete ich in einer kleinen Redaktion eines großen Unternehmens, war dort stellvertretender Redaktionsleiter. Ich mochte meine Arbeit: ein Magazin planen, Themen aufspüren, Texte schreiben und redigieren, an Layouts basteln, Praktikanten und Volontäre ausbilden. Auf die Elternzeit war ich neugierig; die Ungewissheit, in ein völlig neues Leben einzutauchen, blieb. Mein Gedanke: zwei Jahre Elternzeit, das zweite davon in Teilzeit – die steht einem rechtlich zu, wenn keine dringenden betrieblichen Gründe dagegensprechen. Meine Freundin plante ähnlich. Zudem wollten wir in der Elternzeit unserer freien Arbeit nachgehen.